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Gertrud Escher beklagt, dass sie mit ihrem E-Mobil vom Zugpersonal stehen gelassen wurde

Kein Weiterkommen in Coppenbrügge

Coppenbrügge. Der gehbehinderten Rentnerin Gertud Escher erging es in Coppenbrügge ähnlich wie zwei behinderten Frauen in Bad Pyrmont – auch sie ist vom Zugpersonal am Bahnhof stehen gelassen worden.

veröffentlicht am 16.02.2016 um 17:32 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:49 Uhr

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Autor:

von Maike Lina Schaper
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Coppenbrügge. Eigentlich wollte Gertrud Escher den Vorfall auf sich beruhen lassen, doch nachdem die Seniorin den Artikel „Stehen gelassen“ vom 22. Januar in der Dewezet gelesen hatte, meldete sie sich doch bei ihrer Zeitung. Denn Escher ist es in Coppenbrügge ähnlich ergangen, wie den zwei stehen gelassenen Frauen in Bad Pyrmont.

Im Januar war die 71-jährige Ute Meeßen vom Zugpersonal der S-Bahn nicht vom Bahnhof der Kurstadt nach Hameln mitgenommen worden. Als Rollstuhlfahrerin kommt Meeßen aus eigener Kraft nicht in die Bahn und hätte Hilfe vom Personal gebraucht. Die behinderte Seniorin war perplex, dass sie tatsächlich am Bahnsteig stehen gelassen wurde. Eine weitere Frau hatte ebenfalls eine derartige Erfahrung in Bad Pyrmont machen müssen. Der Lokführer habe der Dame, die anonym bleiben möchte, nicht helfen wollen, mit ihrem Scooter in den Zug zu kommen.

Und auch Gertrud Escher aus Coppenbrügge fährt ein E-Mobil für Senioren. Von ihrem Wohnort aus fährt die 82-Jährige öfter nach Hameln. So wollte sie es auch am 1. August vergangenen Jahres um 11.17 Uhr machen. Der Zug der NordWestBahn fuhr in den Coppenbrügger Bahnhof ein – doch ohne Gertrud Escher wieder heraus. „Ich habe gewunken und mich bemerkbar gemacht“, sagt Escher. „Sogar die anderen Fahrgäste habe ich darum gebeten, dem Zugführer Bescheid zu geben, dass ich mit möchte.“ Damit die Seniorin und ihr Gefährt in die Bahn hineinkommen, muss der Zugbegleiter oder Lokführer erst eine Rampe ausfahren, erzählt Escher. Ohne diese Hilfe käme sie nicht in den Zug. Escher blieb an diesem Tag nichts anderes übrig, als eine Stunde in der brütenden Mittagssonne zu warten und die nächste Bahn zu nehmen. Auf ihre Beschwerde hin habe sich die NordWestBahn schriftlich entschuldigt. Eine Entschädigung für die Wartezeit gäbe es allerdings nicht. „Es könne schon mal vorkommen, dass Züge weiterfahren, wenn sich hilfebedürftige Passagiere nicht richtig bemerkbar gemacht haben“, gibt Escher den Inhalt des Schreibens aus dem Gedächtnis wieder und so bestätigt es auch die Pressesprecherin der NordWestBahn, Stephanie Nölke.

„Warum warte ich wohl sonst auf dem Bahnsteig?“, fragt Escher. In der Tat bietet der recht schmale Bahnsteig in Coppenbrügge keinen anderen ersichtlichen Aufenthaltsgrund. Mit ihrem E-Mobil kann Escher dort kaum wenden, ohne Gefahr zu laufen, auf die Gleise zu stürzen.

Um den Hergang genau prüfen zu können und auch den damals diensthabenden Lokführer nach seiner Sicht zu befragen, sei der Vorfall schon zu lange her, sagt Unternehmenssprecherin Nölke. „In einem Zeitraum von vier bis sechs Wochen sind Ereignisse für uns noch gut nachvollziehbar.“ In der Regel seien aber alle Angestellten dazu angewiesen, vor Abfahrt des Zuges einen sogenannten „Serviceblick“ auf den Bahnsteig zu werfen und am Zug entlang zu schauen, ob noch jemand mit will. Behinderten Fahrgästen in den Zug zu helfen, sei für das Unternehmen selbstverständlich – eigentlich. Auch ein eventueller Termindruck durch einen genau getakteten Fahrplan sei kein Grund für das Stehenlassen von Gertrud Escher gewesen. „Es ist keineswegs so, dass wir jemanden nicht mitnehmen, nur weil das Zeit kosten würde“, versichert Nölke.

Warten auf die NordWestBahn am Coppenbrügger Bahnhof. Nicht immer sei der Service gegenüber Fahrgästen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, vorbildlich, sagt Gertrud Escher. Die 82-Jährige hat es schon erlebt, dass der Zug ohne sie nach Hameln weiter gefahren ist.ms



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