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Peschka wirft Dohme Verunsicherung der Bürger vor

Gefährlicher Klärschlamm?

veröffentlicht am 08.09.2016 um 17:04 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:10 Uhr

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Autor:

von Maike Lina Schaper
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Wer oder was die zu hohen Werte des Schwermetalls Quecksilber in Coppenbrügges Klärschlamm verursacht hat, weiß die Gemeinde jetzt. Will es aber nicht sagen. Die Begründung: Bürgermeister Hans-Ulrich Peschka will zuerst die Politik davon in Kenntnis setzen. Auf der nächsten Sitzung des zuständigen Fachausschusses solle das Thema besprochen werden. Zudem spiele Datenschutz eine Rolle.

Statt öffentlich über die Ursachen der erhöhten Quecksilberbelastung zu sprechen, schießt Peschka gegen den UWG-Vorsitzenden Klaus-Dieter Dohme. Die Unabhängige Wählergemeinschaft hatte in der Gemeinde ihren „Fleckenkurier“ (ein Heft zur Wahlwerbung) verteilt. Darin war unter dem Punkt „Krebserkrankungen“ zu lesen, dass jahrelang Klärschlamm mit Quecksilber auf landwirtschaftliche Böden aufgebracht wurde, was derzeit nicht erlaubt sei. Diese Darstellung sei „nicht korrekt“, schreibt Peschka in einem Brief an Dohme, der unserer Zeitung vorliegt. Der Flecken habe niemals Klärschlamm auf die Felder bringen lassen, der nicht den gültigen Richtwerten entspreche.

Zum Hintergrund: Vor einem Jahr wurde bekannt, dass die Gemeinde zu hohe Werte des Schwermetalls Quecksilber in ihrem Klärschlamm verzeichnete. Es wurden 3,36 Milligramm pro Kilogramm Trockenmasse gemessen. Der Grenzwert liegt allerdings seit Beginn des Jahres 2015 bei einem Milligramm. In Folge dessen musste der bei der Abwasserklärung anfallende Schlamm, der sonst als Düngemittel auf die Felder ausgebracht wird, verbrannt werden. Die Kosten dafür: 45 000 Euro pro Halbjahr. Bei der ersten Messung dieses Jahres im März war der Quecksilbergehalt zwar mit 1,64 Milligramm pro Kilogramm Trockenmasse noch zu hoch, doch seit Sommer darf der Schlamm wieder auf die Felder. Die jüngste Messung ergab einen Quecksilber-Wert von 0,71 Milligramm. Politik und Verwaltung seien über den Stand der Untersuchungen und der Maßnahmen permanent auf dem Laufenden gehalten worden, schreibt Peschka. Für die Untersuchungen zur Ermittlung der Ursache hat die Gemeinde übrigens Kosten von 12 000 Euro veranschlagt.

Die Ausbringung des Klärschlamms auf die Felder ist laut Peschka „im Sinne des Bürgers, der letztendlich über das Gebührenaufkommen“ die Last der Entsorgung zu tragen habe. Dohme und die UWG haben hingegen in ihrer Wahlwerbung deutlich gefordert, dass kein Klärschlamm mehr auf die Felder ausgebracht werden soll.

Aufgrund der Werbeschrift der UWG hätten sich Bürger im Rathaus gemeldet und ihren Unmut über das Ausbringen von Klärschlamm kundgetan, heißt es in Peschkas Brief. In der Wahlwerbung der UWG sieht der Bürgermeister eine unnötige Verunsicherung der Bürger und ein unverantwortliches Handeln. Zumal durch das Titelbild des Fleckenkuriers, auf dem das Rathaus abgebildet ist, suggeriert werde, dass es sich um eine amtliche Mitteilung der Verwaltung handele. Darüber hinaus heißt es aus dem Rathaus, dass sich „die Verunsicherung in der Bevölkerung“ auf die Landwirte ausgedehnt habe. Ein Landwirt habe die Verwaltung informiert, dass er juristische Schritte gegen die UWG prüfen ließe.

Dohme selbst lässt sich nicht von dem Brief des Bürgermeisters beeindrucken: „Wir sind eine unabhängige Wählermeinschaft und werden auch nach der Wahl so weitermachen, wie wir es für richtig halten.“ Außerdem überlege er, den Brief aus der Verwaltung im nächsten Fleckenkurier zu veröffentlichen.

Wie Dohme weiter sagt, ist er von der Schädlichkeit des Quecksilbers im Klärschlamm überzeugt. „Wir wollen nicht, dass das Zeug auf die Felder gekippt wird.“ Einen Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und Quecksilber schließt auch Dr. Britta Schautz von der Verbraucherzentrale Niedersachsen nicht aus. Allerdings sei das Schwermetall eher dafür bekannt, das Nervensystem zu schädigen. In dieser Hinsicht sollten vielmehr Schwangere und Kinder vorsichtig sein, für die ein höheres Risiko bestehe. Gefährlicher als das Quecksilber, das durch den Klärschlamm in die Nahrung gelangt, sei allerdings Methylquecksilber, das durch den Verzehr von Fisch aufgenommen wird. In Deutschland gäbe es hierbei im Schnitt aber keine erhöhten Belastungen.



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