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Landfrauenverein Coppenbrügge feiert 70-jähriges Bestehen

Kreativ und vielseitig aktiv

COPPENBRÜGGE. Landfrauen „anno dazumal“ waren meist Bäuerinnen oder Hausfrauen, die sich von früh bis spät abrackerten – im Haushalt, im Garten, auf dem Feld oder im Stall. Spätabends wurden Socken gestopft, Knöpfe angenäht und Pullover gestrickt. Da blieb keine Zeit für eigene Interessen.

veröffentlicht am 18.10.2017 um 14:03 Uhr

Die Frauen des Landfrauenverein Coppenbrügge sind mit eigenen Produkten auf Märkten vertreten. Foto: Privat
Stolte Christiane

Autor

Christiane Stolte Reporterin
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Das Geld war knapp, und Anerkennung gab es auch nicht. Und gerade danach sehnten sich die Frauen. Wie gern hätten sie wenigstens hin und wieder ihre derben Kittelschürzen an den Nagel gehängt, um für ein paar Stunden aus den gewohnten vier Wänden herauszukommen, um etwas für sich selbst zu tun, vielleicht sogar, um sich weiterzubilden.

Viele Frauen wollten nicht mehr von ihren Männern abhängig sein. Sie strebten nach Selbstständigkeit, Wahlrecht und Zugang zu Berufen und zum Studium. Es entstand eine Landfrauenbewegung, die 1898 so richtig in Schwung kam – mit der Gründung des ersten Landfrauenvereins, dem „Landwirtschaftlichen Hausfrauenverein“ durch die Gutsfrau Elisabeth Boehm im ostpreußischen Rastenburg. Ihr Engagement zog weite Kreise. Es entstand eine große Landfrauenorganisation, aus der viele Landfrauenvereine hervorgingen. Auch in Coppenbrügge entstand ein Verein. Er wurde im November 1947 mit 25 Landfrauen gegründet. Am kommenden Samstag, 21. Oktober, wird das 70-jährige Bestehen gefeiert.

Aber nicht nur Landfrauen aus Coppenbrügge waren damals dem Verein beigetreten, sondern auch Frauen aus den Dörfern Marienau, Dörpe, Bäntorf, Brünnighausen, Behrensen, Herkensen, Voldagsen, Oldendorf und Hemmendorf. Bald kamen auch Frauen aus Salzhemmendorf, Osterwald, Benstorf, Ahrenfeld, Lauenstein, Ockensen, Wallensen und Thüste dazu.

Die Landfrauen sind kreativ und unternehmungslustig. Foto: Privat
  • Die Landfrauen sind kreativ und unternehmungslustig. Foto: Privat
Bei Veranstaltungen bringen sich die Landfrauen gerne mit Sketchen und kurzweiligen Einlagen ein. Foto: Privat
  • Bei Veranstaltungen bringen sich die Landfrauen gerne mit Sketchen und kurzweiligen Einlagen ein. Foto: Privat

„Es waren alles Frauen, die etwas mit der Landwirtschaft zu tun hatten“, weiß Elisabeth Nagel aus alten Protokollbüchern. Sie führt den Landfrauenverein Coppenbrügge seit 1996 als Vorsitzende. Er war damals gegründet worden auf Initiative der Leiterin der Landfrauenschule Hameln sowie von Ilse Falke aus Coppenbrügge, die den Verein von 1947 bis 1970 leitete. Ihre Nachfolgerinnen wurden Marlis Lücke aus Coppenbrügge, Marianne Nagel aus Coppenbrügge, die 1996 von Elisabeth Nagel abgelöst wurde. „Obwohl der Verein bereits seit 70 Jahren besteht, hatte er erst vier Vorsitzende“, bilanziert die amtierende Vorsitzende.

Das langjährige Engagement der Frauen zeige, dass sie sich wohlfühlen im Kreis der „fleißigen Bienen“, wie die Landfrauen bundesweit genannt werden. Die Biene ist das Verbandszeichen und steht symbolisch für soziales Engagement, Verantwortungsbewusstsein und Gemeinschaftssinn.

Waren es damals „nur“ Landfrauen, die den Landfrauenvereinen beitraten, sind heute alle Berufsgruppen vertreten. Der Wandel der Zeit ist auch in Coppenbrügge nicht zu übersehen. „Landfrauen im eigentlichen Sinn haben wir kaum noch“, bilanziert Elisabeth Nagel. Der Coppenbrügger Verein ist ein Teil des großen Landfrauen-Netzwerkes. Rund 500 000 Frauen gehören dem Deutschen Landfrauenverband an. Das sind 12 000 Ortsvereine in 22 Landesverbänden.

Der Landfrauenverein Coppenbrügge zählt derzeit 190 Mitglieder. Ältestes Mitglied ist Ilsemarie Bokelmann aus Marienau, die den Verein damals mitgegründet hatte. „Wie viele andere Vereine suchen auch wir dringend Nachwuchs“, wirbt Elisabeth Nagel um neue Mitglieder.

Das Jahresprogramm sei so gestrickt, dass es alle Altersgruppen anspreche. Vorträge zu allen Lebensbereichen, Fahrten und Wanderungen gehören ebenso dazu wie kulturelle Angebote und gemeinsame Ausflüge. Auch sind die Landfrauen ab und an mit eigenen Produkten auf diversen Veranstaltungen und Märkten anzutreffen.

Das 70-jährige Bestehen des Landfrauenvereins Coppenbrügge wird mit geladenen Gästen am kommenden Samstag, 21. Oktober, ab 9.30 Uhr im Okal-Café in Lauenstein gefeiert. Es gibt ein reichhaltiges Frühstücksbuffet, Musik und einen Vortrag der Landesvorsitzenden des niedersächsischen Landfrauenverbands, Barbara Otte-Kinast. Der Vortrag hat das Motto „Landfrauen sind frech, wild und wunderbar“.

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