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Der Ith-Hils-Ultra-Trail führt Läufer über 81 Kilometer / „Man muss schon ein wenig verrückt sein“

Extreme Strapazen als Herausforderung

COPPENBRÜGGE / SALZHEMMENDORF. Selbst bei den Ambitionierten unter den gemeinen Volksläufern dürfte diese Aufgabe nur Kopfschütteln hervorrufen: Der Ith-Hils-Ultra-Trail würde jene schlichtweg überfordern: 81 Kilometer, 2000 Höhenmeter und das an einem Tag sind die Rahmendaten bei der 2. Auflage dieses Ultra-Laufes.

veröffentlicht am 23.04.2017 um 17:58 Uhr

Gleich geht es los: Die Sportler, die in der Gruppe der späteren Teilnehmer starteten. Fotos: Detlef Erasmus

Autor:

Matthias Abromeit
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Start und Ziel: die Therme in Salzhemmendorf. Doch für die Ultraläufer ist dieser Anspruch normales Tagewerk. 30 von ihnen von Kiel bis Fulda, Berlin bis jenseits der niederländischen Grenze waren dem Ruf von Organisator Detlef Erasmus aus Bad Münder gefolgt und nahmen die Strapazen der Strecke auf sich.

Im Morgengrauen um 6 Uhr machte sich die erste Gruppe auf den Weg. Die Langsameren, die sich für die Mammut-Strecke bis zum Zielschluss um 20 Uhr maximal 14 Stunden Zeit lassen durften. Zwei Stunden später folgte um 8 Uhr die schnellere Gruppe. Allen war eines gemeinsam: Nicht der sportliche Erfolg stand an erster Stelle, sondern vielmehr das Erlebnis.

„Das Besondere an diesem Lauf ist die Abwechslung“, sagte Erasmus. Die riesigen Bärlauchfelder bei Coppenbrügge, die Klippen bei Holzen, das Tal mit dem Flugplatz auf den Ith-Wiesen oder der Blick vom Lönsturm auf dem Thüster Berg sind nur einige der landschaftlichen Höhepunkte auf der großen Schleife. „Die Läufer sind wirklich alle begeistert gewesen, wie schön es hier ist. Das macht auch mich zufrieden“, meinte der Organisator. Die Hälfte der Teilnehmer war schon bei der Premiere im Vorjahr dabei gewesen und kam gerne wieder.

Und trotzdem noch ein Lächeln: Die gemeinsamen Sieger Michael Kiene (8 Uhr Start) und Harald Balzk (Mitte), Stefan Geißler (6 Uhr Start). Das heißt: Kiene hat Zielzeit 9:41, die anderen 11:41 Stunden.
  • Und trotzdem noch ein Lächeln: Die gemeinsamen Sieger Michael Kiene (8 Uhr Start) und Harald Balzk (Mitte), Stefan Geißler (6 Uhr Start). Das heißt: Kiene hat Zielzeit 9:41, die anderen 11:41 Stunden.

Jens Kruse aus Kiel kam aus einem ganz anderen Grund. Er ist in Delligsen, einer der Stationen auf der Strecke, geboren. Mit drei Jahren zog er mit den Eltern fort. „Er hat den Lauf dort, wo er oft die Großeltern besucht hat, besonders genossen. Seine Anmeldung war eine der ersten“, sagte Erasmus.

Auch Michael Kiene aus Northeim hatten allen Grund, sein Erlebnis zu genießen. Er war mit seiner Laufzeit von 9:41 Stunden der mit Abstand Schnellste. „Er hat sogar die Läufer der vor im gestarteten Gruppe alle eingeholt“, staunte auch Eramus über das Tempo. Aber auch für Kiene war die Siegeszeit nicht alles. „Den letzten Teil bis zum Ziel ist er gemeinsam mit zweien aus der ersten Gruppe gelaufen, auch wenn er sicher noch schneller gekonnt hätte“, meinte Ersamus. Nicht nur das Naturerlebnis, sondern auch das Gemeinschaftserlebnis steht bei den Ultra-Läufern eben hoch im Kurs.

Das zeigte sich auch beim gemeinschaftlichen Abschluss. Zur Pasta-Party und Siegerehrung waren ausnahmslos alle Läufer geblieben – auch die beiden schnellsten Frauen, W-65-Top-Triathletin Monika Wille (12:20) aus Lauenhagen und die Hamburgerin Nicola Gross (12:33), die im Ziel noch Kraft für ihren Jubelsprung auf der Ziellinie hatte.

Einzig die drei Triathleten des SC Bad Münder, die als Staffel antraten, waren schon wieder nach Hause gezogen. „Verständlich, die hätten wirklich sehr lange warten müssen“, meinte Erasmus. Doch vielleicht lernen auch sie noch. „Dieser Lauf hat definitiv Suchtpotenzial. Noch sagen bei mir Füße und Beine nein zu einem kompletten Lauf: Aber Blut habe ich schon geleckt. Das ist wie ein großes Abenteuer, auch wenn man schon ein wenig verrückt sein muss“, meinte Daniel Behrens, der im Staffelteam das 24-Kilometer-Mittelstück gelaufen war.

Für einen echten Ultra-Läufer ist das aber gar nichts. „Viele sind nach dem Lauf noch nach Hause gefahren, auch bis Berlin. Und einige von ihnen sind am nächsten Tag schon wieder woanders gelaufen“, sagte Erasmus. Für Sieger Kiene war es ohnehin nur eine lockere Trainingseinheit. „Er bereitet sich auf den Deutschland-Lauf im Sommer vor: rund 1000 Kilometer in 19 Etappen von List auf Sylt bis zur Zugspitze“, meint Erasmus. Und da hat er Blut geleckt. „Da kann man auch nur einige Etappen mitlaufen“, sagt Erasmus, der erst vor wenigen Wochen seinen 200. Marathon absolviert hatte. Auch er sucht eben immer neue Herausforderungen.

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