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57 Mitarbeiter betroffen

Ith-Sole-Therme meldet Insolvenz an

SALZHEMMENDORF. Schon wieder schlechte Wirtschaftsnachrichten in Salzhemmendorf: Nach der angekündigten Schließung des Rheinkalk-Werkes trifft die Gemeinde die nächste Hiobsbotschaft in nur kurzer Zeit – die Lielje Immobilien GmbH & Co. KG Ith-Sole Therme hat Insolvenz beantragt. Mit ihrem Bad, der Sauna und dem Wellnessangebot ist die Ith-Sole-Therme über die Grenzen der Gemeinde bekannt.

veröffentlicht am 06.04.2017 um 08:15 Uhr
aktualisiert am 06.04.2017 um 18:08 Uhr

Trotz Insolvenz sollen die Becken der Ith-Sole-Therme nicht leer bleiben. Foto: Wal
Maike Lina Schaper

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Maike Lina Schaper Reporterin zur Autorenseite
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Der Geschäftsführer der Therme, Hartmut Lielje, begründet den Schritt in die Insolvenz damit, „dass nach Auslauf der langfristigen Finanzierung die beteiligten Banken eine Anpassung der verbliebenen Darlehen an eine marktübliche Tilgungshöhe nicht vereinbart haben“. Die Belastung aus Tilgungsleistungen sei damit „für den Betrieb zu hoch“. Soweit die zwischen der Ith-Sole-Therme und dem vorläufigen Insolvenzverwalter Stefan Meyer abgestimmte Begründung. Der Anwalt von der Pluta Rechtsanwalts GmbH wurde vom Amtsgericht Bielefeld zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Lielje Immobilien GmbH & Co. KG Ith-Sole Therme bestellt.

Lielje teilt nichtsdestotrotz mit, dass das betriebswirtschaftliche Ergebnis der Therme im Jahr 2016 „positiv gewesen“ sei. Auch die aktuelle Auslastung der Therme sei „gut“ – Lielje nennt hierfür in beiden Fällen allerdings keine Zahlen als Beleg.

Von der Insolvenz betroffen sind 57 Mitarbeiter. Sie sind im Rahmen einer Betriebsversammlung über die aktuelle Situation informiert worden. In einer Pressemitteilung kündigt Insolvenzverwalter Meyer an, dass er „schnellstmöglich eine Insolvenzgeldvorfinanzierung in die Wege leiten“ werde. Das sogenannte Insolvenzgeld sichert die Löhne und Gehälter der Beschäftigten für die Dauer von drei Monaten. Ziel des vorläufigen Insolvenzverwalters ist es, „der Therme eine Zukunftsperspektive zu ermöglichen“. Dazu werde ein Umstrukturierungs- und Sanierungskonzept erarbeitet.

Um die Badelandschaft eindeutig als Gesundheitsbad zu kennzeichnen, wurde aus dem ursprünglichen Namen „Ith-Saale-Therme“ der Name „Ith-Sole-Therme“. Foto: Dana
  • Um die Badelandschaft eindeutig als Gesundheitsbad zu kennzeichnen, wurde aus dem ursprünglichen Namen „Ith-Saale-Therme“ der Name „Ith-Sole-Therme“. Foto: Dana

Wichtig ist, dass der Geschäftsbetrieb der Ith-Sole-Therme in vollem Umfang weiterläuft. Meyer: „Für die Badegäste gibt es keine Veränderungen. Ihnen stehen weiterhin alle Angebote der Therme zur Verfügung.“

„Ich freue mich, dass der Geschäftsbetrieb nahtlos fortgeführt wird. Ich bin zuversichtlich, dass es gelingt, eine Sanierungslösung umzusetzen“, lässt sich Geschäftsführer Lielje zitieren.

Salzhemmendorf träumt den Kur-Traum

Vor 30 Jahren sah man in Salzhemmendorf die Zukunft im Kurbetrieb und im Fremdenverkehr. Die damaligen Ereignisse sind auf der Homepage der Gemeinde festgehalten. Unter anderem wurde der Bau eines Thermal-Schwefel-Solebades geplant – der „Ith-Saale-Therme“.

1988 soll eine Kur-, Bau- und Betriebsgesellschaft die Investitionen für den Kur- und Fremdenverkehr übernehmen, in der die Gemeinde Salzhemmendorf zu 100 Prozent Gesellschafter ist. Alleinberechtigter Geschäftsführer wurde der Gemeindedirektor Udo Stenger, er führte die Bezeichnung „Kurdirektor“. Aufsichtsratsvorsitzender wurde der Bürgermeister Karl-Heinz Grießner.

Am 23. Mai 1990 war es dann soweit:Der Grundstein für die „Ith-Saale-Therme“ wurde gelegt.

Im Mai 1991 bekam die Therme einen neuen Namen – „Ith-Sole-Therme“. Damit sollte die Badelandschaft eindeutig als Gesundheitsbad gekennzeichnet werden.

Ein Millionendefizit, ein gekündigter Kurdirektor Stenger und zwischenzeitliche Zahlungsunfähigkeit führen im November 1992 zu Turbulenzen im Kurbetrieb.

Am 11. Januar 1993 hat Karl-Heinz Grießner seinen sofortigen Rücktritt als Bürgermeister des Fleckens Salzhemmendorf erklärt. Dem seit Monaten stärker gewordenen Druck, unter anderem durch den Vorwurf der Mitschuld an der Kurkrise, hat er nachgegeben.

Die Überschuldung der Kurbetriebsgesellschaft zwang Geschäftsführer Hans Gerhard Winkler, die Eröffnung des Konkursverfahrens am 19. Januar 1993 zu beantragen.

Am 19. März 1993 übernahm der Investor und Mitgesellschafter der Kurbetriebsgesellschaft, Hermann Lielje, von der gleichnamigen Unternehmensgruppe die Therme als Pächter. Hätte sich bis zum 31. März 1993 keine Lösung in Form von Verpachtung, Verkauf oder Übernahme einer Betreibergesellschaft gefunden, so wäre zum 1. April 1993 Toresschluss gewesen.

Am 15. Februar 1995stand im Hamelner Amtsgericht die Zwangsversteigerung von Salzhemmendorfs Kurträumen an. Für die Therme gab es kein einziges Gebot.

Am 2. August 1995 sicherte sich Hermann Lielje den Zuschlag vor dem Vollstreckungsgericht in Hameln für die Ith-Sole-Therme. Er ersteigerte den Gesundbrunnen für 7,67 Millionen Mark.

Quelle: Gemeinde Salzhemmendorf

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