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Heftige Diskussion um Bedarfsplan

Feuerwehrfinanzen wecken Emotionen

SALZHEMMENDORF. Ende Januar ist die Mehrzahl der Jahreshauptversammlungen der Feuerwehren im Flecken Salzhemmendorf bereits abgehakt – überall herrschte ein Thema vor: Der Feuerwehrbedarfsplan – obwohl bis dato noch nicht veröffentlicht – wurde heiß diskutiert.

veröffentlicht am 25.01.2017 um 12:37 Uhr

Das Tanklöschfahrzeug in Wallensen ist schon 36 Jahre alt und soll bald ersetzt werden. Foto: gök
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Christian Göke Reporter
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Dass er mit Spannung erwartet wird, zeigte sich im Okal-Café in Lauenstein – bei der Sitzung des Ausschusses für Feuerschutz und Ordnung stellte das beauftragte Planungsbüro aus Paderborn den Feuerwehrbedarfsplan der Gemeinde Salzhemmendorf erstmals vor.

Weder Politik noch Feuerwehr hatten die Präsentation vorher zu Gesicht bekommen, weshalb der Veranstaltungsraum mit etwa 60 Feuerwehrleuten und Politikern sehr gut gefüllt war.

Rund anderthalb Jahre hatte die Datenerhebung gedauert. „Der lange Zeitraum war auch in der bisherigen Dokumentation begründet. Aus den Einsatzberichten etwa gingen nicht immer gleich alle für den Plan notwendigen Daten hervor, was die Arbeit entsprechend aufwendig machte“, erklärte Andreas Hillmer von der Gemeindeverwaltung im Gespräch.

Der Plan wird in den nächsten Jahren große Auswirkungen auf die Infrastruktur und Ausstattung der Gemeindefeuerwehr haben. Im Stützpunkt Wallensen etwa wartet die Ortsfeuerwehr Wallensen auf die Neuanschaffung für ihr 36 Jahre altes Tanklöschfahrzeug, wobei im ebenfalls vorgestellten Haushalt 100 000 Euro in der ersten Rate bereits für die Neuanschaffung eingestellt sind. Die ältesten vier Fahrzeuge der Gemeinde stehen alle im Feuerwehrstützpunkt in Wallensen.

Eine Diskussion über die Präsentation war zunächst nicht vorgesehen. Erst in der Bürgerfragestunde entwickelte sich eine emotionale Diskussion. Die Mindestempfehlung der Planer für die Anzahl der Fahrzeuge in den jeweiligen Standorten sorgte für die größte Diskussion. Im südlichen Standort der Gemeinde im Ortsteil Thüste sind derzeit sechs Fahrzeuge für die vier Ortswehren Wallensen, Thüste, Ockensen und Levedagsen vorhanden. Künftig reichen nach Meinung der Planer hier drei Fahrzeuge aus. Ein (Hilfeleistungs-)Löschgruppenfahrzeug 10 (kurz HLF10 oder LF10), ein Tanklöschfahrzeug (kurz TLF) und ein Mannschaftstransportwagen (kurz MTW) sollen für den Brandschutz ausreichen. Stark reduziert werden könnte nach Einschätzung der Planer auch der Fahrzeugbestand im neuen noch nicht gebauten Standort Oldendorf. Die vier Ortswehren dort verfügen derzeit über acht Fahrzeuge. Nach neuestem Stand sollten dort ein (H)LF10, ein TLF, ein Schlauchwagen (SW2000), ein Gerätewagen-Logistik (GW-L) und ein MTW ausreichen. In Salzhemmendorf dagegen würde der Fahrzeugbestand um ein Fahrzeug (MLF – Mittleres Löschfahrzeug) aufwachsen, wobei einer der zwei Rüstsätze nach Oldendorf abgegeben werden sollte. In Thüste wäre ein dritter Rüstsatz in der Gemeinde noch überlegenswert.

Vor allem der stellvertretende Gemeindebrandmeister Dirk Habenicht kritisierte die Planer für die seiner Meinung nach nicht berücksichtigte Struktur in der Gemeinde, wo nach bisheriger Meinung alle Ortswehren erhalten bleiben sollen. Auch das Nachführen von Einsatzkräften ist mit der geringeren Anzahl an Fahrzeugen aus seiner Sicht dann ein Problem. Kritisch sieht er auch die Wasserversorgung, da die meisten vorgesehenen Fahrzeuge zwar wasserführend sind, lange Wegstrecken aber kaum noch aufgebaut werden können. Genau das ist aus seiner Sicht in manchen Orten wie etwa Osterwald mit seinen engen Gassen aber notwendig, da sonst die Wege zu weit werden. Positiv nahm er dagegen die Bestandsaufnahme der Planer auf, „so werden vielen vielleicht auch mal die Augen geöffnet“. Während Daten wie Einwohnerzahlen, Gewerbestruktur, Risikobewertung oder Topografie der Gegend unproblematisch zu erheben waren, waren viele Einsätze für eine genaue Auswertung nur unzureichend dokumentiert. Gemeindebrandmeister Walter Wiegmann war zumindest darüber erfreut, dass in dem Entwurf ein Einsatzleitwagen (ELW) für die Gemeinde empfohlen wird. Bisher gab es aus seiner Sicht nur Notlösungen. Ausbaufähig sind nach Meinung der Planer auch sogenannte Doppelmitgliedschaften, da zum Beispiel 48 Feuerwehrleute in einem anderen Ortsteil Dienst verrichten.

Positiv aufgenommen wurde der derzeitige Ausbildungsstand in der Gemeindefeuerwehr. Der Altersschnitt bei den 259 Aktiven in der Gemeinde beträgt 38 Jahre. Die Fahrzeuge sind im Durchschnitt 22 Jahre alt. Den Nachwuchs bei der Feuerwehr sollen die 73 Jugendlichen und 39 Kinder sichern, die derzeit in Jugendfeuerwehren und Kinderfeuerwehren aktiv sind. Von den 259 Aktiven sind tagsüber auch 83 innerhalb der Gemeindegrenzen verfügbar. Ebenfalls zurückgreifen kann man zudem auf 68 weitere Aktive, die aber außerhalb der Gemeindegrenzen arbeiten. 108 Aktive sind beruflich bedingt zumindest teilweise während der Arbeitszeiten nicht verfügbar und können nur in ihrer Freizeit alarmiert werden.

Kreisbrandmeister Frank Wöbbecke sah Schwierigkeiten, wie in manchen Orten das ausrücken innerhalb von acht Minuten gewährleistet werden soll. Hier wäre eine Anpassung der entsprechenden Ordnung notwendig. Ebenfalls überdacht werden müsste die Vorhaltung von Einsatzfahrzeugen für die Kreisfeuerwehrbereitschaft.

„Unser Ziel muss es sein, den Feuerwehrbedarfsplan 2017 zu beschließen. Dazu wird es noch eine ruhige und sachliche Abstimmung zwischen Verwaltung, Politik und Feuerwehr geben“, erklärte Gemeindebürgermeister Clemens Pommerening.



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