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Bessinger sammeln Unterschriften gegen Bauvorhaben

Hühner ja – aber bitte nicht hier

Bessingen. Wie chronische Neinsager wirken die Einwohner von Bessingen nicht, die sich gegen die Errichtung eines mobilen Hühnerstalls im Ort wehren. Im Gegenteil, sie begrüßen, dass der ortsansässige Landwirt Bernd Munzel-Piepenbrink investieren will. Auch seine Hühner soll er gern halten – nur um den genauen Standort der Haltung gibt es Streit.

veröffentlicht am 21.12.2015 um 12:56 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:51 Uhr

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Autor:

Maike Lina Schaper
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Beim Bauamt des Landkreises liegt ein Antrag von Munzel-Piepenbrink über die Errichtung eines mobilen Hühnerstalls auf seinem Grundstück vor. Zwei weitere baugleiche Ställe könnten folgen. Die nächsten Anwohnerhäuser liegen in 120 Meter Entfernung.

Bei den von Munzel-Piepenbrink gewünschten Ställen handelt es sich um eine komplexe landwirtschaftliche Anlage, in der bis zu 1500 Hühner untergebracht werden könnten. Würden alle drei Ställe genehmigt, könnten bald 4000 bis 4500 Legehennen rund um Bessingen gehalten werden. Die Maße eines Stalls: 25 Meter in der Länge und acht Meter in der Breite – macht zusammen 200 Quadratmeter Grundfläche. Zum Vergleich: Die meisten Einfamilienhäuser in Deutschland besitzen eine Grundfläche von 111 bis 130 Quadratmeter.

Wovor die Menschen in der kleinen Ortschaft am Fuße des Ith jedoch Angst haben, sind die Keime, die 1500 Hühner in einem großen Stall und deren Ausscheidungen mit sich bringen könnten. Besonders vor den multiresistenten Keimen (MRSA) fürchten sich die Bessinger. Denn gegen diese Art von Krankheitserregern helfen selbst Antibiotika nicht mehr. MRSA-Keime würden vermehrt in der Tierhaltung auftreten, sagen viele Anwohner. Ebenso wäre es bei dem geringen Abstand zu den Wohnhäusern für die Keime ein Leichtes, durch den Wind hinüberzugelangen, beklagen die Anwohner. Meist käme der Wind aus westlicher Richtung und würde genau durch den Hühnerstall fegen.

Ein Luftfilter sei bei den von Munzel-Piepenbrink geplanten Stallmodellen keine Vorschrift, sagt Eberhard Kuppig, Leiter der Bauaufsichtsbehörde des Landkreises. Feste Abstandsregelungen für die Entfernung zu Wohnhäusern gäbe es in diesem Fall auch nicht. Man müsse abwarten, wie die Prüfergebnisse der Behörden ausfallen und könnte dann erst sagen, ob ein Hühnerstall oder mehrere – mobil oder nicht – an den von Munzel-Piepenbrink ins Auge gefassten Stellen genehmigungsfähig sind.

In einem ähnlichen Fall in Nettelrede hatte der Landkreis 2013 dem Bau eines Schweinestalls für 1200 Tiere in einer Entfernung von 800 Metern zu einem Reha-Klinikum zugestimmt. Hier soll zwar ein Filter die Menschen vor Keimen schützen, doch auch in Nettelrede sind damit die Befürchtungen um eine Gesundheitsgefährdung nicht vom Tisch.

Das Motto von Bessingen „Ein Dorf zum Leben“ könnten sie mit den Hühnerställen vor der Nase gleich vergessen, sagen die Bessinger. Würde Munzel-Piepenbrink die Ställe an eine andere Stelle setzen, würde das für den Landwirt zwar wirtschaftliche Mehrkosten bedeuten – weil die Wege zur Versorgung der Hühner weiter wären –, doch seine Nachbarn wären beruhigter.

Noch prüfen die Behörden des Landkreises den Antrag. Ob der Mobilstall genehmigt wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch vollkommen offen. Ob es ein Keimgutachten geben wird, auch. Im Gegensatz zur üblichen Praxis bei Baugenehmigungsverfahren ist im Fall der Bessinger Mobilställe auch das Gesundheitsamt eingeschaltet: wegen der gesundheitlichen Bedenken, die die Anwohner gegenüber den Behörden deutlich gemacht haben. Neben der Bauaufsicht und dem Gesundheitsamt sind an dem Verfahren auch das Veterinär- und Umweltamt beteiligt, die Naturschutzbehörde sowie die Landwirtschaftskammer.

Wenn die rechtlichen Gegebenheiten stimmen, wird der Landwirt die Genehmigung bekommen. Dagegen könnten seine Nachbarn Einspruch einlegen. Ohnehin hoffen sie jedoch noch, dass der Stall an anderer Stelle gebaut wird. Schließlich hatte der Landwirt gegenüber der Dewezet angekündigt, seine Pläne erst zu realisieren, „wenn es keine grundsätzlichen Ängste und Bedenken“ bei seinen Nachbarn gibt und nicht bloß einige wenige „chronische Neinsager“ dagegen protestieren würden. Die allgemeine Akzeptanz sei ihm wichtig, hieß es von Munzel-Piepenbrink. Doch eben diese scheint es in dem Dorf nicht zu geben: Ein großer Teil der Bessinger hat sich an einer Unterschriftensammlung gegen die Mobilstall-Pläne beteiligt.



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