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Nabu richtet Wildgarten ein

Freie Entfaltung für Tiere und Pflanzen

DÖRPE. Von oben ähnele das Gelände einem „immergrünen Finger, der in die intensiv genutzten Ackerflächen in der Gemarkung ,Kamp‘ in der Hanglage südlich des Osterwaldes bei Dörpe hineinragt“. So beschreibt Nabu- Kreis- und Ortsvorsitzender Günter Blötz die Fläche, auf der der Verein nun einen Wildgarten angelegt hat.

veröffentlicht am 15.10.2017 um 15:23 Uhr

Man kann wie Claas Henneck – jüngstes Mitglied der Nabu-Ortsgruppe – auch darauf spielen. Aber eigentlich soll der Lesesteinhaufen Reptilien und Solitärbienen als Lebensraum dienen. Fotos (3): br
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Burkhard Reimer Reporter
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Mit einem „Wiesenfest“ ist das etwa ein Hektar große Projekt kürzlich der Öffentlichkeit vorgestellt und übergeben worden.

Die Naturschützer verstehen unter „Wiesenfest“ und Wildgarten“ jedoch etwas anderes, als manch anderer. Denn erstens hatte das Wiesenfest, abgesehen davon dass es dabei Brezel und ein paar Biergartengarnituren als Sitzgelegenheiten gab, nichts mit bayerischen Saufgelagen in überfüllten Bierzelten gemein, zweitens geht es im „Wildgarten“ weder um den stolzen Zwölfender noch um scheue Rehlein, also ums heimische Wild, sondern darum, dass sich dort die heimische Flora – mehr oder minder – „wild“ aussähen und entwickeln soll.

Ermöglicht wird das dadurch, dass Eigentümerin Sabine Wulf das Gebiet für einen symbolischen Euro auf mindestens 25 Jahre an die Naturschützer verpachtet hat.

Sabine Wulf (li.) verpachtet das Wildgarten-Gelände für einen symbolischen Euro. Günter Blötz vom Nabu bedankt sich.
  • Sabine Wulf (li.) verpachtet das Wildgarten-Gelände für einen symbolischen Euro. Günter Blötz vom Nabu bedankt sich.
Nabu-Hummelexpertin Gertud Glaubitz (li.), erläutert einer Besucherin Aufbau und Funktionsweise eines Hummelkastens.
  • Nabu-Hummelexpertin Gertud Glaubitz (li.), erläutert einer Besucherin Aufbau und Funktionsweise eines Hummelkastens.

Ganz früher einmal war das Gelände ein riesiger Obstgarten. Er wurde von Schweinen beweidet, die damit in geradezu paradiesischer Umgebung ihr Leben genießen konnten. Dann folgte eine rund 40-jährige Phase, während der das Areal als Weihnachtsbaumplantage genutzt wurde. „Bis nach Hannover und Bad Pyrmont gingen damals Nordmanntannen und Blaufichten und schmückten dort zu Weihnachten die Wohnzimmer“, erzählt Günter Blötz. Und Käthe Thielke aus Coppenbrügge, Aktivposten in der Künstlervereinigung „artes wesera“, erinnert sich gern: „Damals haben wir da immer unsere Tannenbäume geholt. Wir haben das jedes Mal gemeinsam mit Freunden als Ausflug gestaltet, Glühwein und Kuchen mitgenommen und an Ort und Stelle erst einmal ein gemütliches Winter-Picknick abgehalten.“

Dann aber wurde die Plantage aufgegeben. Sich selbst überlassen, erreichten die nicht geschlagenen Nadelbäume „Kathedralengröße, ansonsten hatten Birken und Brombeerranken die Fläche übernommen“, beschreibt der Nabu-Vorsitzende den Zustand des Geländes zum Zeitpunkt der Übernahme durch die Ortsgruppe.

Ungeachtet aller Überlegungen hinsichtlich einer künftigen Nutzung stand für die Naturschützer fest: Das Gelände sollte auf gar keinen Fall von den ringsum gelegenen Ackerflächen vereinnahmt werden. Auch eine erneute Nutzung als Nadelbaum-Plantage kam nicht infrage. Stattdessen sollten die verbliebenen Nordmanntannen künftig als Schutz gegen den ortsüblichen und immer häufiger auch stürmischen Westwind dienen.

Die ursprüngliche Nutzung als (Obst-)Garten brachte die Nabu-Mitglieder schließlich auf den Gedanken einer erneuten Nutzung als Garten – allerdings dachten sie nicht etwa an einen ordentlich angelegten und brav gepflegten Haus- oder Nutzgarten. Nein, etwas möglichst Naturnahes sollte es sein – eben ein Wildgarten, in dem lediglich zurückhaltend in den Wildwuchs eingegriffen werden soll. Dazu Günter Blötz: „Der heute oft benutzte Begriff der Biodiversität, sprich: Artenvielfalt, soll auf diesem Gebiet verwirklicht werden.“

Artenvielfalt, das bedeutet für Günter Blötz und seine Nabu-Mitstreiter, dass auf dem Gelände zum Beispiel diverse Wildgehölze zu finden sind, die für ein natürliches Nahrungsangebot für Vögel und Insekten sorgen. Zudem wurde ein so genannter Lesesteinhaufen angelegt. Er hat seinen Namen, weil er aus von Feldern aufgelesenen Steinen zusammengetragen und über einer sandigen Grundlage errichtet worden ist. So bietet er sich heimischen Reptilien wie auch Solitärbienen als Lebensraum an. Gleiches gilt für den Hummelgarten, in dem eine entsprechende Bepflanzung sowie zwei Hummelkästen für Nahrung und Unterkunft sorgen. Und schließlich hat die Nabu-Ortsgruppe noch einen Baumlehrpfad angelegt. Er präsentiert 13 verschiedene Nadel- und Laubbäume. Sie sind Gehölze, die eher selten geworden und in der Vergangenheit schon als „Bäume des Jahres“ ausgezeichnet wurden.

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