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Wie vor über 40 Jahren: Modell zur Mitfahrgelegenheit soll Coppenbrügger mobiler machen

Erlebt der „Rote Punkt“ eine Wiederauflage?

Coppenbrügge (ist). Rund 50 000 Autofahrer in Hannover hatten 1969 in einer bundesweit bis heute einzigartigen Solidaritätsaktion rote Punkte hinter die Windschutzscheibe geklebt und auf Wunsch – wo immer sie im Stadtgebiet unterwegs waren - jedermann mitgenommen und kostenlos chauffiert. Dieses Modell zur Mitfahrgelegenheit hat jetzt Coppenbrügger Politiker zur Nachahmung inspiriert. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) zwischen den Ortsteilen und die Förderung von „Mitfahrgelegenheiten“ mit Unterstützung durch Politik und Verwaltung sind auf und mit Antrag der Gruppe SPD/Grüne/Piraten und Ratsmitglied Klaus Dieter Dohme (UWG-FC) als TOP 13 in die Tagesordnung der Ratssitzung am kommenden Mittwoch aufgenommen worden.

veröffentlicht am 10.12.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 23:21 Uhr

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Die Situation des ÖPNV zwischen den Coppenbrügger Ortsteilen sowie die Anbindung nach Hameln in schulfreien Zeiten und außerhalb der Linienführungen, sei unbefriedigend und lückenhaft, konstatieren die Antragsteller. Darüber hinaus ließe die in der Presse veröffentlichte angespannte finanzielle Situation der VHP (Verkehrsgesellschaft Hameln-Pyrmont mbH) weitere Einschränkungen vermuten. Angesichts dieser Situation wird eine gemeinsame Initiative von Politik und Verwaltung angeregt: Autofahrer sollen ermutigt werden, andere Mitbürger bei Bedarf mitfahren zu lassen. Auf diese Weise soll die Mobilität der Coppenbrügger kostengünstig und unbürokratisch verbessert werden. Auf Nachfrage zur konkreten Umsetzung und notwendigen sichtbaren Kenntlichmachung im innerörtlichen Verkehr erinnern Karl-Heinz Brandt und Klaus Dieter Dohme an die Aktion „Roter Punkt“ in Hannover im Jahr 1969. Die Aktion war als Boykott der Verkehrsbetriebe Üstra und Bürgerprotest gegen 30-prozentige Fahrpreiserhöhungen gedacht. Was damals unter Tausenden – einander Fremden – nach wenigen Tagen erfolgreich war und funktionierte, das sollte langfristig und „wo jeder jeden kennt“ auch in Coppenbrügge möglich sein – zugunsten von mehr, kostengünstiger, flexiblerer, umweltfreundlicher und kommunikativer Mobilität, so Brandt und Dohme. „Außerdem ist die Zeit reifer denn je – aufgrund der gestiegenen Spritkosten“, so der UWG-Vorsitzende. „99 Prozent der Autos auf unseren Straßen fahren nur mit einer Person darin – das ist Verschwendung von Ressourcen. Wenn überall nach Umweltschutz gehechelt wird, ist der Weg für ein derartiges, zusätzliches Angebot zum ÖPNV, das auch noch das Miteinander fördert, längst bereitet!“ Es gebe etliche Beispiele, weiß Brandt, wo unmotorisierte Mitbürger zwischen Ortsteilen oder Richtung Bahnhof Völksen keinerlei ÖPNV-Verbindung haben und nie haben werden, während andere dort aus beruflichen Gründen täglich unterwegs sind und Mitnahmemöglichkeiten bieten könnten. „Wenn die jetzt eine Plakette am Auto haben, die Gemeinde und die Verwaltung das mit ihrer Seriosität stützen und möglicherweise sogar ein Versicherungspaket abschließen würden – dann wäre dem Bürger gedient und es könnten nach Rücksprache langfristig regelmäßige Fahrten stattfinden.“ Diese Mitfahrgelegenheiten, betonen die Antragsteller, sollen nicht als Konkurrenz, sondern Ergänzung des ÖPNV verstanden werden – auf gering frequentierten Strecken, die die Öffis aus wirtschaftlichen Gründen nicht bedienen können. „Wir werden durch unsere Plakette vielleicht nicht alle Nachfragen bedienen können“, so Brandt, „aber eine Verbesserung der Mobilität in der Landschaft summiert sich aus kleinen, wirksamen Maßnahmen – möglicherweise ist das eine davon, nicht mehr und nicht weniger“.

In Hannover nimmt ein Roter-Punkt-Privatwagen im Juni 1969 Fahrgäste mit. Diese Aktion hat jetzt SPD, Grüne, Piraten und UWG in Coppenbrügge inspiriert, Mitfahrgelegenheiten in der Region anzuschieben – um so den Nahverkehr zu ergänzen.

Foto: Wilhelm Hausschild



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