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Ökumene mal anders in Coppenbrügge / „Modell gibt es in der Landeskirche bislang nicht“

Katholiken finden Zuhause bei Protestanten

Coppenbrügge (sto). Eine Premiere, die für das kirchliche Gemeindeleben von größerer Bedeutung sein könnte, soll gefeiert werden in der St.- Nicolai-Kirche. „Wir wagen einen neuen Schritt“, macht Pastor Thomas Koch neugierig. Erstmalig nämlich wird ein Weg beschritten, der Modellcharakter erlangen könnte – vorausgesetzt, viele Gläubige evangelischer und katholischer Konfession machen sich mit auf den Weg. In dem evangelischen Gotteshaus sollen neue Formen gelebter Ökumene ins Leben gerufen werden, wie sie es bislang im Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld nicht gegeben habe. Mehr noch: „Soweit wir wissen, gibt es ein solches Modell in unserer Landeskirche bisher offiziell nicht“, betont der Pastor.

veröffentlicht am 11.12.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 23:21 Uhr

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Nun soll die St.-Nicolai-Kirche regelmäßig mitgenutzt werden von Gläubigen katholischer Konfession. An jedem ersten Dienstag im Monat wird dort künftig eine katholische Messe gefeiert. Mit dem heutigen, um 18.30 Uhr beginnenden Festgottesdienst wird die neue Kooperation von Pfarrer Dr. Christian Wirz und Pastor Thomas Koch auf den Weg gebracht. Im wahrsten Sinn des Wortes, denn zu Beginn der Messe findet eine feierliche Prozession statt, in der das historische Altarkreuz der entwidmeten katholischen Kirche befestigt und geweiht wird. „Es soll den um ihr Gotteshaus trauernden Schwestern und Brüdern ein Stück Heimat vermitteln“, so Pastor Koch. Das Kreuz ist eine mit einer Urkunde besiegelten Schenkung des Bistums Hildesheim an die St.-Nicolai-Kirchengemeinde.

Die 1968 geweihte katholische Coppenbrügger Kirche „Maria, Königin der Apostel“ wurde vor einigen Monaten durch Bischof Norbert Trelle profaniert. Für die Entweihung, durch die das Gotteshaus seine Funktion verloren hat, gab es zwei Gründe – zurückgehende Zahlen der Gläubigen und der im großen Maß sanierungsbedürftige Zustand des Gebäudes. Für die aus Fertigteilen erbaute Kirche war von Anfang an eine Nutzungsdauer von lediglich maximal 30 Jahren vorgesehen. Eine Sanierung des Hauses hätte rund 350 000 Euro gekostet. Diese Maßnahme war jedoch von dem Eigentümer, dem Bistum Hildesheim, im Hinblick auf weiter zurückgehende Kirchenbesucher abgelehnt und die Immobilie zum Verkauf freigegeben worden. Das Inventar der profanierten Kirche wurde zum Teil an andere Gotteshäuser abgegeben, zum Teil vorerst vom Bistum eingelagert. Nach telefonischer Auskunft des Bistums Hildesheim laufen derzeit Verhandlungen zum Verkauf des Gebäudes. Ein Abriss stehe nicht zur Debatte.

Nach der Profanierung besuchen die katholischen Kirchengänger aus Coppenbrügge die Sonntagsmessen in Lauenstein, Gronau, Elze oder Hameln. Ab heute haben sie nun in einem regelmäßigen Turnus die Gelegenheit, in der Woche eine Messe in St. Nicolai zu besuchen. „Das war eine einvernehmliche Entscheidung unseres Kirchenvorstands“, so Pastor Koch. Mit der Nutzung der evangelischen Kirche sollen den Christen katholischen Glaubens Anerkennung und Respekt entgegengebracht werden. „Das ist gelebte Ökumene. Das ist gelebtes Christentum“, betont Pastor Koch. Übrigens: Nach dem Zweiten Weltkrieg war die St.-Nicolai-Kirche lange Zeit für Messen katholischer Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten genutzt worden, da es im Ort damals noch keine katholische Kirche gab.



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