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Mara Woldt ist Geomantin – und kämpft gegen die Entfremdung des Menschen von der Natur

Leute und Landschaft im Einklang mit der Erde

Brünnighausen (ist). Ferien und Freizeit habe sie schon als Kind grundsätzlich und fast ausschließlich mit Hacke, Schaufel und Begeisterung in den Kräuterdüften, Blütenmeeren und Baumschulen der Gärten von Dresden verbracht, erinnert sich Mara Woldt. Weil die Mutter dort arbeitete. Eigentlich sei sie mehr in den Parks aufgewachsen als in den vier Wänden ihres Zuhauses. Nicht wirklich überraschend, dass ihrem allerersten Berufswunsch bei der Einschulung – „Kindergärtnerin, wenn ich mal groß bin“ – nur eine recht sparsame Zukunft bis zur vierten Klasse beschieden war. Im Laufe der Grundschule strich sie die „Kinder“ und konzentrierte sich fortan und bis heute auf Gärtnerin – und erweiterte dies später durch die Geomantie, die Lehre von Harmonie zwischen Mensch und Natur. „Weil ich schon immer außergewöhnlich neugierig war und alles genau wissen wollte.“ Am Ende der Schulzeit hätte sie zwar auch schon gern studiert, erinnert sich die 48-Jährige. Aber weder Notendurchschnitt noch politische Einstellung hätten damals dem strengen Anforderungsprofil der DDR gerecht werden können.

veröffentlicht am 08.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 23:21 Uhr

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Also absolvierte sie während der Jahre der Wende in Dresden eine Gärtnerlehre. Anschließend (1992) begab sie sich mit Kluft und Stab der Handwerkertradition folgend auf fünfjährige Wanderschaft durch die Welt, arbeitete in Gärten und auf den Feldern von Süd- und Mittelamerika, Italien, Norwegen, England, Deutschland. „All die Jahre hindurch war mir, wo immer ich hinkam, ein Land ebenso fremd wie das andere“, sagt sie heute auf der Terrasse in Brünnighausen, „weil ich ja 20 Jahre lang nie aus der DDR rausgekommen war“. Und als sie schließlich in die Heimatstadt Dresden zurückkehrte, war ihr auch diese fremd geworden. Und dennoch: Das „kleine“ Deutschland, das hatte sie in der Welt gelernt, mit seiner „Puppenstube“ landschaftlicher Vielfalt und verborgener historischer Schätze von der Küste bis ins Hochgebirge, das war einzigartig. Da gehörte sie hin, auch wenn sie ab 1997 auf dem Weg in die Selbstständigkeit als Garten- und Freiraumgestalterin nicht selten den Kapitalismus „mit Tränen in den Augen lernen musste“. Planung, Neuanlage und Pflege des Gartens bietet und bot sie ihren Kunden seitdem an. Aber irgendwie war da immer häufiger das Gefühl, dass irgendetwas fehlte, so Woldt heute. Nicht immer sorgte der neu angelegte Traumgarten für Rundumwohlbehagen. Im Gegensatz zu den alten, blühenden Bauerngärten der Dörfer. „Die bewirtschaften wir aus Tradition seit über hundert Jahren so!“ Ein Standardspruch der Bauern, den sie immer wieder hörte, der ihr aber nicht genügte. Wenn man sich an einem wundervollen Ort plötzlich vollkommen wohlfühlt, ohne zu wissen warum, sagte ihre Neugier, müsse es dafür verborgene Gründe geben, die auch umgekehrt Unbehaglichkeit im eigenen Haus und Garten trotz aller Ästhetik erklären. Die Antwort habe sie in der Geomantie, wörtlich „Erdwahrsagung“ oder „Gespür für Erde“, gefunden. Verschiedene Strahlungen und Energien von Erde und Kosmos bestimmen danach in der Wechselbeziehung mit dem Menschen dessen Wohlbefinden. Ein Leben in Gesundheit und Ausgeglichenheit sei nur in absoluter Harmonie mit diesen „Erdungen“ möglich.

Nicht ohne Grund seien alle von der Unesco als Stätten des Weltkulturerbes ausgewählten Einzigartigkeiten wie die ägyptischen Pyramiden oder die Lagunenstadt Venedig streng nach der Geomantik konzipiert. Wenn es um die eigenen vier Wände und den Garten geht, gebe es bei manchen Kunden immer noch ein anfänglich spontanes Abwinken, weiß Woldt aus ihrer Praxis. Feng Shui? Nein danke! Esoterik? Muss nicht sein! Dann beschränkt sie sich auf die Landschaftsgärtnerei. Und dennoch: Das Wissen der Geomantie sei jahrtausendelang Grundlage für die Planung von Heiligtümern, Schlössern, Ortschaften und Landschaftsgestaltung gewesen, habe sie gelernt. Die Kräfte der Erde erkennen und mit ihnen im Einklang zu leben, so die Geomantin, sei eine Kunst, die der Mensch über seine Hightechentwicklung und Entfremdung von der Natur verloren habe. Früher wurde radiästhetisch Wasser gesucht und an den Fundstellen Brunnen und Bauernhäuser gebaut. Das Vieh weidete an möglichst strahlungsfreien Plätzen. So blieb es gesund. „Und uns“, lächelt Woldt, „schmeckt das Frühstück auch heute noch in der östlich besonnten Küche am besten“. Im Mittelalter habe die Wünschelrute den günstigsten Platz für Kirchen und andere wichtige Gebäude entdeckt. Optimales Energiepotenzial gelte es auch heute für die eigenen vier Wände zu finden. Seit einigen Jahren fließt geomantisches Wissen immer mehr in die Planung von Häusern und Gärten ein. Mara Woldt hat 2000 bis 2001 ihre Ausbildung als Geomantieberaterin im Westerwald absolviert. Wenn sie heute zu ihren Kunden kommt, fließen auch Ortsgeschichte, topografische und geologische Karten, Katasterauszüge, Flurgeschichte, energetische Strukturen, Elektrosmog, Wasseradern, Kraftlinien und Energiedichte in ihre Planung ein und versprechen maximales Wellnessfeeling im Gartengrün.

„Das hat’s rundgemacht“, sagt die leidenschaftliche Naturliebhaberin, die mit Begeisterung auch heimatkundliche Wanderungen in der Region anbietet. Seit 2004 lebt sie mit ihrer Familie in Brünnighausen. „Das Weserbergland ist eine Wohlfühlregion mit Seltenheitswert, allein die Fülle an Pralinés sowohl historischer Art, überall gibt es Plätze christlicher und vorchristlicher Rituale, Klöster, Romanik pur, Weserrenaissance, als auch landschaftlicher Gegebenheiten, die in die Gestaltung durch den Menschen einbezogen werden.“

„Jeder Garten braucht seine Kuschelecken, und wenn es der
  • „Jeder Garten braucht seine Kuschelecken, und wenn es der Platz unter großen Bäumen ist. Jede südlich exponierte Hanganlage sollte ihren Schauinsland-Sitzplatz haben“, sagt Mara Woldt. Fotos: ist

Dass es im Dorf keinen Mangel an Nachwuchs gibt, ist für sie nicht erstaunlich: „Wo könnte ich mein Kind besser aufziehen, als in dörflich kuscheliger Bilderbuchlage, mit schützendem Wald im Rücken, sonnig weitem Südblick hinab ins Land, eigenen Wasserquellen aus dem Berg und ruhig sicherer Sackgassendorflage?“

Ausgangspunkt der geomantischen Planung ist die geologische Karte.



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