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Gedenken an eine dunkle Zeit /Stolpersteine in Hemmendorf verlegt

„Ihr Leid muss furchtbar gewesen sein“

Hemmendorf. Ihr Leid muss ein großes gewesen sein. In der Schule drangsaliert, beschimpft, bespuckt oder geschlagen. Die Rede ist von der jungen Jüdin Hannelore Zeckendorf. Jetzt wurde in Hemmendorf von dem Künstler Gunter Demnig zur Erinnerung an die Frau ein Stolperstein verlegt.

veröffentlicht am 20.04.2016 um 20:24 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:48 Uhr

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Autor:

Christian Göke
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Hemmendorf. Ihr Leid muss ein großes gewesen sein. In der Schule drangsaliert, beschimpft, bespuckt oder geschlagen. Hannelore Zeckendorf war sieben Jahre alt, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen. Auch in Hemmendorf hatten die Nationalsozialisten schnell Oberwasser und waren allgegenwärtig. Die junge Jüdin durfte ab und an bei ihrer Tante in Köln durchatmen, wenn die Gängelei in ihrem Heimatort Hemmendorf zu viel wurde. Ihr Schicksal hat den Hamelner Historiker Bernhard Gelderblom bei seiner Recherche besonders mitgenommen. „Ihr Leid muss furchtbar gewesen sein“, so der Historiker. 1938 kam nach der Reichspogromnacht ihr Vater in das Konzentrationslager Buchenwald und starb schon wenige Tage später unter ungeklärten Umständen. „Menschen wurden damals manchmal dort einfach totgeschlagen“, ringt Gelderblom beim Gedanken daran um Worte.

Die junge Hannelore zog aus Hemmendorf weg nach Köln und landete später als Hausmädchen in einem jüdischen Altenheim in Göttingen. Dort arbeitete sie als junge Frau bis 1942 und wohnte mit ihrer Mutter in der Nähe. Am 31. März wurde sie schließlich mit

ihrer Mutter in das Warschauer Ghetto deportiert und gilt seitdem als „verschollen“.

Der Stolperstein von Hannelore Zeckendorf war jetzt nur einer von 18, die von dem Künstler Gunter Demnig in Salzhemmendorf und Hemmendorf verlegt wurden. Daniel Stolte und Carsten Damke vom Bauhof der Gemeindeverwaltung gingen dem Künstler zur Hand und lösten Steine aus dem Pflaster vor den jeweiligen ehemaligen Wohnungen der Deportierten und ermordeten Menschen.

Zehntausende von Stolpersteinen hat Demnig mittlerweile in 820 deutschen und 200 ausländischen Städten verlegt. Anfangs noch illegal und erst später legalisiert, finden sich mittlerweile überall Spender, die die Steine finanzieren. „Obwohl Demnig schon so viele Steine verlegt hat, legt er bei jeder Aktion noch die notwendige Würde an den Tag“, so Gelderblom.

Erfreut waren die Organisatoren rund um Diakonin Andrea Gärtner, dass zeitweise rund 100 Menschen bei der Verlegung zugegen waren. 30 Konfirmanden waren in die Projektarbeit mit einbezogen und verfolgten gebannt die Aktion. Nachdem der letzte Stein verlegt war, betete Pastorin Sabine Ahlbrecht zusammen mit den Anwesenden, ehe Andrea Gärtner Schalom chaverim als musikalischen Friedensgruß anstimmte, damit Menschen wie Hannelore Zeckendorf nie wieder so ein Leid passiert und solche Taten nicht in Vergessenheit geraten. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Mit diesem Zitat begründet Gunter Demnig sein Projekt „Stolpersteine“.



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