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Zweitägiger Workshop „Bewerbungstraining“ als Premiere an der Kooperativen Gesamtschule

Handy aus und Kaugummi raus – für den Job

Salzhemmendorf (ist). Anzug, schwarzer Blazer, gebügeltes Hemd, knielanger Rock – der Dresscode der Klasse 9 RB in der Bücherei der KGS ist an diesem Vormittag eher ungewöhnlich, aber angemessen. Denn nicht Mathe, Englisch oder Werken stehen auf dem Stundenplan der 21 Schülerinnen und Schüler, sondern die Simulation eines Vorstellungsgespräches am Ausbildungsplatz im Rahmen des zweitägigen Workshops „Bewerbungstraining“. Und da machen sich Schlabber-Shirt und bauchfrei weniger gut, weiß auch Eileen Kramp (16), die am zweiten Workshoptag zunächst nervös und verunsichert, dann zunehmend entspannter und lächelnd dem ungewohnten „Businesslook“-Gegenüber in die Augen sieht und über ihre „Softskills“ spricht, während Norbert Esser ihre Unterlagen durchblättert.

veröffentlicht am 12.02.2009 um 18:24 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 13:21 Uhr

Eileen Kramp beim Vorstellungsgespräch mit „Personalchef&l
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Gute Manieren als

wichtigste Empfehlung

Wie ihre Klassenkameraden hat Eileen tags zuvor gelernt, dass die Bewerbungsmappe mit Eselsohren wenig Chancen auf bevorzugte Auswahl durch den Personalchef haben wird, weiß, wie heute ein Lebenslauf aussehen sollte, und dass er mit blauem Füller handschriftlich zu signieren ist – alles gern auf hochwertigem Papier. Denn „das Beste ist gerade gut genug für meine Bewerbung“, steht im Workshopskript. Nichts darf „nullachtfünfzehn“ sein, nicht das Qualifikationsprofil, nicht das Foto. Hier empfehle sich eher Marke „Knaller“ als „Trübe Tasse“ – aber bitteschön mit Wiedererkennungswert.

Und beim Vorstellungsgespräch: Kaugummi raus, Handy aus, Persönlichkeit zeigen – und lächeln. Überhaupt seien gute Manieren statt lässiger Coolness sowie durch Mimik und Gestik gestützte Kommunikation die mit Abstand wichtigste Empfehlung in eigener Sache. „Mit klassischem Tanzstunden-Benimm kann man punkten“, weiß Bettina Kreis-Lacroix von der Firma Kreis Bürotechnik & Personalservice in Hameln, die den Workshop moderiert. Das Konzept ist Erkenntnisumsetzung ihrer Beratertätigkeit in vermittlungs- und bewerbungstechnischer Kundenbetreuung. Ihr professionelles Know-how aus der alltäglichen beruflichen Praxis sei zunehmend auch in Schulen gefragt, sagt sie. Insgesamt 620 209 Lehrstellenbewerber standen 2008 nach Bericht der Bundesagentur für Arbeit 432 689 Ausbildungsstellen gegenüber. Da galt und gilt es, vorbereitet zu sein, um zu den Erfolgreichen zu gehören. Bislang nicht auf dem

Lehrplan zu finden

Bewerbungstraining suche man bislang allerdings vergeblich auf dem Lehrplan; es gehöre aber unabdingbar zum Auftrag der Schule, die Jugendlichen auf die Arbeitswelt vorzubereiten, sagt Gabriele Neumann, Fachbereichsleiterin Arbeit/Wirtschaft. „Da stoßen Lehrer, die zum großen Teil eine Bewerbungssituation in der freien Wirtschaft selbst nie kennengelernt haben, an ihre Grenzen. Mit dem professionellen Bewerbungstraining wollen wir Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein unserer Schüler und Schülerinnen stärken, sie für die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt sensibilisieren.“ Neumann hat den ersten Workshop dieser Art in Kooperation mit professionellem Personalservice im Landkreis an der KGS organisiert und würde ihn auch gern für die Zukunft etabliert sehen. Sie spricht von großem Erkenntnisgewinn für Schüler und Lehrer nach diesen zwei Tagen. „Das Problem ist natürlich die Finanzierung“, sagt sie, „nicht alle Eltern sind bereit, dafür zu zahlen, und nicht immer findet sich ein großzügiger privater Sponsor wie jetzt in unserem Fall.“

Norbert Esser, langjähriger Leiter der Unternehmenskommunikation des BHW-

Konzerns, hat an diesem Tag in der KGS die Rolle des Personalchefs beim Vorstellungsgespräch übernommen. „Um eine derartige professionelle Unterstützung müssten sich eigentlich alle Schulen reißen“, sagt er. Eileen („Hotelfachfrau ist seit langem mein Traumberuf“) und alle anderen aus der 9 RB sind sich einig: „Wir haben vieles dazugelernt. Dass der erste Eindruck von der Persönlichkeit derart wichtig ist, hatten wir nicht gedacht. Aber wir haben ja noch ein gutes Jahr Zeit, daran zu arbeiten!“



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