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Superintendenten für freien 31.10.

„Es geht ja nicht um einen Heldengedenktag für Luther“

ELZE / HILDESHEIM / ALFELD. Das Reformationsjubiläum der evangelischen Kirche hat im vorigen Jahr Deutschland einen zusätzlichen freien Tag beschert: Am 31. Oktober, dem Reformationstag, durfte gefeiert statt gearbeitet werden. In Norddeutschland wird der freie 31. Oktober möglicherweise keine Ausnahme bleiben.

veröffentlicht am 06.02.2018 um 12:54 Uhr

Die Superintendenten Mirko Peisert, Katharina Henking und Christian Castel – hier vor dem Elzer Luther-Denkmal – befürworten die Pläne der Landesregierungen, den Reformationstag zum gesetzlichen Feiertag zu machen. Foto: pr/Neite

Autor:

Hans Siedler
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Die Regierungschef von Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein, und Hamburg möchten den Reformationstag zum alljährlichen Feiertag machen; darüber müssen die Landesparlamente noch abstimmen. In Mecklenburg-Vorpommern ist der 31. Oktober bereits gesetzlicher Feiertag, zudem in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Thüringen. Die Pläne schmecken nicht allen, vor allem die Wirtschaft hat Bedenken. Die Superintendenten in Alfeld, Elze und Hildesheim sind jedoch klar dafür. Ausschlaggebend seien die guten Erfahrungen aus dem vorigen Jahr, heißt es. „Landeskirchenweit waren unsere Kirchen übervoll“, erinnert Katharina Henking, Superintendentin in Alfeld. In einigen Fällen war der Andrang so groß, dass keine weiteren Interessenten eingelassen werden konnten, teilweise wurde der Gottesdienst wiederholt. „Damit hatten wir nicht gerechnet“, sagt ihr Hildesheimer Kollege Mirko Peisert, „da waren wir selbst zu kleingläubig“.

Unsere Aufgabe ist es, die Impulse der Reformation für die Gegenwart fruchtbar zu machen.

Katharina Henking, Superintendentin, Alfeld

„Die Wucht des Jubiläums“ habe wohl sehr zum Erfolg beigetragen, vermutet Henking. Allerdings sei der 31. Oktober ohnehin eine wichtige Wegmarke in der evangelischen Tradition: „Wir haben eine große Resonanz und Akzeptanz für den Reformationstag. Das zieht sich durch den ganzen Kirchenkreis.“ Ein Beispiel sei die Veranstaltung „Katharina bittet zu Tisch“ in Alfeld, die jedes Jahr mehr Menschen anziehe. Wenn nun ein gesetzlicher Feiertag daraus werden sollte, sei es natürlich eine Herausforderung an die evangelische Kirche, diesen Tag mit Inhalten zu füllen. „Da habe ich keine Sorge, es gibt schon so viele gute Ideen“, meint Peisert. Auch Christian Castel, Superintendent in Elze, glaubt: „Wir haben uns im Jubiläumsjahr qualifiziert, diesen Tag zu gestalten.“ Er betont: „Es geht ja nicht darum, einen Heldengedenktag für Luther zu veranstalten.“ Henking erklärt: „Unsere Aufgabe ist es, die Impulse der Reformation für die Gegenwart fruchtbar zu machen: Freiheit und Verantwortung, Lernen und Bilden.“ Die Reformation habe Themen aufgerufen, die 500 Jahre danach nichts von ihrer Bedeutung verloren haben, sagt Peisert, und ergänzt die Liste um Sprache, Sozialgesetzgebung und das politische System. „Unsere Gesellschaft wandelt sich enorm. Umso wichtiger wird die Frage, welche Werte sie tragen.“ Eine der Errungenschaft der Reformation sei „die Entdeckung des Gewissens“ als Entscheidungsinstanz, betont Henking. Castel verdeutlicht: „Freiheit ist in unserer Gesellschaft fast schon eine Monstranz. Aber ohne Verantwortung kann Freiheit in die falsche Richtung gehen.“

„Es geht darum, einen Feiertag zu etablieren, der eine gesellschaftliche Relevanz hat“, fasst Henking zusammen. Peisert nickt: „Deshalb ist es richtig, so einen Tag für alle zu feiern.“ Und zwar ökumenisch, das sei für ihn selbstverständlich: „Ich würde den Tag nie in Abgrenzung zur katholischen Kirche feiern.“ Das sieht Henking genauso: „Mir ist es wichtig, dass wir den Reformationstag als einladende Kirche gestalten – mit Veranstaltungen, die die Menschen über die Grenzen von Konfessionen und Religionen hinweg ansprechen.“

Geht das alles nicht auch ohne Feiertag? „Nein!“, entgegnet Henking: „Der Feiertag gibt den Menschen die Zeit und den Raum, die guten Angebote der Kirche auch wahrzunehmen, ausgeruht und fröhlich statt am Ende eines Acht-Stunden-Tages.“ Auch in der Kirche gibt es freilich Kritiker. In Hildesheim beispielsweise fürchten einige Pastoren, dass die Tradition der Kita- und Schulandachten leiden könnte. 2017 habe gezeigt, dass diese Sorgen unbegründet seien, sagt Peisert: „Die Schulgottesdienste werden einfach einen Tag später gefeiert.“

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