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Erweiterte Öffnungszeiten und veränderte Altersstruktur – Rückblick auf ein wechselvolles Jahrzehnt

Kein Kindergartenjahr ist wie das andere

Coppenbrügge (ist). Mini-Toiletten und kleine Waschbecken sind wohl die augenfälligsten Veränderungen, die eine Kindertagesstätte heute von Einrichtungen früherer Zeiten unterscheiden, die noch schlicht „Kindergarten“ hießen. Eine exklusive Badezimmereinrichtung, wie sie wohl kaum jemand zu Hause für den Nachwuchs vorhält, die aber gleichwohl eine der vorgeschriebenen Richtlinien zum heutigen Betreuungsangebot erfüllt: Die Kinderkrippe ist für Kommunen wie Mitarbeiter eine neue Herausforderung schon allein aus finanzieller Sicht. Hinzu kommt eine immer weitere Ausdehnung der Zeiten, in denen Eltern ihre Sprösslinge in professionelle Obhut außerhalb der Familie geben können. Neuestes Projekt in der Coppenbrügger Schlossstraße, das zum Herbst umgesetzt werden soll: ein Kinderparlament.

veröffentlicht am 03.05.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 11:41 Uhr

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Auch Raik (2) und Lara Emilia (2) haben es die Mini-Kloschüsseln angetan – sie erforschen die Funktionalität der Toilettenspülung, vermessen die Länge von Klopapierschlangen und lassen diese staunend auf Nimmerwiedersehen im Wasserstrudel vergurgeln. Trotz aller Veränderungen vor gesellschaftspolitischem Hintergrund und Ansprüchen: Heute wie damals wird spielerisch die Umwelt erforscht und dabei Selbstbewusstsein entwickelt.

Im Indoor-Sandkasten unter sonnig-gelbem Baldachin sieben und buddeln kleinste Strandfreaks der Krippenabteilung. Ab und zu braucht’s ein Anbucken auf dem Arm einer Erzieherin. Draußen düsen derweil Lucien (4) und Hanna (6), die hier zu den „Großen“, also Kindergartenkindern, gehören, samt Boxencrew in ihren 30 Bobbycars mit Begeisterung und Affenzahn durch den Rundparcours des großen Freigeländes neben der Burg – vorbei am Zaun hinter dem Burggraben mit Entenflotille, an alten Baumbeständen, Obstwiese, Kräutergarten, Spiel- und Klettergeräten.

Zwischen sanitären Einrichtungen im Kleinstkinderformat und gläsernen Wänden feiert der St.-Nicolai-Kindergarten in der Schlossstraße am morgigen Freitag zehnjähriges Bestehen. Eine schwere Geburt war die Gründung aus finanziellen Gründen, erinnert Kindergartenleiterin Andrea Schreiber. 2001 hatte es den Kaufbeschluss des Rates gegeben für das damals noch potenzielle, ein Jahr später realisierte Kinderparadies neben der Burg mit 450 Quadratmetern unter dem Dach des Forsthauses, mit 6500 Quadratmetern im Park rundherum. Es folgten „ein Jahr Ausräum-, Umbau-, Einbau- und Einräumarbeiten drinnen und draußen“, so Schreiber, „bis der Forstamtskindergarten im Mai 2002 offiziell eröffnet werden konnte; eine Zeit, in der jeder, der dabei war, erlebte, was Teamarbeit mit engagiert klotzenden Handwerkern, Architekten, Mitarbeiterinnen aus allen Kindergärten im Flecken, ackernden Eltern und Rathäuslern leisten kann.“ In erster Linie ein Kindergartenparadies in und um das 200 Jahre alte, rundum sanierte Fachwerkforstamt im Ortskern zur dringenden Entlastung der Niederstraße, die schon lange die Nachfrage der Eltern nach Vormittagsplätzen nicht mehr bedienen konnte. Anfangs – aber nicht lange – seien 50 drei- bis sechsjährige „Biber“ und „Waschbären“ in den Funktionsräumen, darunter Theater-, Bewegungs-, Kreativ- und „blaues Zimmer“ zum Kuscheln, das Erwachsene nur mit Genehmigung betreten dürfen, unter sich gewesen, erinnert Schreiber. „Die Betreuungszeiten wurden bald nahezu kontinuierlich ausgeweitet. 2006 kamen dann die ersten zweijährigen Kinder, auf Elternwunsch wurde bereits 2008 unter Reduzierung der Kindergartengruppen die erste kleine Krippe mit zehn Kindern ab einem Jahr eingerichtet. Heute sind unsere 15 Krippenplätze besetzt. Und das sind immer noch zu wenig.“ Zehn Jahre, in denen in keinem Sommer so weitergearbeitet wurde wie im Sommer zuvor. Weil von Jahr zu Jahr entweder mit erweiterten Öffnungszeiten oder erweiterter Altersstruktur der Kinder den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen konzeptionell Rechnung getragen werden musste und konnte.

Ein Kindergarten, in den sie selbst auch gern gegangen wäre, sagt Birgit Grahl als Mutter, die ihre beiden Kinder in der Schlossstraße bestens aufgehoben wusste, weil Herz und Konzept der sieben Erzieherinnen „einfach stimmten“.

Das Konzept der Schlossstraße: Offene Kindergartenarbeit, die die Minis nicht in feste Gruppenräume sperrt, sondern wo bei Kommunikation und Dialog im Neben- und Miteinander der Knirpse bereits die kleinen Persönlichkeiten entwickelt und gefördert werden. Wo sich Krippenkinder an gläsernen Wänden die Nasen platt drücken, um die „Großen“ auch bestimmt ganz genau zu beobachten und keine Gelegenheit zu verpassen, um von ihnen und mit ihnen zu lernen. Sie werden es brauchen können. „Zum Herbst“, so Schreiber, die seit Jahren als Mentorin für Psychomotorik und in der Krippenberatung in der Fortbildung des Diakonischen Werkes tätig ist, „hoffen wir, unser nächstes großes Projekt realisieren zu können. In Umsetzung der weltweit festgeschriebenen Kinderrechte werden wir dann der erste niedersächsische Kindergarten mit einem Kindergartenparlament und eigener Verfassung sein. Protokolle kann man auch in Bildersprache schreiben.“

Alles Mini: Raik und Lara Emilia an einem eher ungewöhnlichen „Spielplatz“ im St.-Nicolai-Kindergarten, der morgen offiziell zehnjähriges Bestehen feiert.Foto: ist



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