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Alexander Wehrmann führt die Traditionsstätte am Ith in siebter Generation weiter

Geschichtsträchtiges Gasthaus

Coppenbrügge. Bereits im 19. Jahrhundert hielten Pferdegspänne vor der Gastwirtschaft am Ith. Im Januar hat mit Alexander Wehrmann die inzwischen siebte Generation das Ruder übernommen - und der hat für das Traditionshaus einige Pläne.

veröffentlicht am 04.04.2016 um 17:53 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:48 Uhr

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Autor:

Christiane Stolte
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Es war einmal um 1838 in Coppenbrügge in der Bahnhofstraße 2: Pferdegespanne halten vor der Gastwirtschaft am Ith. Während die Vierbeiner ausgespannt und in dem extra für sie vorgesehenen Stall mit Futter versorgt werden, machen es sich die Zweibeiner in der Gaststube gemütlich, bestellen einen deftigen Eintopf und ein frisch gezapftes Bier aus der in Coppenbrügge ansässigen Brauerei Holzapfel. Es werden Karten gespielt und Geschichten erzählt. Langsam fallen den von ihrer langen Reise müden Gästen die Augen zu, und sie begeben sich auf ihre Zimmer. Am nächsten Morgen sind Mensch und Tier ausgeschlafen. Die Übernachtungspause in der damals „Ausspann“ genannten Wirtschaft hat ihnen gut getan, und die Fahrt wird fortgesetzt.

Solche Begebenheiten gehören längst der Vergangenheit an. Sie haben sich zugetragen im 19. Jahrhundert, als das Gasthaus zum Ith noch eine sogenannte „Ausspann-Schänke“ war, in dem Mensch und Tier auf ihrer langen Reise beherbergt wurden. Dieser Ausspann existiert längst nicht mehr. Auch die Brauerei gibt es nicht mehr. „Dort, wo sich einst der Stall für die Pferde befand, befindet sich bereits seit vielen Jahren das Clubzimmer“, erzählt Jürgen Wehrmann, der ehemalige Eigentümer des Hotel-Gasthauses. Ein Pferdestall für vier Pferde habe sich allerdings noch bis Anfang der 1950er Jahre an einer anderen Stelle am Haus befunden. Der 78-Jährige hat das Gasthaus, das sich seit 1838 im Familienbesitz befindet, viele Jahre in der sechsten Generation geführt. Im Januar 2016 wurde er abgelöst durch seinen Sohn Alexander, der damit die siebte Generation einläutete. „Ich möchte die Tradition weiterführen“, betont der 30-Jährige. Er sei in dem Gasthaus aufgewachsen, und er freue sich auf seine neue Aufgabe.

Der gelernte Koch hat sich viel vorgenommen. Er will die Gasträume renovieren und ein Restaurant mit regionaler Küche eröffnen. „Das Gasthaus am Ith soll ein neues Gesicht erhalten“, betont der Jungunternehmer. Das gehe natürlich nicht von heute auf morgen, doch er hoffe, bis Ende 2017 seine Pläne realisiert haben zu können. Auch die Gästezimmer sollen nach und renoviert werden. Zu den derzeitigen Übernachtungsgästen zählen Monteure, Wanderer, Radfahrer und Angehörige von Patienten des Krankenhauses Lindenbrunn. Obwohl eine gut ausgestattete Küche vorhanden ist, wird ein Mittagstisch derzeit nur auf Anfrage angeboten, beispielsweise für Vereine, die im Gasthaus ihre Versammlungen abhalten. Mit dem Restaurant erhoffen sich Vater und Sohn, dass das seit 178 Jahren besehende Gasthaus wieder mehr in den Fokus der Coppenbrügger und der Touristen rückt.

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  • Alexander Wehrmann vor dem Hotel-Gasthaus zum Ith.
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Sein Handwerk zum Führen des Betriebes hat Alexander Wehrmann von seinem Vater gelernt, der den Beruf eines Kellners von der Pike auf gelernt hat. Unter anderem in „Thiemanns Hotel“ in Hameln. „Das war damals das erste Haus am Platze“, erinnert sich Jürgen Wehrmann. Auch Promis habe er dort bedient - beispielsweise den Schlagersänger Bully Buhlan und die Schauspieler Walter Giller und Nadja Tiller. Viele Erinnerungen verbindet der Senior aber auch mit dem Gasthaus zum Ith. Unter anderem denkt er manchmal an die Flüchtlinge aus Schlesien, die nach nach dem Zweiten Weltkrieg dort einquartiert waren. Ebenso an einige Hannoveraner, die nach der Evakuierung aus ihrer durch Bomben zerstörten Stadt in dem Gasthaus in Coppenbrügge für kurze Zeit Quartier suchten - als Zwischenstopp auf ihrem Weg ins Ruhrgebiet. Von außen hat Jürgen Wehrmann das Gasthaus bereits vor einigen Jahren renovieren lassen.

Statt des „Sollinger Schiefers“, wie ihn einst seine 1878 geborene und 1953 verstorbene Großmutter Emma noch kannte, ist das Haus nun mit weißen Klinkern verziert. „Meine Großmutter war sehr resolut und hatte die Hosen beim Betreiben des Gasthauses“, blickt Jürgen Wehrmann humorvoll zurück.

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