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Stadtfest Wallensen in der Kritik / Pastor hat keine Bedenken

Feiern auf Gräbern – pietätlos?

veröffentlicht am 01.09.2016 um 15:24 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:17 Uhr

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Autor:

Maike Lina Schaper
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Diese ist zwar nur verhalten und die Kritiker möchten namentlich nicht genannt werden. Zu groß ist die Fürsprache für diese Veranstaltung, zu gering die Gruppe der Protestler. Selbst vonseiten der Kirche kommen keine Bedenken. Pastor Thomas Müller – der allerdings erst seit knapp zwei Jahren für Wallensen zuständig ist – glaubt, dass es die richtige Entscheidung ist, das Stadtfest auf dem Platz rund um die Kirche zu feiern. Denn nicht zuletzt fördere dies auch den Gemeinschaftsgedanken der Wallenser.

Dass dabei die Toten in ihrer Ruhe gestört werden, empfindet er nicht so. „Wir glauben daran, dass unsere Toten bei Gott geborgen sind. Die sterblichen Überreste sind ein Ort zum Trauern, aber die dort begrabenen haben keine direkten Angehörigen mehr.“

In der Tat sind die meisten Inschriften auf den Grabsteinen schon verwittert. Auf den wenigen, die lesbar sind, stehen Sterbedaten, die auf das Ende des vorvergangenen Jahrhunderts hinweisen – 1879 und 1899 sind zu lesen. Der Friedhof als solcher ist bereits seit langer Zeit entwidmet. Pastor Müller weiß selbst nicht, wie lange das her ist. Entwidmung bedeutet, dass auf einem Friedhof keine Beisetzungen mehr stattfinden und die Eigenschaft als Ruhestätte der Toten verloren gegangen ist. Zumindest steht es so in den behördlichen Vorgaben der Salzhemmendorfer Friedhofssatzung. Aber muss das gleichzeitig für das Empfinden der Menschen gelten? „Es ist widerlich, dass zwischen den Grabsteinen Leute feiern und auch die heidnische Feuershow ist vielen Wallensern sauer aufgestoßen“, sagt eine kritische Stimme.

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Bereits vor einigen Jahren hat sich der Kirchenvorstand mit dem Thema Feiern rund um die Kirche beschäftigt. „Wir haben damals die Zusagen gegeben, dass das Stadtfest dort auch weiter stattfinden kann“, sagt der Vorsitzende Wilfried Batke. Dass die Grabmäler dort auf dem Rasen überhaupt noch stehen, sei auch ein Beschluss des Kirchenvorstandes gewesen. „Wir hätten sie auch gesammelt an die Mauer stellen können, aber wir wollten den Charakter des Platzes erhalten“, sagt Batke und weiter: „Wer etwas gegen das Fest einzuwenden hat, der kann uns auch gern offen ansprechen.“ Der Kirchenvorsteher sieht in dem Stadtfest, das jüngst am vergangenen Wochenende stattfand, auch Vorteile für die Kirche. Zum Beispiel müsse der hiesige Glockenstuhl für 100 000 Euro erneuert werden. Dafür wurden auf dem Fest Spenden gesammelt und auch der St.-Martins-Chor habe auf der Bühne gesungen. Ebenso positiv äußert sich Ortsbürgermeister und Mitorganisator Karl-Heinz Grießner über die Verzahnung mit der Kirche. Mit der Diskussion um das Stadtfest „legt man einen Finger in eine Wunde, die es gar nicht gibt.“ Es müsse sich auch niemand in seinem Empfinden gestört fühlen, denn die meisten Grabsteine, die dort noch stehen, seien vor Jahren von der Kirche selbst umgestellt worden. Einen tatsächlichen Bezug der Grabmäler zum Standort gebe es nicht mehr.



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