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SPD und Grüne wollen Schutzgebiet auf dem Steinbruchgelände am Ith

Frösche und Kröten statt Deponie

Bisperode/Lauenstein. Statt zum Lager für mäßig belasteten Bauschutt soll der Steinbruch am Ith nach dem nahen Ende seiner Nutzungszeit zu einem Rückzugsort für geschützte Amphibien werden. So will es die rot-grüne Mehrheitsgruppe des Kreistages.

veröffentlicht am 07.02.2016 um 18:17 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:51 Uhr

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Autor:

von maike lina schaper
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Zu den Deponie-Plänen der Hannoverschen Basaltwerke hatten die Politiker schon vor anderthalb Jahren signalisiert, dass diese nicht durchkommen werden. Das Unternehmen hatte vor, den Steinbruch als Deponie der Klasse I zu nutzen, wenn die abbaufähige Kalkmenge erschöpft ist. Was voraussichtlich noch in diesem Jahr sein wird.

Um eine Deponie für mineralische Abfälle einzurichten, hätte der Steinbruch aus dem Landschaftsschutzgebiet Ith herausgenommen werden müssen. Seither hat es seitens der Hannoverschen Basaltwerke keinen weiteren Vorstoß in Richtung Deponie gegeben. Für die stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für erneuerbare Energien, Umwelt und Wirtschaft, Britta Kellermann von den Grünen, ist die Debatte um die Deponie damit vom Tisch: „Solange Rot-Grün die Mehrheit im Kreistag hat, wird es keine Deponie am Ith geben.“

Im Zuge einer Begehung des Geländes wurde eine Population der Geburtshelferkröte im Steinbruch am Ith ausgemacht, die groß genug ist, um den Bereich als besonderes Schutzgebiet (Flora-Fauna-Habitat) auszuweisen. „Dass sich die Kröten jetzt schon im Steinbruch angesiedelt haben, obwohl dort noch in Teilen gearbeitet wird, zeigt, welche Not sie haben“, verdeutlicht Kellermann.

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  • Auf dem Bauch der Gelbbauchunke findet sich ein auffälliges gelbes Fleckenmuster. Auch besitzt sie die für Unken typische herzförmige Pupillenform. Am Ith sollen die gefährdeten Gelbbauchunken und Geburtshelferkröten ein neues Zuhause finden. Bruno Scheel, Nabu

Ursprünglich seien die Amphibien in unverbauten Fluss- und Bachauen zu Hause gewesen, die sich heute kaum noch finden. Sie hätten auf sonnige, warme und weitgehend unbewachsene Lebensräume aus zweiter Hand ausweichen müssen wie beispielsweise auf Steinbrüche. Am Montag, 8. Februar, berät der Ausschuss für erneuerbare Energien, Umwelt und Wirtschaft über den entsprechenden Antrag von SPD und Grünen, die biologische Vielfalt zu erhalten.

Neben der Geburtshelferkröte soll sich auch die Gelbbauchunke wieder im Steinbruch ansiedeln. Dazu gehört, dass der 1978 festgesetzte Rekultivierungsplan des Steinbruchs zu einem Renaturierungsplan im Sinne des Artenschutzes überarbeitet wird. Das würde es mit sich bringen, dass der Steinbruch am Ith nur bedingt aufgefüllt und die Landschaft offen und ohne Wiederaufforstung gestaltet wird.

Gruppensprecher Ulrich Watermann (SPD) betont den deutlichen Richtungswechsel der letzten Jahre: „Früher ging es vor allem um die Ausbeutung der Landschaft. Im Fall des Steinbruchs holt sich die Natur etwas zurück, das unterstütze ich.“ Sowohl die Geburtshelferkröte als auch die Gelbbauchunke gelten im Bundesnaturschutzgesetz als „streng geschützte“ Arten und dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden.

Mit dem Nabu besteht bereits eine Kooperation zum Schutz der Gelbbauchunke. Um die Population dieser Froschlurche in der Region zu vergrößern, sollen kleine Tümpel als sogenannte „Trittsteine“ ihre Ausbreitung unterstützen. Auch für andere Amphibien und Säugetiere wie die Wildkatze sollen die Lebensräume natürlich vernetzt werden. „Bisher scheitern viele Tiere an den Bundesstraßen 1 und 217, wo sie tot am Straßenrand liegen bleiben“, sagt Kellermann. Daher wollen SPD und Grüne am Montag auch hier einen Antrag stellen, um die Biotopvernetzung im Landkreis aktiv voranzutreiben. Dazu sollen ein bis 2025 angelegtes Maßnahmenpaket und einzuwerbende Fördergelder beitragen.

Wie es aussehen könnte, wenn der Steinbruch am Ith zu einem Schutzgebiet umgewandelt wird, lasse sich gut am Beispiel des ehemaligen Steinbruchs Liekwegen im Landkreis Schaumburg sehen, sagt Kellermann. Dort wurde ein Erlebnispfad im neu geschaffenen Naturschutzgebiet eingerichtet, der Besucher über die Bedeutung des Lebensraumes Steinbruch und seiner Artenvielfalt informiert. Auch dort gibt es Gelbbauchunken.



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