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Scheidender Rektor Manfred Westram plädiert für Zusammenlegung auch in Coppenbrügge

„Keine Angst vor Schulschließungen“

Bisperode. Geschätzt 2500 Schüler hat er in 27 Jahren unterrichtet. Nun sei „es Zeit, es reicht“, erklärt er die abgekreuzten Wochen im Terminplan an der Wand. Im vergangenen März hat Manfred Westram, seit acht Jahren Rektor an der Grundschule Bisperode, Antrag auf seine, um ein halbes Jahr vor Vollendung des 65. Lebensjahres, vorzeitige Pensionierung zum 31. Januar eingereicht. Seitdem – und erst seitdem, versichert er, streiche er jede Woche im Kalender ab. Westram sitzt in legeren Jeans, kariertem Hemd in seinem Büro und streicht mit der Hand über das nicht mehr ganz volle Haar. Es habe immer Spaß gemacht, „eine schöne Zeit mit Schülern und Kollegen war es, auch und insbesondere diese letzten acht Jahre als Schulleiter in Bisperode“.

veröffentlicht am 20.01.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 20:41 Uhr

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Autor:

Ingrid Stenzel
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Das beruht offensichtlich auf Gegenseitigkeit: „Der Herr Westram? Das ist ein ganz Lieber, ein richtig Lieber… Lustig ist er und Mathe kann der unterrichten – wow, wir sind alle topfit mit den Zahlen!“ Milena, Melina, Michelle, Annika und Monique halten sich in der Pause auf dem Schulhof beim Polospiel warm. „Manfred Westram – ein geradliniger Schulleiter mit immer offenem Ohr für die Eltern, der sich in seiner ihm eigenen Art immer für das Wohl der Schule eingesetzt hat“, sagt Vivian Wiemann für die Elternschaft. „Einen besseren Chef können wir nicht haben“, versichert Dagmar Grund, pädagogische Mitarbeiterin, und testet die Bissfestigkeit der Spaghetti in der Koch-AG. Auf den beliebten Schulleiter werden Schüler, Lehrer und Eltern der Grundschule Bisperode ab Februar verzichten müssen.

Die Kinder würden kribbeliger, er selbst ungeduldiger. „Man wird alt. Jetzt freue ich mich auf den letzten Tag und dann Reisen, Wandern, mit Eddie, Deutscher Wachtelhund, auf die Jagd gehen...“ Nach insgesamt 27 Jahren Schuldienst an verschiedenen Schulen im Landkreis blickt der geborene Göttinger auf umfassende Insidererfahrung im Grundschulbereich zurück, zieht Bilanz und gibt Ratschläge für die Zukunft. Die Wichtigsten: Die meiste Unterstützung und geradezu außergewöhnliche Wertschätzung habe er in Bisperode durch die Eltern bekommen. „Das ist schon beispielhaft“, sagt er, „wie Elternvertretung und Elternverein immer helfen, organisieren, machen und tun bei Feiern, Veranstaltungen, Einschulung – Respekt! Das hat es früher so nicht gegeben und es hat das Schulleben in den letzten Jahren deutlich bereichert.“ Sein aufgrund der Aktualität besonderer schulpolitischer Rat mit Empfehlung an Eltern und Schulträger: Keine Angst vor Schulschließungen und Zusammenlegung in den Dörfern, wenn die Schüler knapp werden. Vielmehr müsse diese Maßnahme als Chance gesehen werden. „Man sollte baldmöglichst auch im Flecken Coppenbrügge aus beiden Grundschulen eine machen“, so Westram. Denn wenn Schulen kleiner als zweizügig schrumpften, fehle unweigerlich der Kontakt, der kulturelle und intellektuelle Austausch über die vier Schulwände hinaus. Es würde im Kleinklein – sowohl bei Finanzmitteln, Kollegiumsgröße als auch bei fehlender Möglichkeit bisweilen nötiger Schülerklassenwechsel – vor sich hingebröselt an den Zwergschulen; wo kein Lehrer hin möchte, wo teilweise seit Jahren vergeblich Schulleiter gesucht würden, wo die Schulträger sich für gute Ausstattung mit großem Einsatz abrackern müssten. „Schwierige Sache“, gibt er zu, aber das Puschenkino „Kleine Schule“ in Zeiten von geforderter, nicht immer leistbarer technischer und medialer Klassenraumausstattung und Bildung sei kein Gefallen für Kinder, die für ihre Zukunft lernen sollen und beim Übergang in die weiterführende Schule, beispielsweise die KGS Salzhemmendorf, von einem gänzlich unbekannten, großen System überrollt werden. Denn die Kinder im gesellschaftlichen und familiären Miteinander von heute, so Westrams Beobachtung, seien mehr Kind, als sie es früher waren. „Sie sind nur augenscheinlich erwachsener – auch, wenn sie heute alle mit dem Smartphone umgehen können. Aber die Psyche und die Bedürftigkeit von Wärme und Liebe ist deutlich größer als zu Beginn meiner Lehrerlaufbahn. Man sollte vielleicht zu Hause doch öfter mal gemeinsam an einem Tisch ein Gesellschaftsspiel machen…“

Die Schulleitung der Grundschule Bisperode wird ab Februar zunächst kommissarisch von Kollegiumsmitglied Kordula Becker übernommen.



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