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Für Albert Heise ist das Dorf eine „Schatztruhe voller Erinnerungen“

Jedes Foto erzählt in dem Kalender eine eigene Geschichte

Hemmendorf (sto). Warum in die Ferne schweifen? Das Gute liegt so nah. Bei Albert Heise liegt es sogar beinahe vor der Haustür. In jedem Winkel seines Wohnorts sind interessante Fotomotive und Geschichten verborgen. Keine von besonderer Brisanz, sondern ganz normale Alltagsgeschichten mit ganz normalen Menschen. Und deshalb findet sie auch nicht jeder. Heise jedoch, seit Jahrzehnten ausgestattet mit einem „Chronisten-Blick“, erspäht sie überall und hält viele Begebenheiten in Wort und Bild fest. „Hemmendorf ist für mich eine Schatztruhe voller Erinnerungen“, sagt er.

veröffentlicht am 06.10.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 00:41 Uhr

„Gruppenbild mit Pferd“: Das Foto aus dem Jahr 1928
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Mit dem Material aus seinem kleinen Archiv, vielen Recherchen und etlichen, ihm von Bekannten zur Verfügung gestellten Fotos, hat der 77-Jährige vor einigen Jahren unter anderem eine Orts-Chronik verfasst. Sein „jüngstes Kind“, 2004 ins Leben gerufen, ist ein von ihm auf eigene Kosten erstellter Kalender mit dem Titel „Alt-Hemmendorf“, den er seitdem in kleiner Auflage Jahr für Jahr anbietet. „Das Exemplar für 2011 ist fertig und kann bei mir oder in der Bäckerei Bohne für sieben Euro erstanden werden“, sagt Heise.

Wie in jedem Jahr, hat der Hobby-Chronist und Heimatforscher auch diesmal seinen Kalender wieder mit Geschichten und alten Fotografien aus seiner mit mehr als 4500 Bildern gefüllten Sammlung ausgeschmückt. In jedem Monat gibt es etwas anderes zu betrachten. Im Januar beispielsweise den alten Schafstall und im Juni die Einweihung des Fußballplatzes anno 1948.

Der April ist mit dem ältesten Foto bebildert. Es stammt aus dem Jahr 1928 und zeigt ein „Gruppenbild mit Pferd“. Dokumentiert ist ein Familientreffen in Hemmendorf, vor dem Hof 9. Von den zehn darauf abgebildeten Personen lebt nur noch Ilse Wiegmann, die damals zwei Jahre alt gewesen war, mit Mädchennahmen Munzel hieß und auf dem Pferd als zweite von links sitzt. Von ihr hat Heise das Foto bekommen und es in seinen Kalender eingearbeitet.

Vor ihrem Wohnhaus plaudert Ilse Wiegmann mit Albert Heise über alte Zeiten. Fotos: sto

„Erinnern kann ich mich an diese Aufnahme nicht mehr. Da war ich noch zu klein“, sagt die 84-Jährige, die auch heute noch in dem abgebildeten Haus auf dem „Marktplatz“ wohnt. Spätere Begebenheiten sind ihr jedoch noch gut im Gedächtnis. Gern spricht sie mit Albert Heise über die alten Zeiten, für die er als Chronist natürlich immer ein offenes Ohr hat und die er gern zu Papier bringt. So hat ihm Ilse Wiegmann beispielsweise erzählt, wie ihr Vater sich 1945 beim Dreschen seine Hand so schwer verletzt hatte, dass ihm kurze Zeit später im Krankenhaus der halbe Arm abgenommen werden musste. Auch erinnert sie sich noch, dass sie lange nicht gewusst habe, wie die Kinder zur Welt kommen. „Mir wurde immer gesagt, ich sei aus dem Dorfbrunnen gezogen worden“, sagt sie mit einem Schmunzeln. Unbedingt erwähnt werden muss noch, dass Ilse Wiegmann 1969 in ihrem Wohnhaus als stellvertretende Standesbeamtin ihre eigene Tochter getraut hat. „Ich musste meinen Vater vertreten“, erzählt die Seniorin. Ihr Vater sei mehr als 30 Jahre Standesbeamter von Hemmendorf gewesen.

Witzig am Rande: Das auf dem Foto abgebildete Pferd sieht so aus, als hätte es fünf Beine. Dem ist aber nicht so, denn zwei Beine gehören einem Mann, der aufpasst, dass die Kinder nicht vom Pferd purzeln.



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