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Forstgenossen stellen Waldverkauf infrage

Erweiterung des Steinbruchs wieder offen

Salzhemmendorf. Die Fronten sind seit Jahren klar: Natur versus Arbeitsplätze. Schien der Streit bislang zugunsten der Wirtschafts-Seite entschieden, könnte nun wieder alles offen sein: Die Erweiterung des Borela-Steinbruchs in Salzhemmendorf, die bereits besiegelt schien, könnte doch noch scheitern. Die Entscheidung der Forstgenossen, ein Waldstück an Rheinkalk zu verkaufen, wackelt.

veröffentlicht am 19.06.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 10:41 Uhr

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Autor:

Catherine Holdefehr
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Sie sind das Zünglein an der Waage: Den Forstgenossen Salzhemmendorf gehört ein 2,5 Hektar großes Waldstück, das am südlichen Rand an den 59 Hektar großen Borela-Steinbruch angrenzt, auf dem die Firma Rheinkalk seit den 90er Jahren Dolomit abbaut. Rechtlich war durch die Ausweitung der Vorrangfläche um 21 auf 80 Hektar im Landesraumordnungsprogramm Ende vergangenen Jahres die größte Hürde für die Firma beseitigt worden. Der Plan sah vor, in südlicher Richtung auszuweiten und dort, wo heute die Halde am Limberger Weg steht, abzubauen. Auf Teilen der weiteren Vorrangfläche sollte eine neue Halde gebaut werden. So der Plan. Doch jetzt rudern die Forstgenossen zurück – oder pokern weiter. Auf ihrer letzten Mitgliederversammlung haben sie sich entschieden, demnächst eine außerordentliche Versammlung einzuberufen, um erneut grundsätzlich über den Grundstücksverkauf zu diskutieren. „Völlig unerwartet“, heißt es von der Firma Rheinkalk, „vollkommen legitim“, sagt Volker Seegers, Vorsitzender der Forstgenossenschaft. Die Gründe für den Meinungswechsel der Forstgenossen seien dem Unternehmen nicht ersichtlich, lässt Rheinkalk offiziell verlauten. Seit November 2011, dem Zeitpunkt, an dem sich die Mitgliederversammlung der Genossenschaft mehrheitlich für den Verkauf ausgesprochen hatte, seien die Vertragsverhandlungen gelaufen. Ende Mai habe ein abschließendes Treffen beider Parteien und ihrer Anwälte stattgefunden, um letzte Details zu klären. „Wir waren uns handelseinig, die Verträge waren unterschriftsreif“, sagt Peter Wilkes, Vorsitzender der Geschäftsführung der Rheinkalk. Jetzt beginnt das Rätselraten: Was war der Grund, dass die Forstgenossenschaft ihre mehrheitlich getroffene Entscheidung nun doch noch einmal überdenken will?

Offiziell will Volker Seegers nicht sagen, wer oder was nun den Ausschlag gegeben habe, tatsächlich gebe es unter den Genossen unterschiedliche Argumente, und die Entscheidung 2011 sei „sehr knapp“ ausgefallen. Neben jenen, die grundsätzlich gegen ein noch größeres „Loch in der Natur“ protestieren, gebe es auch jene, die sich nun überlegen würden, ob man bei den Verhandlungen „nicht mehr hätte rausholen können“. Von Rheinkalk war eine sechsstellige Summe geboten worden. Zudem ist aus Kreisen der Forstgenossen zu hören, dass die Verlegung des Weges, die mit dem Verkauf des Waldstückes einhergehen müsste, ein Konfliktpunkt sein könnte. Das Waldstück grenzt direkt an den Borela-Steinbruch. Die Gemeinde hatte einen Wirtschaftsweg an Rheinkalk verkauft, der als Verlängerung des Limberger Weges teils auf altem Abbaugebiet und teilweise auf möglichem neuen Vorranggebiet liegt. Da auf diesem Weg Lastwagen das Gestein abtransportieren würden, soll der Weg zur Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer gesperrt werden. Die Strecke gehört jedoch zu einem Wander-Rundweg, der zum Lönsturm führt. Der Weg würde damit unterbrochen. Zudem müsste für die Forstgenossen ein neuer Weg geschaffen werden, auf dem sie ihr Holz abtransportieren können. Um diese Lücken zu schließen, muss Rheinkalk für Ersatz sorgen. „Sie müssen uns zwei Wege anbieten“, sagt Seegers. Doch dabei scheint noch nicht alles abschließend geregelt. Unstrittig scheint ein Weg, der um das Haldengelände und die Steinbrechanlage herumführen und so als Ersatz für die Wanderer dienen soll. Problematischer ist nach Ansicht der Forstgenossenschaft ein geplanter Weg, der aus Eggersen kommend Richtung Steinbruch hochführen soll, der als Forstweg zur Holzabfuhr genutzt werden könnte. Denn der Weg sei noch nicht komplett im Besitz von Rheinkalk, vermutet Seegers. „Das ist ein Unsicherheitsfaktor, der im Raum steht.“ Von Rheinkalk war dazu bis gestern Abend keine Auskunft zu bekommen.

Der (damalige) Rat der Gemeinde Salzhemmendorf hatte sich im Dezember 2011 gegen die Steinbrucherweiterung ausgesprochen, auf Kreisebene hatten sich damals SPD und Grüne gegen das Vorhaben ausgesprochen, Mitglieder von CDU und FDP verwiesen auf den wirtschaftlichen Nutzen. Eben jener ist es auch, den Rheinkalk nun gegen die Forstgenossen ins Feld führt. Ein ablehnender Bescheid der Genossen hätte laut Rheinkalk „erhebliche Auswirkungen“. „Derzeit prüfen wir, ob wir die beiden Öfen, in denen der abgebaute Dolomit gebrannt wird, schließen müssen“, sagt Wilkes. „Wir haben unsere Mitarbeiter informiert, dass wir die Produktion verlagern müssen und auch über Kurzarbeit nachdenken.“ Rheinkalk habe bis auf weiteres anstehende Investitionsmaßnahmen am Standort Salzhemmendorf ausgesetzt. Auch eine Ausweitung des Engagements bei der Sanierung des Lönsturms sei vorerst gestoppt worden. Ohne Erweiterung könne am jetzigen Steinbruch nur noch bis August 2014 abgebaut werden, eine Erweiterung würde die Lebensdauer des Standorts um mindestens 25 Jahre verlängern, so Rheinkalk.



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