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Retterin bringt das Tier zum Arzt und bleibt auf den Kosten sitzen

Frau rettet Kater – Gemeinde will nicht zahlen

Coppenbrügge. Eine Autofahrerin sieht einen verletzten Kater auf der Straße liegen und bringt ihn zum Tierarzt. Obwohl Fundtiere eigentlich Sache der Gemeinde sind, soll die Helferin selbst die Behandlungskosten tragen, weil sie vorher der Verwaltung hätte Bescheid geben müssen.

veröffentlicht am 28.06.2016 um 15:16 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 12:42 Uhr

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Autor:

Maike Lina Schaper
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Es ist Montagfrüh, kurz nach halb sieben, es ist kühl. Mitten auf der Straße zwischen Coppenbrügge und Hohnsen liegt ein schwer verletzter Kater. Das Fell ist zerzaust, die Nase zerrupft, mit dem linken Vorderbein stimmt etwas nicht. Einige Autos fahren an dem Tier vorbei. Nur Britta Marhauer hält an. Sie will dem blutenden Tier helfen, parkt ihren Skoda Fabia auf einem Feldweg, schaltet das Warnblinklicht an. Der Kater ist sichtlich mitgenommen, lebt aber noch. Das Tier bewegt immer wieder seine Pfote und versucht vergeblich, von der Straße wegzukommen. Britta Marhauer tut das, was Tierfreunde eben tun: Sie nimmt den ängstlich fauchenden Kater hoch, setzt ihn vorsichtig in einen Einkaufskorb im Fußraum der Beifahrerseite, bringt ihn sofort in die Tierklinik am Osterwald nach Oldendorf, die sie bereits von Besuchen mit ihrem Hund kennt. Dort wird klar: Das linke Vorderbein des erst sechs Monate alten Katers ist gebrochen. In der Klinik päppeln die Ärzte den Kater wieder auf. Zu Beginn dieser Woche wurde er operiert, dabei musste sein gebrochenes Bein amputiert werden.

Doch nun soll die Bürokauffrau für ihre Hilfsbereitschaft auch noch zahlen – 400 bis 500 Euro. Normalerweise gibt es dafür einen Topf bei den Gemeinden, die für Behandlungen von Fundtieren aufkommen. Bei vielen, wie beispielsweise Salzhemmendorf, habe das bisher problemlos funktioniert, sagt Tierarzt Dr. Jan Bitter. Doch bei der zuständigen Verwaltung in Coppenbrügge möchte man Tierretterin Marhauer nicht entgegenkommen. Der Leiter des Ordnungsamtes, Jens-Uwe Schaper, beruft sich stattdessen auf die gesetzliche Regelung, nach der Marhauer zuallererst bei der Gemeinde (oder wenn diese keine Dienstzeit hat, bei der Polizei) hätte anrufen müssen. Erst dann sei das gefundene Tier auch ein Fundtier und fiele in den Zuständigkeitsbereich der Gemeinde.

„Man sagte mir, ich hätte vorher fragen sollen, bevor ich etwas von der Straße aufhebe“, gibt die verständnislose Marhauer das Gespräch mit der Gemeindeverwaltung wieder. Nun muss sie allein für die Tierarztkosten aufkommen. Bei dieser Summe ist ihr die Klinik schon finanziell entgegengekommen. „Ich bin froh, dass es dem Kater gut geht, aber auch völlig baff, dass ich damit so viele Probleme habe“, sagt Marhauer und hofft, dass sie nicht auf den Kosten sitzen bleibt.

Ordnungsamtsleiter Schaper weist im Gespräch mit unserer Zeitung darauf hin, dass der Gemeinde Coppenbrügge allein im vergangenen Jahr Kosten in Höhe von zirka 15 500 Euro durch gefundene Tiere entstanden sind. Jede Kommune im Landkreis habe einen Vertrag mit dem Tierschutzverein Hameln-Pyrmont geschlossen, in dem sie sich verpflichtet, ein halbes Jahr lang für die Kosten aufzukommen, die dem Tierheim Hameln für ein Fundtier entstehen. Für 2015 seien das für Coppenbrügge 18 Katzen und ein Hund gewesen.

Doch das nützt Britta Marhauer und dem angefahrenen Kater nicht. Um ihnen zu helfen, wurde von der Bäckerei Bohne angeboten, in einigen ihrer Filialen Spendenboxen für die Tierarztkosten des Katers aufzustellen. Diese werden in Coppenbrügge, Bisperode, Lauenstein, Salzhemmendorf, Hemmendorf und Oldendorf stehen. Komme mehr Geld als benötigt zusammen, werde dies zugunsten anderer bedürftiger Tiere gespendet, sagt Marhauer.

Übrigens: In ein paar Tagen darf der Kater wieder nach Hause. Aber: Eben dieses Zuhause scheint er gar nicht zu haben. Und dass sich der Besitzer des kleinen Kerls melden wird, hält Bitter für unwahrscheinlich. Der Kater sei unkrastriert und verhalte sich Menschen gegenüber eher zurückhaltend oder bei Behandlungen auch gern widerspenstig. Möglicherweise habe er als freilaufender Kater auf einem Bauernhof gelebt. Auf den Röntgenaufnahmen des Arztes sind noch die Überreste einer Maus in seinem Magen zu erkennen. Seine Retterin kann ihn selbst nicht behalten, ihr Hund würde sich nicht mit dem Kater verstehen.

Sollte der Besitzer seinen Kater widererkennen oder sich jemand finden, der dem kleinen Kerl viel Freilauf bieten kann und ihn bei sich aufnehmen würde, können Sie sich bei uns per Telefon 05151/200-436 melden.

Info: Verletzte Fundtiere

Wenn der Besitzer des Tieres nicht bekannt ist, sieht das Gesetz vor, dass vor dem Gang zum Tierarzt das Ordnungsamt der Kommune, in der das Tier angefahren wurde, über den Fund informiert werden muss. Denn grundsätzlich sind die Behörden für die Versorgung, Unterbringung und die notwendige tierärztliche Behandlung von Fundtieren zuständig. Außerhalb der Öffnungszeiten des Fundbüros nimmt die Polizei die Fundanzeige auf. Rein rechtlich muss die Anzeige vor dem Tierarztbesuch erfolgen. Falls dies nicht geschehen ist, kann die Kostenübernahme von der Kommune verweigert werden, weil der Status „Fundtier“ noch nicht eingetreten ist.



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