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Spenden fließen in Dörper Denkmalpflege

Erinnerung wird aufpoliert

Dörpe. Auch Wetter und Finanzen könnten bisweilen ausschlaggebend sein, dass sich Geschichte im Kleinen wiederholt, die große Historie wie die Weltkriege begleitet, stellt Friedrich-Wilhelm Vespermann fest. Während sich der Chronist des Bergmannswesens in Dörpe durch historische Akten über die Errichtung des Dörper Denkmals und Sütterlin-Vergilbtes arbeitet, summiert Ortsratsmitglied Angelika Holweg das diesjährige Sammlungsergebnis der Feuerwehrkameraden zum Volkstrauertag. Gebeten wurde in diesem Jahr nicht nur um eine Spende für die Kriegsgräberfürsorge, sondern auch für die Restauration des Denkmals am Lindenplatz zur Erinnerung an die in den Weltkriegen gefallenen Väter und Söhne des Ortes und zur Mahnung zum Frieden. Dessen Zustand – Dörper Sandstein ist kein Granit – habe über die Jahrzehnte „bis zur Peinlichkeit“, so Holweg stellvertretend für die Dorfgemeinschaft, gelitten. Die bereitgestellten Ortsratsmittel in Höhe von 500 Euro (wir berichteten) sowie ein Sammlungsergebnis der Feuerwehr von 300 Euro ermöglichten nun endlich nach zwei Jahren die Beauftragung eines Steinmetzes zur Restauration der Schriftzüge – zumindest der Vorderseite. Sobald das Wetter es zulässt, soll im Frühjahr mit den Arbeiten begonnen werden.

veröffentlicht am 06.01.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 21:41 Uhr

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Autor:

Ingrid Stenzel
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Hingezogen hatte sich auch der Bau des Denkmals, dessen Datierung bislang nur vage geschätzt wurde. „Kein Hinweis in Chroniken und dem einschlägigen Standardwerk des ehemaligen Oberkreisdirektors Krauß“, sagt Vespermann, taucht Tage und Wochen nach vergeblicher Suche in die Archive des Landkreises und der Dewezet ab und wird im Jahr 1919 fündig: Antragstellung des Dörper Ortsvorstehers Mahrahrens beim Landratsamt, wiederholte Änderungen der Planungsentwürfe seitens des Landkreises, entsprechende Antrags- und Genehmigungsverfahren, witterungsbedingte Arbeitsverzögerungen und überhaupt nur die Spendenbereitschaft der Dörper hatte die Errichtung bei komplett privater Bürgerfinanzierung ermöglicht. „Denn das Geld war ja in jenen Inflationszeiten knapp. 1600 in einer ersten von mehreren Sammlungen zusammengetragenen Mark, wie in den Unterlagen ersichtlich, noch lange nicht ausreichend.“ Vespermanns Zeitraffer: Zwei Jahre von Antrag (1919) und erstem über zahlreiche Folgeentwürfe mit Planern, Baudirektor, Regierungsbaumeister und Bürgern – der Stahlhelm verschwand, aus den „Helden“ wurden „gefallene Söhne“; diverse Sammlungen und ausreichendes Spendenaufkommen der Bürger waren schließlich ausschlaggebend für die Genehmigung im Jahr 1922; mindestens zehnmal in zwei weiteren Jahren die Anfrage aus dem Landratsamt: „...ersuche um gefällige Angabe, ob mit dem Bau des Kriegerdenkmals begonnen wurde…“, schließlich im Mai ’23 die Ankündigung der Fertigstellung im Juli. „Eine kuriose Geschichte“, sagt Vespermann, „die auch dem Engagement des damaligen Ortsvorstehers und Bundesverdienstkreuzträgers Mahrahrens zu verdanken ist und am Ende genauso lange dauerte wie der Krieg 14/18, an dessen Opfer erinnert werden sollte.“ Eine Erinnerung, die gepflegt werden muss, und dringlichen Restaurationsbedarf stellte auch die Denkmalpflege des Landkreises bei einer Ortsbesichtigung fest. „Wir Dörper freuen uns über die dank der Bürgerspenden jetzt mögliche Sanierung zumindest der Vorderseite unseres Denkmals. Sie wird komplett entalgt und die historische Schrift von einem Spezialisten nachgearbeitet werden.“ Die Bearbeitung der Rückseite mit den Namen der Gefallenen des Ersten Weltkrieges werde sich anschließen. Dafür kalkuliert Holweg weitere 4000 Euro.

Der Stahlhelm verschwand, aus den „Helden“ wurden „gefallene Söhne“ – das Dörper Denkmal.

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