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Julia Gedeon kehrt im August aus Bolivien zurück / Erfahrungen bei der Arbeit mit Straßenkindern

Mit schwerem Gepäck geht es bald nach Hause

Frieren bei 20 Grad: Santa Cruz ist umgeben von Tropenwäldern, das Wetter ist fast immer sonnig und warm. Die große Klimaumstellung hat Julia Gedeon zu Anfang ein wenig Schwierigkeiten bereitet.

veröffentlicht am 10.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 02:21 Uhr

Am Ende einer Schnitzeljagd freut sich die Diederserin mit.
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Diedersen/Bolivien (hen). Wie schnell doch ein Jahr vergeht: Am 18. August kehrt Julia Gedeon aus Bolivien wieder in ihre Heimat Diedersen zurück. Im Gepäck wird sie dann vor allem viele Eindrücke aus einer anderen Welt haben; Erlebnisse und Erfahren, die nicht nur die Reise, sondern ihr Leben prägen dürften. „Ich freue mich schon sehr auf zu Hause, auf meine Familie, meine Freunde und das deutsche Essen. Bei dem Gedanken, bald zu gehen, fällt es mir schon auch recht schwer“, schreibt sie der Dewezet per Mail. Die 20-Jährige lebt und arbeitet seit zehn Monaten in Santa Cruz im Osten Boliviens, um dort ein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren.

Der Start in „mein neues Leben“, wie sie es selber nennt, „war schon bei der Ankunft geprägt von großer Aufregung“. Die politischen Unruhen gleich zu Beginn ihres Aufenthalts waren erschreckend, „aber das hat sich zum Glück wieder gelegt“.

Julia Gedeon war im September 2008 nach ihrem Abitur im Juni am Fachgymnasium für Gesundheit und Soziales der Elisabeth-Selbert-Schule in Hameln nach Bolivien gegangen. „Ich habe mich für Psychologie und Lehramt Sonderpädagogik beworben, warte derzeit auf eine Zusage und hoffe, dass ich dann im Oktober dieses Jahres anfangen kann zu studieren“, schreibt sie.

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Liebe für Südamerika mit neun Jahren entdeckt

„Meine Liebe für Südamerika habe ich bereits mit neun Jahren entdeckt, als ich mit meiner Mutter und meinem Bruder eine Zeit lang in Chile gelebt habe.“ Die Vorstellung, mit Kindern zu arbeiten, die aus schwierigen Verhältnissen kommen, so ihre Lebensweise kennenzulernen und ihnen Zuwendung, die sie sonst nicht bekommen, geben zu können, hat Julia Gedeon zu den Don Bosco Salesianern geführt. „Ich wusste, welche Arbeit mich erwartet, aber teilweise habe ich es mir ein wenig einfacher vorgestellt. Die Kinder sind alle fantastisch. Für mich ist es nur immer wieder traurig, ihre Geschichten zu erfahren.“

Aufgrund der großen Armut könnten viele Familien ihre Kinder nicht angemessen ernähren. So würden viele auf der Straße leben und dort versuchen, sich mithilfe von Drogen von ihren Problemen zu befreien. Nach den Beobachtungen der jungen Frau begehen sie Diebstähle, um sich ein wenig Geld zum Überleben verdienen zu können und schlafen nachts in den Kanälen der Stadt. „Um solchen Kindern zu helfen, gibt es Projekte wie das der Salesianer Don Boscos, in dem ich seit September arbeite. Das Projekt umfasst sechs verschiedene Stufen, die dazu beitragen sollen, dass die Straßenkinder nach und nach in ein geregeltes Leben mit Ausbildung geführt werden können. Dies gelingt natürlich nicht immer. Für die Straßenkids bietet die Straße eine eigene Welt in Freiheit und verlockt sie immer wieder dazu, dorthin zurückzukehren. Gelingt ihnen der Absprung, werden sie betreut von Pädagogen und Psychologen durch die verschiedenen Stufen des Projekts geführt. Haben sie alle Stufen erfolgreich durchlaufen, kommen sie in das Hogar Don Bosco.“

Insgesamt leben 200 Jungs von 6 bis 18 Jahren dort. Das Heim bietet ihnen eine Art Ersatzfamilie, sie bekommen eine schulische wie religiöse Erziehung und haben vor allem viel Zeit, einmal wirklich als Kinder zu leben. Julia Gedeon: „Für die Kinder bin ich Erzieherin, Freundin, Lehrerin und Schwester zugleich. In der Anfangszeit habe ich Nachhilfeunterricht in Mathe und Lesen gegeben und auch einfach nur mit den Kindern getobt oder geredet.“

Nach drei Monaten dann hat sie eine eigene Gruppe zugeteilt bekommen, in der sie mit zwei anderen als Erzieherin zuständig ist. „Bei dem Gedanken daran, dass ich nun bald schon wieder nach Deutschland gehen werde und die Kinder sich wieder umgewöhnen müssen, wird es mir sehr schwer ums Herz“, schreibt die 20-Jährige.

„Ich habe Höhen und Tiefen durchlebt“

An Feiertagen wie Weihnachten und Silvester habe sie gemerkt, wie sehr ihr die Heimat fehlt. Allein durch das heiße Klima kam schon keine sinnliche Weihnachtsstimmung auf. Allerdings: „Bolivien ist ein aufregendes und spannendes Land. Santa Cruz ist umgeben von Tropenwäldern, das Wetter ist fast immer sonnig und warm. Abends auf der Plaza lässt es sich schön entspannen. Dieses Wetter spiegelt auch die Seele der Cruzeña wieder. Aufgeschlossen, fröhlich, unbesorgt und immer am Feiern. So habe ich auch sehr gute Freundschaften schließen können.“ Der Besuch ihrer Schwester und die damit verbundene Südamerikareise „hat für die letzte Hälfte meines Aufenthalts noch ein wenig Kraft gegeben“. Da es zum Glück an jeder Ecke Internet gebe, konnte sie guten Kontakt zu Familie und Freunden halten.

„Die Zeit hier ist unfassbar schnell vergangen und wird für mich unvergessen bleiben. Ich habe Höhen und Tiefen durchlebt und bin an manch eine meiner Grenzen gestoßen. Aber trotz allem genieße ich all das hier in vollen Zügen und möchte keines meiner Erlebnisse missen müssen“, bilanziert die angehende Studentin. Wer die Arbeit von Julia Gedeon unterstützen möchte, es gibt ein Spendenkonto – Verwendungszweck: BOL 08-321, Spenderkreis Julia Gedeon, Santa Cruz, Bolivien; Bankverbindung: Kontoinhaber: Don Bosco Mission, Kontonummer: 222 7447 00, Commerzbank ehemals Dresdner Bank Köln, BLZ 370 800 40.

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