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Dewezet-Serie „Kleine Museen auf dem Lande“: Heute „Heimatmuseum Lauenstein“

Mehr als nur ein Sammelsurium

LAUENSTEIN. Der Weg ist nicht auf Anhieb zu finden. Denn das kunstvoll gestaltete Holzschild, das in akkurat eingeschnittenen Buchstaben den nötigen Hinweis gibt, ist noch nicht für jedermann sichtbar an der Außenwand angebracht. Und wer vermutet eine solche Einrichtung schon im immer noch repräsentativen ehemaligen Empfangsgebäude einer einstigen Musterhaussiedlung? Doch es lohnt sich allemal, danach zu suchen, denn das Heimatmuseum des Heimat- und Verkehrsvereins Lauenstein, über das dieser Teil der Dewezet-Serie „Kleine Museen auf dem Lande“ informieren soll, kann mit wahrhaft einzigartigen Schätzen aufwarten.

veröffentlicht am 31.08.2018 um 19:19 Uhr

Das schmucke Holzschild, das auf das Heimatmuseum des Heimat- und Verkehrsvereins Lauenstein hinweist, wartet derzeit noch darauf, von Dietmar Vogt und Frank Heise (v. li.) am Haus An den Flachsrotten 2, angebracht zu werden. foto: br
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Autor

Burkhard Reimer Reporter
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Ganz nach herkömmlichem Muster dient auch das Heimatmuseum Lauenstein „der Bewahrung unserer örtlichen Geschichte“, wie der Vorsitzende des Heimatvereins, Wilfried Frenke, im Gespräch mit der Dewezet betont. Allen, auf die nun allein schon der Begriff „Heimatmuseum“ eher abschreckend wirken mag, sei jedoch versichert, dass sich diese Einrichtung in mancherlei Hinsicht von anderen dieser Art unterscheidet. So beherbergen seine Räume nicht etwa ein mehr oder minder wahllos angehäuftes Sammelsurium nostalgisch anmutender Gegenstände aus Uromas Küche und Urgroßvaters Scheune. Vielmehr widmet es sich, worauf Wilfried Frenkes Stellvertreter Hartmut Höhne hinweist, „ganz bewusst drei besonderen Schwerpunkten“.

An erster Stelle steht dort Ernst Friedrich Karl Rudorff. Der wurde zwar 1840 in Berlin geboren, wirkte dort als Komponist und Professor für Klavier und Orgel an der Königlichen Hochschule für Musik und ist 1916 in Lichtenfelde bei Berlin gestorben.

Jedoch war er, wie es in dem 2013 vom örtlichen Heimat- und Verkehrsverein herausgegebenen Bildband „Lauenstein am Ith“ heißt, „durch familiäre Bindungen eng mit Lauenstein verbunden“. Nicht zuletzt gilt Ernst Rudorff als Begründer des Heimatgedankens, der sich zu seinen Lebzeiten landesweit ausbreitete und schließlich in erste Ansätze eines aktiven Naturschutzes mündete.

Wilfried Frenke, Vorsitzender des Heimatvereins, vor dem Schrank mit den Archivalien des Männergesangvereins Lauenstein. foto: br
  • Wilfried Frenke, Vorsitzender des Heimatvereins, vor dem Schrank mit den Archivalien des Männergesangvereins Lauenstein. foto: br
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Gerade in Lauenstein setzte Ernst Rudorff durch seine Aktivitäten für den Naturschutz Zeichen, deren Spuren heute noch sichtbar sind. Etliche großformatige Wandtafeln informieren im Heimatmuseum über das vielfältige Wirken dieses Mannes.

Mit der Zeit ab etwa 1700 befasst sich die zweite Abteilung des Museums. In ihr ist unter anderem die Unterschutzstellung des gesamten Ith als Naturschutzgebiet dokumentiert – auch sie ist übrigens einer Initiative Ernst Rudorffs zu verdanken.

„Vor allem aber“, erzählt Hartmut Höhne, und Stolz klingt aus seinen Worten, „gehört unser allerbestes Stück in diese Zeit“. Und damit nicht zuletzt auch in die Zeit, als Georg III. König von England und Kurfürst von Hannover war.

