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„Anmaßend und überheblich“

Kritik an Kindergarten-Plänen der Kirche

OSTERWALD. Die vom Kirchenamt Hildesheim angedachten Veränderungen im Kindergarten in Osterwald haben sie im jüngsten Ausschuss für Bildung und Migration des Salzhemmendorfer Rates schon mächtig für Aufregung gesorgt.

veröffentlicht am 10.11.2017 um 15:07 Uhr
aktualisiert am 10.11.2017 um 17:10 Uhr

Ob die unter Dreijährigen in Osterwalds Kindergarten unterkommen, ist vorerst ungewiss. Foto: pixa bay
Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite
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So haben die Kulturgemeinschaft Osterwald und Mitglieder des Fachausschusses umgehend Protest eingelegt, dass sie nicht rechtzeitig im Vorfeld in die Planungen eingeweiht worden sind; und Vertreter aller Ratsgruppierungen haben bereits ihre Zweifel angemeldet, ob eine Veränderung der Kindergartenstruktur in „Glück auf“ überhaupt erforderlich sein wird.

Zur Vorgeschichte: Das Kirchenamt Hildesheim desKirchenkreisverbandes Hildesheim hatte mit Schreiben Mitte Oktober die Umwandlung der bisherigen Kindergartengruppen in dem von ihm betriebenen Osterwalder Kindergartens in zwei altersübergreifende Gruppen zum nächstmöglichen Zeitpunkt vorgeschlagen. Bisher werden im „Glück Auf“- Kindergarten bis zu 35 Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren in einer Regelgruppe (25 Kinder) und einer Kleingruppe (10 Kinder) betreut. Eine U3-Betreuung findet nicht statt.

Nach Auskunft von Kindergarten-Leiterin Susanne Wöckener haben nun bereits sechs Eltern den Wunsch geäußert, ihre Kinder bereits ab einem Alter von zwei Jahren in der Osterwalder Einrichtung in einer U 3-Gruppe betreuen zu lassen. Für Susanne Wöckener wäre daher „eine U 3-Betreuung für Osterwald notwendig.“

Voraussetzung für die Betreuung von U 3-Kindern wären aber ein Umzug und erhebliche bauliche Veränderungen im Obergeschoss des Dorfgemeinschaftshauses. Die Räumlichkeiten dort werden derzeit von der Dorfgemeinschaft genutzt. Dessen Vorsitzender Hans-Joachim Höflich nutzte gleich zu Beginn der Sitzung die Bürgeranhörung, um seine Beschwerde über Kirchenkreis und Verwaltung loszuwerden. Es gehe nicht an, dass die Kulturgemeinschaft als direkt Betroffene nicht über eine solche Veränderung informiert worden seien, kritisierte Höflich. Er sprach von einem „anmaßenden und überheblichen Verhalten der Kirchenverwaltung“: Die Räume der Kulturgemeinschaft sollten für Zwecke des kirchlichen Kindergartens „verfrühstückt werden.“ Dabei sei das Wegnehmen der Probenräume der Kulturgemeinschaft „ein empfindlicher Eingriff in Osterwalds Kulturleben, der vier Vereine in seiner Existenz bedroht“, so Höflich. „Großen Vertrauensschaden“ habe auch die Verwaltung angerichtet, indem sie den Kirchen-Antrag ebenfalls nicht mit den Vereinen kommuniziert habe.

In der Ausschuss-Diskussion merkte Bürgermeister Clemens Pommerening zu der Kritik an, dass es einer Gemeindeverwaltung zustehe, Vorüberlegungen über ein gemeindeeigenes Gebäude anzustellen, zumal „die Nachfrage nach u 3 Betreuung in Zukunft noch zunehmen“ werde.

Aufseiten der Politik sorgte indes die von der Verwaltung angestellte Kostenermittlung zu den erforderlichen baulichen Maßnahmen von rund 270 000 Euro für den Hausumbau für Verwunderung. Zusätzliche Kosten entstehen bei der dann notwendigen Ergänzung von pädagogischem Personal. Die zusätzlichen Personalkosten belaufen sich laut Kirchenamt auf etwa 47.000 € jährlich. Diese Kosten sind im Haushaltsplanentwurf für 2018 bisher nicht berücksichtigt worden.

Für die Mehrheitsgruppe kündigte Ausschuss-Mitglied Karl-Heinz Grießner (SPD) an, dass man dem Projekt nicht zustimmen werde: Nach den Bedarfsermittlungen und der Aufstellung des KiTa-Bedarfsplans durch den Landkreis Hameln-Pyrmont im Frühjahr diesen Jahres hält der Flecken Salzhemmendorf ein noch auskömmliches Angebot an Betreuungsplätzen sowohl im U 3- als auch im Regelbereich vor. Zusätzlicher Bedarf könnte über Tagespflegepersonen, auch speziell in Osterwald, noch abgedeckt werden. Dem schloss sich auch Dr. Wilhem Koops (CDU) an, der zu bedenken gab, dass durch ein weiteres Angebot in Osterwald Überkapazitäten in Oldendorfs Kindergarten geschaffen werden könnten.

Der Ausschuss plädierte abschließend übereinstimmend dafür, vorerst keinen Beschluss über den Kirchen-Vorschlag zu fassen. Stattdessen wurde die Verwaltung beauftragt, eine aktuelle Bedarfsanalyse zu erstellen.

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