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Heino Krannich aus Bessingen erklärt, wie man vermissten Hunden besser nicht hilft

Gut gemeint, aber in den Tod getrieben

Bessingen. Wenn der Hund entlaufen ist, hilft in vielen Fällen Tiersicherer Heino Krannich weiter. Der Bessinger weiß, wie man mit verängstigten Tieren umgeht. Auf der Suche nach ihnen hilft Krannich seine Erfahrung, seinen Hund Bruno und ein Narkosegewehr.

veröffentlicht am 01.02.2016 um 17:44 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:51 Uhr

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Autor:

VON iNGRID sTENZEL
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Bei Familie Schrödermeier aus Springe ist die Welt aus den Fugen geraten, seit sich ihre junge Labradorhündin aus Griechenland nach nur neun Tagen als neues Familienmitglied Mitte November beim Gassigehen aus dem Geschirr drehte und bis heute verschwand (wir berichteten).

Lina gehört zu 2000 Auslandshunden (plus Dunkelziffer), die laut Statistik aktuell in Deutschland umherirren. „Die meisten sind vor Panik schon in den ersten Sekunden und Minuten auf dem Flughafen auf und davon. Manche für Jahre“, weiß Hundesicherer Heino Krannich. Damit Lina möglichst bald nicht mehr zu den 2000 Streunern, sondern zu den 120 von Krannich wiedergefundenen Hunden gehört, haben die Schrödermeiers den Profi um Hilfe gebeten. Der Bessinger hat langjährige Erfahrung mit Tierfang durch Betäubungsnarkose.

1300 Tiere, darunter Wisente, Pferde und Schneeleoparden, hat der 56-Jährige bereits für Transporte gesichert und versorgt. Nach seiner Maurer-, Forstwirt- und Tierpflegerausbildung machte er sich im Jahr 2000 mit einem Betrieb für Tierparkservice für Großwild und Hundesicherung selbstständig. In den letzten Jahren, seit der Handel mit Auslandshunden geradezu explodiere, sei er sozusagen immer mehr auf den Hund gekommen, lächelt er – mit Sorge.

Krannich bringt geflüchtete „Angsthunde“ aus dem Ausland in enger Zusammenarbeit mit dem Hundebesitzer mittels Distanznarkoseschuss und Sedierung wieder nach Hause. Durch seine hohe Erfolgsquote ist er deutschlandweit für den Fall der Fälle zu einer der allerersten Adressen geworden.

Die Dewezet fragte den Experten nach Erfahrungen und Linas Chancen: Er habe in Zusammenarbeit mit „vernünftigen“ Menschen selbst Hunde wiederfinden können, die zwei oder drei Jahre Richtung Frankreich, Schweiz oder Luxemburg unterwegs waren, sagt Krannich. „Zwei Monate sind nichts.“ Linas Chancen seien also grundsätzlich gut.

Allerdings nur, solange nicht der „böse Gutmensch“ dazwischenfunke, der so sehr in Mode gekommen sei. Der, der aller Welt zeigen will: Seht, ich helfe, damit aber nur dem eigenen Ego Gutes tue. Den Hund dagegen treibe er mit diesem Verhalten in den Tod. Krannich nennt sie „Fanggruppen“ des falsch verstandenen Tierschutzes zwischen Segen und Fluch der sozialen Medien. Sie selbst nennen sich „Pettrader, sind zu 99 Prozent gelangweilte Hausfrauen über 45 ohne Partner und Kinder. Und sie reagierten spontan auf jede einzelne Facebook-Meldung über einen entlaufenen Hund. Machten sich, Glatteis hin, Blitzregen her, auf den Weg. So brächten sie dem ohnehin schon verstörten Tier unweigerlich den Tod – „denn das nächste Auto kommt mit Sicherheit.“

Es gebe keine Möglichkeit, diese Hunde zu fangen, außer mit dem Mittel seiner Wahl: Ganz still, ganz distanziert, ohne Rufen, ohne Ansprechen, ohne Menschenmassen, aber mit Leberwurst, Lachs und Geduld sowie Distanznarkose mit Resorptionsbeschleunigern, um die Fluchtstrecke so kurz wie möglich zu halten. Und mit Hund Bruno, seinem besten und einzigen Mitarbeiter.

Aber bitte ohne den „Fremdfütterer“, der sich nicht meldet. 90 Prozent der entlaufenen Hunde würden erfahrungsgemäß in fremden Gärten durchgefüttert, weiß Krannich. Richtiges Verhalten dagegen wäre: „Gleich anrufen“, mahnt der Profi.

Der Mensch unterschätze den Hund. „Den fängt man schwieriger als ein Wildtier. Denn das wurde nicht wie der Hund schlau gemacht vom Menschen, der darüber selbst dumm geblieben ist. Der Mensch verrechnet sich in der Anatomie und der Intelligenz seines besten vierbeinigen Freundes.“

Krannich hingegen lernt von den Hunden: „Ich weiß, dass 80 Prozent der Hunde, auch die, die mit dem Menschen im Zwiespalt stehen und aus ihrer Sozialstruktur entführt wurden, zum Ort des Entlaufens zurückkommen. Weil sie wissen: Ich gehöre zum Menschen. Das weiß auch Lina.“

Infos und Kontakt für Hilfesuchende gibt es auf der Homepage www-heino-krannich.de und unter der Telefonnummer 0174/2020667. Sichtungen von Lina aus Springe werden an die Nummer 0171/7532913 erbeten.

Bei Osnabrück narkotisiert Tiersicherer Heino Krannich 2014 eine verwilderte trächtige Huskyhündin.

Angela Kraft



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