Daran erinnert ein Geschenk einer Lauensteinerin an das Museum. Es handelt sich um ein dickes, folianten-ähnliches Buch, in dem die Abschriften sämtlicher Verordnungen und Gesetze enthalten sind, die in den einhundert Jahren zwischen 1716 und 1816 in Hannover für das damalige Amt Lauenstein erlassen worden sind. „Darin“, fährt Höhne fort, „kann man zum Beispiel auch nachlesen, wegen welcher Missetaten früher ein Knecht geprügelt werden durfte ebenso wie man Auskunft darüber erhält, welche Entlohnung in jenen Tagen einem Fuhrknecht zustand.“ Voraussetzung dafür sei allerdings, fügt Dietmar Vogt, neben Frank Heise einer der Aktivposten in der Museumsarbeit, hinzu, „dass man die Sprache jener Zeit versteht und die Schrift lesen kann, was gar nicht so einfach ist“.

Information

Heimatmuseum Lauenstein

Als im Salzhemmendorfer Ortsteil Lauenstein vor rund vier Jahren die Grundschule geschlossen wurde, schienen zunächst auch die Tage des örtlichen Heimatmuseums gezählt. Denn dessen Sammlung war in einer ehemaligen Schulleiterwohnung untergebracht. Dann aber boten Inge Jahn und Otto Kreibaum jun. das Empfangsgebäude der ehemaligen Okal-Musterhaussiedlung „für den Ort und die Allgemeinheit zur Nutzung an“, berichtet Heimatvereins-Vize Hartmut Höhne. Auf diese Weise fand dann auch das Museum des Heimat- und Verkehrsvereins Lauenstein ein neues Domizil, in dem es nun seit etwa zwei Jahren untergebracht ist. Besonders erwähnt Höhne in diesem Zusammenhang den ehrenamtlichen und unschätzbaren Beitrag von Dietmar Vogt und Frank Heise. Die beiden Lauensteiner „haben nicht nur die Archivierung unseres Bestandes - vom Erfassen über das Fotografieren bis hin zur digitalen Sicherung - übernommen, sie waren auch in vielerlei Hinsicht Ideengeber für die Gestaltung der neuen Museumsräume“. Dass Vogt und Heise dafür viele Abende und so manches Wochenende geopfert haben, sei für sie selbstverständlich gewesen. Dass nun auch nach zwei Jahren das hölzerne Hinweisschild an der Außenwand des Gebäudes noch fehlt, wird zweifellos jeder verstehen, der schon einmal so einen Monsterumzug stemmen musste. Da bleiben die „Kleinigkeiten“ eben schon mal etwas längere Zeit unerledigt.

Letztlich ist das auch nicht weiter tragisch, denn das Museum kann ohnehin nur nach vorheriger Anmeldung, dafür dann aber in Verbindung mit seiner sach- und fachkundigen Führung besucht werden. Anmeldungen nehmen der Vorsitzende des Heimat- und Verkehrvereins, Wilfried Frenke, Telefon 05153 6720, E-Mail frenke@gmx.de sowie sein Stellvertreter Hartmut Höhne, Telefon 05153 / 6842, E-Mail hoehne-danile@t-online.de, entgegen. Der Eintritt ist kostenlos,

Entschieden einfacher ist es da schon, einen ganz besonderen Ortsplan zu deuten, und das nicht zuletzt, weil er in der Abteilung „junge Geschichte ab 1950“ des Heimatmuseum an der Wand hängt. Die von Helga Vogt aus Lauenstein akribisch angefertigte Karte zeigt den Wandel im Dorf auf und dokumentiert auf anschauliche Weise, dass dieser Wandel auch in Lauenstein nicht nur Landflucht bedeutet hat, sondern dass mit ihr auch zahlreiche Geschäfte sowie anderes Kleingewerbe aus dem Ort verschwunden sind.

Neben zahlreichen weiteren sehenswerten Exponaten, darunter auch Darstellungen der ehemaligen Burg Lauenstein und ihrer Geschichte, birgt das Museum schließlich noch einen Schrank, dessen Inhalt Wilfried Frenke ganz besonders am Herzen liegt. Es sind die Archivalie, des Männergesangvereins Lauenstein von 1884, der 2016 aufgrund zu geringer Mitgliederzahlen aufgelöst werden musste. „Auch diese Dinge“, sagt Frenke und hält die 1984 anlässlich des 100-jährigen Bestehens verliehene Zelter-Plakette hoch, „sind allemal des Aufbewahrens wert, denn schließlich war der MGV stets ein bedeutender Faktor in unserem dörflichen Leben“.

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