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Geschwister sauer auf Telekom: Anschluss der dementen Mutter defekt / Vom Hilfssystem abgehängt

Kranke Seniorin wochenlang ohne Notruf

Brünnighausen (ist). „Das ist menschenunwürdig. Wo leben wir denn?“ Die Entrüstung von Brigitte Steinert und Burkhard Jysch richtet sich gegen die Deutsche Telekom. Fast vier Wochen lang wurden die Geschwister ohne Erfolg in endlosen Callcenter-Warteschlangen des Unternehmens „durchgereicht und hingehalten“. Ohne Erfolg – Festnetzanschluss und Notruf der dementen Mutter blieben gestört. Erst auf Intervention von Bürgermeister Hans-Ulrich Peschka und die anwaltliche Ankündigung einer Klage auf unterlassene Hilfeleistung waren die Kabelschäden behoben – dann innerhalb von 50 (!) Minuten.

veröffentlicht am 04.02.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 17:41 Uhr

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Angefangen hatte der Ärger am 23. Dezember des vergangenen Jahres: Als Burkhard Jysch (63) wie jeden Morgen seine demenzkranke Mutter Marlies (86) in Brünnighausen anrufen will, hört er nur ein Quietschen in der Leitung. Beim zweiten Versuch klopft das Besetztzeichen ins Ohr, beim dritten gar nichts, beim vierten kreischt wieder das Quietschen aus der Muschel. „So als hätte ich eine Faxnummer angewählt“, sagt der Xantener. All seine weiteren Versuche werden mit wahlweise diesem, jenem oder gar keinem Ton beantwortet – keiner mit der Stimme der Mutter, die aufgrund ihrer Demenz, Blindheit und Hinfälligkeit 24 Stunden am Tag rund um die Uhr von der Tochter Brigitte Steinert in ihrem Haus am Nesselberg gepflegt wird. Ganz wesentlicher Anteil der morgendlichen Medikation für die Seele der Seniorin ist der tägliche Anruf des Sohnes zur Frühstückszeit. An diesem Tag vor Heiligabend fehlt er, weil die Leitung gestört ist; und Marlies Jysch leidet, wird fast vier Wochen leiden, weil trotz nahezu täglicher Anrufe der Geschwister und des gerichtlich bestellten Betreuers der Mutter, Anastasios Odabassidis, vom Callcenter der zuständigen Telekom keine Abhilfe geleistet wird. Was allein schon heftig genug wäre, so Steinert und Jysch, ginge es nur um den Festanschluss an sich. Die Angelegenheit sei jedoch dramatisch, weil der Anschluss mit einem nun ebenfalls gestörten Johanniter-Notruf verbunden ist, der im Notfall über Leben und Tod entscheiden kann. Höhere Leistungen mit deutlichen Zuschlägen für die 1,1 Millionen Demenzkranken in Deutschland wie Marlies Jysch, wie von der schwarz-gelben Regierungskoalition gerade beschlossen, seien durchaus eine begrüßenswerte Entscheidung, so Jysch und Steinert, die ihre Mutter seit Jahren zu Hause versorgt. Geld allein könne gleichwohl nicht immer helfen, wenn, wie erlebt, fehlende Kompetenz oder Bereitschaft der Telekom als Hilfeleistung schon jetzt nicht ausreichen, einen lokalisierten Kabelschaden innerhalb von vier Wochen zu beheben, obwohl die Gebühren bezahlt werden. Die Telekom weist die Vorwürfe zurück. Man habe sehr wohl auf die Störungsmeldungen reagiert. Dabei seien im Verlauf von zwei festgestellten Störungen insgesamt vier Techniker-Einsätze vor Ort erfolgt, teilt Pressesprecher Dr. Lorenz Steinke auf Nachfrage der Dewezet mit. Eine Störung sei durch Austausch eines Bauelementes im Dezember behoben, die zweite nach einem Vor-Ort-Termin im Januar eingemessen und behoben worden. Eine Ersatzschaltung sei geprüft, aber aus technischen Gründen nicht möglich gewesen. „Klingt für mich fadenscheinig“, so Jysch, „warum konnten wir dann nicht telefonieren, wenn doch alles behoben war? Und was hätte die Telekom gesagt, wenn der Notruf tatsächlich nötig gewesen wäre, was zum Glück nicht der Fall war?“ Seine Empfehlung für alle, die jemals in die gleiche Situation kommen: Nehmen Sie sich einen Anwalt, der mit Klage droht…

Festnetzanschluss und doppelte Sicherheit auf Knopfdruck am Alarm-Mobilteil des Notrufes können bei Marlies Jysch über Leben und Tod entscheiden – vier Wochen lang war beides gestört.

Foto: ist



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