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Sommerserie – der Dewezet-Käfer auf dem Flugplatz Bisperode und bei den Fischen

Glück auf dem Dach

Irgendwo zwischen Voremberg und Bisperode, nahe der K 16 hat der Dartpfeil die Landkarte getroffen. Ganz in die Nähe des Flugplatzes Bisperode Ith-West soll die Reise des Dewezet-Käfers diesmal gehen. Das hört sich nach Abenteuer an. Vielleicht landet ja ein Flieger? Oder es ist sogar ein Flug drin? Käfer von oben wäre der Hit.

veröffentlicht am 26.07.2018 um 08:00 Uhr
aktualisiert am 09.08.2018 um 10:58 Uhr

Am Rand des Flugplatzes Bisperode: Martina Günther und Carsten Hilske lieben die Freiheit als „Dachcamper“. Fotos: doro
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite

So schwirren die Gedanken durch den Kopf, während der Käfer Fahrt aufnimmt. Die Temperatur ist am Morgen noch unter der 30-Grad-Marke, im Käfer gefühlt weit drüber. Glücklicherweise gibt es das Eckfenster, das mindestens so viel Wind macht wie ein Gebläse. Wann ist diese praktische Erfindung eigentlich in der Versenkung verschwunden? Die Landschaft fliegt vorbei, während der luftgekühlte VW-Boxer-Motor unverwechselbar klingelt. Oder zirpt?

Kurvig geht es hinter Voremberg bergan, rechts sieht es aus, als hätte Kyrill gewütet, oder die Axt im Walde. Ein Feldweg führt zwischen Voremberg und Bisperode auf eine Kuppe. Hier irgendwo müsste der Dartpfeil stecken. Oben weht kein Lüftchen, schon gar nicht einer der bekannten Hangaufwinde, die Segelflieger aus ganz Deutschland auf die Ithbörde treiben. Den Hamelner Luftsportverein, der hier residiert, gibt es seit 1928, das Segelfluggelände „Bisperode-West“ seit 1969.

Doch im Moment zirpt auf der Ithbörde nur eine Grille. Ansonsten: Hitze. Glutofen. Ist das wirklich Deutschland? Muss wohl. In nicht allzu großer Entfernung ist der Flugzeug-Hangar der Flieger zu sehen. Also rein in den Käfer, den Berg runter, einen Feldweg weiter wieder rauf. Vorm Gebäude: niemand. Dahinter: auch kein Flieger. Um die nächste Ecke: auch keiner. Oder doch.

Bernd und Jennifer Stöckmann im Garten. F: doro
  • Bernd und Jennifer Stöckmann im Garten. F: doro
Gluthitze auf der Ithbörde – und kein Segelflieger. foto: doro
  • Gluthitze auf der Ithbörde – und kein Segelflieger. foto: doro
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Dort, wo der Dartpfeil steckenbleibt, ist das Ziel.
  • Dort, wo der Dartpfeil steckenbleibt, ist das Ziel.
Sahara oder Ithbörde? Oben im Zelt ist es jedenfalls nachts schön luftig, sagt Martina Günther. Foto: Doro
  • Sahara oder Ithbörde? Oben im Zelt ist es jedenfalls nachts schön luftig, sagt Martina Günther. Foto: Doro
Bernd und Jennifer Stöckmann im Garten. F: doro
Gluthitze auf der Ithbörde – und kein Segelflieger. foto: doro
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Dort, wo der Dartpfeil steckenbleibt, ist das Ziel.
Sahara oder Ithbörde? Oben im Zelt ist es jedenfalls nachts schön luftig, sagt Martina Günther. Foto: Doro

Am Rand des Flugplatzes sitzen Menschen vor einem Auto mit Zelt auf dem Dach. Es sind Carsten Hilske und Martina Günther. Sir Henry bellt freudig. Sie habe bestens geschlafen, denn oben ist es wunderbar luftig, sagt Martina. Seit kommen aus der Eifel, Fremde sind sie dennoch nicht. Carsten stammt aus Bisperode, später wollen sie seine Eltern besuchen. Gestern Abend, als sie ankamen, hätten diese schon geschlafen, sagt Carsten, also haben sie spontan auf dem Berg ge-auto-zeltet. Die Eltern werden staunen, wenn sie morgen die Zeitung lesen, bis dahin soll nichts verraten werden. An dieser Stelle: Viele Grüße an Familie Hilske!

