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Aber Auswertung der Laborergebnisse steht noch aus

Kein Hinweis auf Umweltstraftat

COPPENBRÜGGE. Die Polizei sieht keinen Anhaltspunkt dafür, dass in die Kanalisation der Gemeinde Quecksilber eingeleitet worden ist, insofern gebe es auch keinen Hinweis auf eine Umweltstraftat. In ein paar Tagen wird die Auswertung der Laboruntersuchung erwartet, dann soll sich klären, woher das Schwermetall kam.

veröffentlicht am 22.08.2016 um 18:55 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:19 Uhr

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Autor:

von Maike Lina Schaper
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Liegt im Fall der erhöhten Quecksilberwerte im Klärschlamm der Gemeinde eine Umweltstraftat vor? Wer oder was für die zu hohen Werte des Schwermettalls in Coppenbrügges Klärschlamm sorgte, soll in ein paar Tagen feststehen. Die Gemeinde hatte hierzu externe Untersuchungen in Auftrag gegeben. Einen Hinweis auf eine Umweltstraftat gebe es aber nicht, teilt Polizeihauptkommissar Jörn Schedlitzki auf Anfrage der Dewezet mit. Dafür müsste irgendwo etwas eingeleitet worden sein, hierfür hätten die Beamten keinen Anhaltspunkt. Die Polizei werde die Thematik aber weiter beobachten. Wie wir berichteten, wurde im Herbst vergangenen Jahres bekannt, dass die Gemeinde Coppenbrügge zu hohe Werte des Schwermetalls Quecksilber in ihrem Klärschlamm verzeichnete. Es wurden 3,36 Milligramm pro Kilogramm Trockenmasse gemessen. Nicht gesundheitsgefährdend für die Coppenbrügger, sagt Bauamtsleiter Jürgen Krückeberg, trotzdem ärgerlich, denn solange der Messwert über einem Milligramm pro Kilogramm liegt, muss das Nebenprodukt der Abwasserklärung thermisch entsorgt, also verbrannt werden. Das kostet die Gemeinde 45 000 Euro im halben Jahr. Ist mit dem Schlamm hingegen alles in Ordnung, weist er also nur eine geringe Schadstoffbelastung auf, kann er auf die Felder als Düngemittel ausgebracht werden.

Wegen seines relativ hohen Stickstoff- und Phosphatgehaltes wird der Klärschlamm für die landwirtschaftliche Verwendung geschätzt. Derzeit wird laut Bundesumweltministerium knapp die Hälfte der kommunalen Klärschlämme in der Landwirtschaft und im Landschaftsbau zu Düngezwecken eingesetzt. Der Landkreis Hameln-Pyrmont liegt deutlich über diesem Schnitt. Hier wurden 2014 76 Prozent der angefallenen Klärschlämme landwirtschaftlich verwertet.

Da der Klärschlamm neben wertvollen Pflanzennährstoffen jedoch auch eine unüberschaubare Anzahl an Schadstoffen enthält, soll die direkte landwirtschaftliche Ausbringung laut aktuellem Koalitionsvertrag der Regierungsparteien in Zukunft weitestgehend eingestellt werden. Neben Quecksilber enthalte Klärschlamm auch andere Anteile an anorganischen Schadstoffen wie zum Beispiel Blei, Cadmium und Kupfer sowie organische Schad- und Fremdstoffe wie Dioxine, Arzneimittelrückstände aber auch Mikroplastik und vieles mehr, wie auf den Seiten des Umweltbundesamtes nachzulesen ist. Mit den Düngemitteln auf den Boden ausgebracht, würden sich diese Schadstoffe im Boden anreichern können und über die Pflanzen in die Nahrungskette gelangen. Eine Gefahr für Grund- und Oberflächenwasser bestehe, wenn die Schadstoffe durch Abschwemmung oder Versickerung von Ackerflächen in das Oberflächen- und Grundwasser gelangten.

Über die Mengen der aus landwirtschaftlich verwertetem Kompost und Klärschlamm diffus in die Umwelt eingetragenen Schadstoffe und Schwermetalle gibt es laut Umweltbundesamt in Deutschland keine Schätzungen. Die Gefahren für Umwelt und Gesundheit seien ebenfalls nur schwer einzuschätzen, da Wechselwirkungen und Transformationsprozesse der Schadstoffe häufig nicht bekannt und Möglichkeiten der Überwachung, insbesondere für neue Stoffe, oft nicht vorhanden seien.

Zwar soll die landwirtschaftliche Ausbringung von Klärschlämmen spätestens zum 1. Januar 2025 beendet werden, doch der Entwurf zur Neuordnung der Klärschlammverwertung sieht vor, dass Ausnahmen möglich sein sollen. Und zwar für Anlagen, die kleine Kommunen mit bis zu 10 000 Einwohnern bedienen. Darunter würde auch die Kläranlage der aktuell 7175 Einwohner zählenden Gemeinde Coppenbrügge fallen. Hier dürfte der Klärschlamm auch nach 2025 noch als Düngemittel eingesetzt werden.

Aktuell darf der Klärschlamm der Gemeinde Coppenbrügge übrigens wieder auf die Felder ausgebracht werden. Bei der ersten Messung dieses Jahres im März war der Quecksilbergehalt zwar mit 1,64 Milligramm pro Kilogramm Trockenmasse noch zu hoch, doch die jüngste Messung Mitte Juli fiel positiv aus: Derzeit sind 0,71 Milligramm Quecksilber im Klärschlamm enthalten. Damit darf der Schlamm wieder als Dünger auf die Felder der Gemeinde ausgebracht werden.



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