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Haus in Brünnighausen wird abgerissen / Neubau soll bis März fertig sein / „Kleine Wunder“ erlebt

Feuer und Löschwasser zerstören Lebenstraum

Brünnighausen (ist). „Letztlich ist es nur ein Haus“, sagt Rachel Schneider und bohrt die Hände fröstelnd tiefer in die Jackentaschen. Die 51-Jährige steht auf dem Balkon ihres Holzhauses, das dem Nesselberg auf etwa zwanzig Metern ein Stück Alpenlandflair mit Blick über das Weserbergland gibt – noch. Denn erste verkohlte Fensterrahmen und Platten provisorischer Dachabdeckung krachen an ihr vorbei auf die Zufahrt und leiten den vollständigen Hausabriss ein. Und Rachel Schneider wartet seit Stunden auf Megakran und Abrissbirne, „oder was sonst noch so dazugehört, um alles restlos plattzumachen“. Ab und zu fährt ihr Handrücken über die Augen. „Nordpolarfichte“, sagt sie mit nicht ganz fester Stimme, in der dennoch Zuversicht mitschwingt. „Fast alle Gegenstände aus dem Erdgeschoss unseres Traumhauses konnten gerettet werden, sind inzwischen gereinigt und werden mit uns gemeinsam in unser neues Haus wieder einziehen. Im Obergeschoss ist alles verbrannt.“

veröffentlicht am 17.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 19:21 Uhr

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Vor drei Monaten (wir berichteten) hatte eine Brandkatastrophe eines der repräsentativsten Häuser im Dorf vernichtet. Gestern haben die Rückbau- beziehungsweise Abrissarbeiten begonnen.

Die Brandursache bleibt letztlich unbekannt. „Wir haben kein endgültiges Ergebnis der Ermittlungen“, teilt die Miteigentümerin mit, „nur Vermutungen. Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren auf Verdacht fahrlässiger Brandstiftung eingestellt. Es kann die fünf Tage alte Asche gewesen sein, muss aber nicht.“ Zerstört wurde durch Feuer und Löschwasser nicht nur dreistöckiger Wohnraum in massiver finnischer Blockhaustradition, sondern für die Neubürger im Dorf gleichzeitig ein Lebenstraum, der nach nur einem halben Jahr zu einem Albtraum werden sollte. Ihre berufliche Tätigkeit als selbstständige Unternehmer im Bereich der Intensivmedizin, wo sie mit schwerstkranken Menschen zu tun haben, konfrontiere tagtäglich mit der Notwendigkeit, jedes noch so große Problem irgendwie zum Positiven zu drehen. „Oft haben uns Menschen gefragt, wie wir das schaffen, tagtäglich mit so viel Leid zu tun zu haben“, sagt Rachel Schneider. „Wir sagen dann immer: Man kann daran wachsen und damit leben. Das Wichtigste ist die Gesundheit.“ Nun standen sie als „Macher“, wie sie sich bezeichnen, erstmals selbst ohnmächtig mit nichts und der jüngsten Tochter Yonit (18) vor ihrem zerstörten Lebenstraum, in dem es unter provisorischer Dachverbretterung tropft und stinkt, der ausgeräumt und abmontiert den ursprünglich so liebenswerten Charme kaum noch erahnen lasse. „Aber wir sind gesund und werden mit dem Aufbau unseres neuen Hauses ab dem 24. Januar beginnen und hoffen auf Fertigstellung bis Mitte März.“ Das Erste, was sie dann einrichten werden, wird das Zimmer von Tochter Yonit (18) sein. Denn sie, so die Mutter, sei diejenige, die sich peu à peu einen neuen „Hausstand“ inklusive Wohligkeit aufbauen muss, um sich wieder richtig zu Hause zu fühlen und in Ruhe für ihr anstehendes Abitur lernen zu können.

„Wir haben eine Situation der Ohnmacht erlebt“, sagt die Familie heute, „aber danach drei Monate voller kleiner und großer wertvoller Wunder.“ Nach der überwältigenden „Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und Herzlichkeit“ im Ort wüssten sie nun mit Gewissheit, dass der im Vergleich zur Stadt größere Zusammenhalt im Dorf keine leere Floskel sei und man alles andere als ein Leben lang dazugehören müsse, um mittendrin zu sein. Noch vor vier Monaten kannte sie der ein oder andere Brünnighäuser nur flüchtig vom Vorbeifahren, die meisten gar nicht. Heute kennt sie jeder, sei es durch Hilfe, Gespräche oder auch nur Anteilnahme. Der Verlust, so Rachel Schneider und ihr Mann Andreas Klein, sei daher letztlich wirklich „nur ein Haus“ gewesen, in das man sich verliebt hatte – der dagegen wertvolle Gewinn die Gewissheit, dass es dank guter Versicherung an gleicher Stelle und damit in einer Nachbarschaft, wie sie besser nicht sein könnte, finnisch wieder aufgebaut werden würde. „Wir freuen uns darauf, hier an unserer letzten Lebensstation alt zu werden.“

Handwerker werfen verkohlte Fensterrahmen und Platten provisorischer Dachabdeckung vom Haus in Brünnighausen. Ein Feuer hat es unbewohnbar gemacht.

Foto: ist



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