Viel habe sich nicht verändert in den 20 Jahren, seit er weg ist, sagt Carsten, zumindest nicht in Bisperode. Außer, dass es dort inzwischen keine Ärzte mehr gebe. Und die Windräder, die man vom Flugplatz aus gut sieht, die gehen überhaupt nicht, findet er. Da ist er nicht der Einzige.

Freiwillig ist der 52-Jährige nicht in die Eifel gezogen. Er ist Tischler, hat sich aufs Sägewerk spezialisiert und früher als Betriebsleiter im Sägewerk Meyer in Hastenbeck gearbeitet. Dann kam 2003 die Pleite für das Unternehmen (das es inzwischen wieder gibt), erzählt er. In der Ferne habe er wieder Arbeit in einem Sägewerk gefunden, doch heimisch fühlt er sich dort nicht. Würde er denn zurückkommen, wenn er Arbeit hätte? Ne, auch nicht.

Könnte er es sich aussuchen, würde er mit Martina und Sir Henry einfach reisen. Ein bisschen so wie Thilo Vogel, der Dachzeltnomade. „Der Dachzeltanhänger ist immer gepackt“, sagt er. Das ist echte Freiheit für beide. Fahren und anhalten, wo es schön ist. „Viel brauchen wir nicht.“ Alles was nicht ins Auto passt, kommt in den kleinen Anhänger, der immer mitfährt. Ab und an fahren sie auch Campingplätze an, lieber mögen sie aber Natur pur.

Mit Flugzeugen hatte die beiden übrigens mehr Glück: Gestern sei zufällig ein Motorflieger gelandet, direkt vor ihrer Nase. Dann hat sich der Pilot auf seine Kreidler gesetzt und ist ab nach Bisperode.

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Auch der Käfer fährt wieder bergab. Der nächste spontane Stop ist ein großes Grundstück nahe Voremberg. Forellenteiche, Garten ohne Ende, eine Hütte, Menschen. Jennifer Stöckmann kommt ans Tor, sie hat schon vom Dewezet-Käfer auf Tour gehört und freut sich, dass er bei ihr hält.

Sie, ihr Mann Bernd und Tochter Josey halten den Garten für den Besitzer in Ordnung. Anfangs hatte der nur eine Gartenhilfe gesucht, inzwischen ist Freundschaft daraus geworden. Eigentlich wohnen Stöckmanns in Bessingen, in einem alten Bauernhaus. Aber den Garten mögen sie am liebsten.

Bernd ist Rentner. Seit einem schweren Unfall mit 28 Jahren ist nichts mehr, wie es war. Eineinhalb Jahre verbrachte er nach dem Bruch der Wirbelsäule in Krankenhäusern, drei Jahre saß er im Rollstuhl. Wieder laufen lernte er in Kanada, wo er Familie hat. In der Nähe von Calgary, am See, umgeben von beeindruckenden Bergen. Bernd ist ein Kämpfer. 20 Jahre legte er noch als Gabelstaplerfahrer drauf, dann ging es nicht mehr.

Es war nicht der einzige Schicksalschlag im Leben. Kurz nachdem er 2003 seine Frau kennenlernt, brennt das Mehrfamilienhaus in der Deisterstraße, in dem sie wohnen. Es ist nicht der erste Brand. Die Ermittler schließen nicht aus, dass der Täter unter den Hausbewohnern oder deren Besuchern zu finden ist. Auch sie seien verdächtigt worden, sagt die 51-Jährige, das habe sie getroffen.

Die Stöckmanns, dazu gehören auch vier Jungs, standen vor dem Nichts. Also zog die Familie erst mal in Bernds alte Wohnung. „Es ist ja leichter, mit Hund oder Hamster eine Wohnung zu finden, als mit Kindern“, sagt Bernd. Inzwischen leben sie in dem alten Bauernhaus in Bessingen. Dort gibt es auch Fische und 70 000 Liter Wasser. Aber zuwenig Garten und nicht 200 Forellen, von denen man sich ab und zu eine braten oder räuchern kann. „Es gibt nichts Schöneres“, sagt Bernd über ihr Idyll. Am allermeisten habe er sich gefreut, als er im Haus ein Bild seines kanadischen Sees an der Wand entdeckte. „Ist das ein Zufall?“, fragt er und fügt an: „Immer wenn irgendwo eine Tür zugeht, geht woanders eine auf.“



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