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Auf einer 21 Kilometer langen Strecke erinnern sechs Stelen an die Industriegeschichte der Region

„Gläserne Spuren“ sichtbar gemacht

Salzhemmendorf (sto). Maggiflaschen, Medizingläser, Bier- und Weinflaschen, Kristallglas, Fensterscheiben, Gläser mit blauen und goldenen Rändern oder prunkvolle Pokale – weltweit waren sie beliebt, die „Zerbrechlichkeiten“ aus den drei Glashütten rund um Osterwald. Fast 400 Jahre lang bürgte der Name „Lauensteiner Glas“ für Qualität. 1926 wurde die letzte Glashütte geschlossen. Die Geschichte der Glasproduktion geriet immer mehr in Vergessenheit. Seit dem Wochenende aber sind die „gläsernen Spuren“ wieder sichtbar. Eingeweiht wurden drei Glasstelen, die an die glasgeschichtliche Tradition erinnern sollen.

veröffentlicht am 17.10.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 00:21 Uhr

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Die Bezeichnung „Lauensteiner Glas“ rührt daher, weil Osterwald damals zum Amt Lauenstein gehörte. Die Stelen sind zu finden auf Privatgrundstücken, und zwar an den ehemaligen Glashüttenstandorten am „Steigerbrink/Flutstraße“ (unterhalb des ehemaligen Kurhauses), wo sich von 1701 bis 1886 die „Lauensteiner Glashütte“ befand; in Hemmendorf, Heidestraße 40, in der Nähe des alten Forsthauses, wo von 1775 bis 1776 die „Fenster-Glashütte auf dem Hemmendorfer Dreisch“ eingerichtet war, sowie im Bereich „Auf der Glashütte/Hüttentor“, Oldendorf, (in der Nähe der Neubausiedlung „Am Rischkamp“). Dort befand sich von 1852 bis 1926 die „Reußesche Glashütte“ auf der „Sümpelbreite“.

Die offizielle Einweihung der Stelen erfolgte am ehemaligen Standort der Lauensteiner Glashütte. Anna Kreft, wegen ihrer aktiven Mithilfe im Besucherbergwerk als „Kohleengel von Osterwald“, bezeichnet, hatte die ehrenvolle Aufgabe, die etwa 1,90 Meter hohe Stele zu enthüllen. „Ich freue mich, dass ich das machen darf“, sagte die 21-Jährige, während sie das gläserne Denkmal aus einem riesigen Bogen Geschenkpapier wickelte, assistiert von Architekt Peter Nehmann aus Bad Münder sowie Hermann Wessling, dem Vorsitzenden des Vereins „Forum Glas“. Der in Bad Münder ansässige Verein ist Träger des Leader-Projekts „Glasstelenpfad“ in der Glasregion Deister/Süntel/Osterwald.

Das Projekt umfasst sechs Glasstelen – die drei genannten im Raum Osterwald sowie drei im Raum Bad Münder. Die Gesamtkosten betragen 18 000 Euro. Die Finanzierung erfolgt aus EU-Fördermitteln, darüber hinaus fließen Finanzmittel durch den Flecken Salzhemmendorf, die Stadt Münder, den Landkreis Hameln-Pyrmont, einer Spende der Sparkassenstiftung sowie dank einiger Privatspenden. Außerdem ist der Verein zur Förderung des Bergmannswesens Osterwald unterstützend tätig. „Das Glasstelenprojekt ergänzt in sehr schöner Weise das im Sommer eröffnete neue Museum am Hüttenstollen“, betonte Wessling bei der Einweihungsfeier in Osterwald, die wegen des Regens in den Multifunktionsraum des Museums verlegt worden war. Der ebenfalls im Sommer eingeweihte Bergmannspfad verbinde in idealer Weise die sechs Glasstelen-Standorte. Wer sich auf den Weg machen möchte, um sich alle Stelen anzuschauen, muss etwa 21 Kilometer zurücklegen. Für die drei Stelen in und um Osterwald ist mit etwa vier Kilometern zu rechnen.

Die Stelen informieren in Text und Bild über die Geschichte des jeweiligen Glashüttenstandorts, über die Glasproduktion sowie über die Anzahl der Beschäftigten. Darüber hinaus wird auf die weiteren Standorte verwiesen. „Eigentlich ist es ein verrückter Gedanke, alte Industriestandorte mit solchen Stelen zu versehen, und mancher Kritiker mag fragen, wer interessiert sich schon dafür“, sagt Hans-Dieter Kreft. Der Vorsitzende des Bergmannsvereins Osterwald lieferte die Antwort gleich mit. „Gott sei Dank interessieren sich dafür sehr viele Menschen.“ Gerade jetzt, wo die Globalisierung ihre zum Teil schlimmen Auswüchse zeige, beschäftigten sich wieder mehr Menschen mit der engeren Geschichte ihrer Heimat. Und dazu gehöre auch die längst untergegangene Industrie, die den Menschen Lohn und Brot gaben. Wissenswertes erläuterte Kreft über die Befeuerung der Glasöfen. Bevor mit der sogenannten „Brandkohle“ geheizt worden sei, wurden die Schmelzöfen mit Holz befeuert. Der Holzbedarf einer einzigen Glashütte zur Herstellung von Pottasche und zum Heizen der Glasöfen habe jährlich 2000 bis 3000 Festmeter Holz betragen. „Für eine Glashütte wurde der Holzvorrat jährlich von etwa 20 bis 30 Hektar Wald benötigt“, berichtete Kreft.

Mit einem in Kürze erscheinenden Faltblatt soll auf den Glasstelenpfad aufmerksam gemacht werden. „Wir hoffen, dass viele Leute vor den Stelen verweilen, um sich mit der gläsernen Vergangenheit zu beschäftigen“, so Kreft. Auch für Schulklassen seien die Stelen eine hilfreiche Informationsquelle, die jederzeit und kostenlos genutzt werden könne.

Die gut besuchte Feier wurde von Annika Hoffmann musikalisch begleitet. Im Anschluss gab es noch einen Vortrag.

Hans-Dieter Kreft (Mitte) und Klaus Vohn-Fortagne (Glas Forum Bad Münder) sowie Dr. Olaf Grohmann fachsimpeln im Hüttenmuseum über das „Lauensteiner Glas“.



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