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„CutADORE“:Neue Galerie eröffnet

Kunst aus Scherben

THÜSTE/WALLENSEN. Tanja Flügel hat zusammen mit ihrem Ehemann Marcus Flügel einen Traum verwirklicht und ihre eigene Galerie eröffnet. Das Paar wohnt schon lange Jahre in Thüste und hat sich mit dem Projekt „Kleiner Thüster Laden“ schon früher in die Thüster Dorfgemeinschaft eingebracht.

veröffentlicht am 06.06.2017 um 12:35 Uhr
aktualisiert am 06.06.2017 um 15:00 Uhr

Tanja und Marcus Flügel freuen sich schon auf die Museums-Sommernacht am 17. Juni. Foto: gök
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Christian Göke Reporter
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THÜSTE/WALLENSEN. Nach der Schließung zahlreicher Geschäfte in den vergangenen Jahrzehnten oder der Auflösung von Vereinen wie dem Schützenverein gibt es kaum positive Entwicklungen in dem kleinen Ort an der Saale. Doch Thüste hat nun vielen Orten etwas voraus. Tanja Flügel hat zusammen mit ihrem Ehemann Marcus Flügel einen Traum verwirklicht und ihre eigene Galerie eröffnet. Das Paar wohnt schon lange Jahre in Thüste und hat sich mit dem Projekt „Kleiner Thüster Laden“ schon früher in die Thüster Dorfgemeinschaft eingebracht.

Tanja Flügel entdeckte 2011 ihren Spaß an Mosaik-Gestaltung und ist seitdem auch als Künstlerin aktiv. An zahlreichen Orten hat die gebürtige Wallenserin schon ausgestellt, wie etwa in dem Unesco-Welterbe Fagus-Werk Alfeld. Die Ausstellung hatte die Künstlerin intensiv vorbereitet und fand es dann einfach schade, dass die ausgestellten Werke wieder in ihrem Atelier verschwinden und für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich wären. Ihr Mann ermutigte sie schließlich, den 2000 geschlossenen Einkaufsladen der Familie in Thüste umzubauen und dort eine Galerie zu eröffnen. Nach einiger Umbauzeit führte das Paar nun schon erste Gäste durch die Galerie, darunter die Bundestagsabgeordnete Gabriele Lösekrug-Möller – und erntete positive Rückmeldungen.

Für ihre Kunstwerke nutzt Flügel die Scherben von altem Porzellan oder Glas, dass sie bei Flohmarkthändlern oder privaten Spendern bekommt. Aus Bruch etwas Neues zu schaffen, spiegelt sich auch in dem Galerie-Namen „CutADORE“ wieder. „Meine Kunst entsteht aus Gegenständen, die andere wegwerfen“, so Flügel. CutADORE-Mosaike von Tanja Flügel sind Werke aus dem Überfluss. Sie speichern mit ihren Scherben Elementarteilchen von Gefühlen und Erinnerungen.

Ein Blickfang ist das Mondscheinwesenfunkelkind. Foto: gök
  • Ein Blickfang ist das Mondscheinwesenfunkelkind. Foto: gök

Zumeist entwickeln sich ihre Ideen nach Spaziergängen, wo die Natur auf sie wirkt. Bei der Skulptur „Tuisto“ etwa hat sie sich von der Landschaft am Thüster Berg inspirieren lassen und diese auf einer Vase in einem Mosaik wiedergegeben. Ihre Werke bestehen aber nicht nur aus Porzellanscherben: Bei der Skulptur „Herbst im Stein“ hat sie Thüster Kalkstein mit eingebaut. Auch wenn die Kunstwerke von Tanja Flügel mit Reizen nicht sparen, fällt bei vielen Besuchern immer wieder der Blick auf das glänzende „Mondscheinwesenfunkelkind“. Das Kunstwerk entstand allerdings erst nach „Himmelwärts“, da nach der Erstellung des Urnen-Kunstwerkes viele weiße Scherbenreste übrig waren – und so neues Leben auf dem Mondscheinwesenfunkelkind entstehen ließen.

Beim Schaffen ihrer Kunstwerke taucht Tanja Flügel in eine andere Welt ein. „Wenn ich morgens in das Atelier gehe und erst zum Mittagessen wieder rauskomme, ist das für mich ein sehr schöner Tag“, so Flügel. Hauptberuflich ist Flügel derzeit in der Software-Entwicklung tätig und beschäftigt sich mit Internet-Technologie und Datensicherheit im Netz. Wenn die Thüsterin ihre Mosaike nicht auf Formen wie Vasen klebt, schafft sie zunächst mit Draht und Beton Formen, wo die Scherben auf dem Fliesenkleber ihren Platz finden. Der Fliesenkleber gibt ihr immer genug Zeit, so dass die Scherben ihre richtige Position finden. Während sich Porzellan-, Glas- oder Keramikscherben bei der künstlerischen Umsetzung bewährt haben, verliefen Versuche mit Christbaumkugelscherben nicht erfolgreich. „Beim Verfugen verlieren die Scherben mit Masse ihre Farbe“, erklärt Flügel. Ihre Galerie zieren mittlerweile auch Wandbilder.

In der Galerie hat aber nicht nur Tanja Flügel ihre Räume. Den hinteren Bereich nutzt Marcus Flügel für sein Fotoatelier, wo er Models oder auch Gegenstände mit dem Fotoapparat auf Papier bringt. So ergänzen sich beide Tätigkeiten oft, wenn Marcus Flügel zum Beispiel einen Kunstkatalog für seine Frau erstellt.

Tanja und Marcus Flügel werden ihre Galerie in der Museums-Sommernacht am Samstag, 17. Juni für die Öffentlichkeit öffnen. Kunstinteressierte haben während der Veranstaltung gleich zwei Anlaufpunkte, da Burkhard Bösterling auch im Garten des Hauses an der Stadtmauer in Wallensen ausstellen wird, wo der Verein DorfKulTour die Türen öffnet. Besucher sind in beiden Orten ab 18 Uhr bis 24 Uhr willkommen.



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