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Gutachten bestätigt gesunden Menschenverstand: Umgehung reduziert Lärm in den Ortschaften

Geld zum Fenster rausgeschmissen

COPPENBRÜGGE. 2400 Euro hat der Flecken Coppenbrügge für ein Lärmgutachten bezahlt, dass aus Sicht von Verwaltung und Politik gar nicht nötig gewesen wäre. Es bestätigt, was alle vorher wussten. Da für die betroffenen Bereiche derzeit eine Umgehungsstraße gebaut wird, sei dort künftig nicht mit erhöhter Lärmbelastung zu rechnen, Maßnahmen zur Lärmreduzierung seien nicht erforderlich. Warum also der ganze Aufwand?

veröffentlicht am 23.08.2018 um 16:41 Uhr

Die Ortsumgehung Coppenbrügge wird derzeit gebaut. Wenn sie fertig ist, wird der Lärmpegel in Coppenbrügge sinken. Foto: Wal
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Autor

Burkhard Reimer Reporter
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Warum nur ruft der Begriff „Lärmaktionsplan“ umgehend Assoziationen zu (blindem) Aktionismus hervor? Die Antwort darauf gab es am Mittwochabend während der gemeinsamen Sitzung von Bauausschuss und Ortsrat Coppenbrügge: Da konnte Bürgermeister Hans-Ulrich Peschka getrost auf die Zustimmung aller Anwesenden zählen, als er seinem Ärger Luft machte und unverhohlen erklärte: „Das ist Betrug, und durchaus vergleichbar mit dem, was sich die Autoindustrie im Dieselskandal geleistet hat.“ Zudem, da war man sich im Rund einig, komme die ganze Unsinnigkeit der Vorgehensweise einer Landesbehörde überdeutlich zum Ausdruck. Der Ärger dreht sich um den Lärmaktionsplan des Fleckens Coppenbrügge.

Was war passiert?

Die EU-Kommission hatte einst gegen die Bundesrepublik in Sachen „Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm“ ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet und darin unter anderem dazu aufgefordert, dass jede „lärmkartierte“ Gemeinde einen Lärmaktionsplan aufzustellen habe. Die Lärmkartierungen selbst waren vom Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt in Hildesheim durchgeführt worden, das wiederum für den Flecken Coppenbrügge Handlungsbedarf in den Ortsteilen Coppenbrügge und Marienau gesehen hatte.

2400 Euro hat das Lärmgutachten für Coppenbrügge gekostet

Die Art und Weise, wie nun dieser Handlungsbedarf festgestellt worden war, brachte nicht nur Bürgermeister Peschka auf die Palme, sondern rief auch bei den Kommunalpolitikern Unverständnis, ja, Empörung hervor. Da war nämlich, wie Peschka erläuterte, nicht etwa real Lärm gemessen worden. Vielmehr hatte man schlicht die Fahrzeuge auf den betroffenen Strecken gezählt und dann eine imaginäre Lärmbelastung hochgerechnet, was Peschka zu dem bereits erwähnten Vergleich mit dem Dieselskandal und seiner Betrugseinschätzung und den Worten „das ist geradezu skandalös“ veranlasst hatte.

Denn in der Folge musste für die betroffenen Bereiche ein Lärmgutachten erstellt werden – und zwar auf Kosten der Kommune. Schon die Frage, ob da nicht vielmehr der Straßenbaulastträger zahlungspflichtig gewesen wäre, war Anlass zu weiterer, scharfer Kritik des Bürgermeisters und der Kommunalpolitiker.

Denn da die Verwaltung das Gutachten nicht aus eigener Kraft erstellen konnte, wurde ein Ingenieurbüro aus Elze damit beauftragt. Und das kam dann zu einem Ergebnis, das von allen Beteiligten auf kommunaler Ebene gar nicht anders erwartet worden war.

Da nämlich für die betroffenen Bereiche derzeit eine Umgehungsstraße gebaut wird, sei dort künftig nicht mit erhöhter Lärmbelastung zu rechnen, Maßnahmen zur Lärmreduzierung seien also nicht erforderlich – das hätte der gesunde Menschenverstand auch ohne Gutachten gewusst oder zumindest geahnt. Übrigens hat das Gutachten 2400 Euro gekostet, verriet Bürgermeister Peschka der Dewezet auf Nachfrage. Es war demnach „für Coppenbrügge nicht so teuer“, wie es Gerrit Meyer vom Elzer Ingenieurbüro schon in der Sitzung ausgedrückt hatte, verbunden mit der Anmerkung: „Aber auch das ist Geld, das man an anderer Stelle sicherlich sinnvoller hätte ausgeben können.“



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