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14-jähriger Schüler absolviert nach vier Monaten ersten Alleinflug / Luftsportverein mit Nachwuchsaktion

Enricos steiler Aufstieg

Bisperode. Er trägt den Namen eines berühmten spanischen Schlagersängers, doch das beeindruckt ihn überhaupt nicht. Sein Herz schlägt nämlich für den Segelflugsport. Enrico Calvino Iglesias ist 14 Jahre alt, geht in die neunte Klasse des Schiller-Gymnasiums und kurvt in seiner Freizeit am liebsten dicht unter der Wolkengrenze über die Hänge des Ith. Der Hastenbecker, dessen Lieblingsfächer Sport, Englisch, aber auch Mathe und Physik sind, hatte sich vor einem Vierteljahr beim Luftsportverein Hameln (LSV) gemeldet.

veröffentlicht am 28.08.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 06:21 Uhr

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Autor:

Ernst August Wolf
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„Gleich beim ersten Mal durfte ich in einem Zweisitzer mitfliegen. Ein tolles Erlebnis“, schwärmt der junge Mann. Mittlerweile hat er rund 60 Flugstunden absolviert und vor kurzem mit seinem ersten Alleinflug die A-Prüfung abgelegt.

Zwischen 60 und 100 Stunden brauche man, so Enrico, bis man so einen Alleinflug wagen dürfe. Rund zehn erfahrene Lehrer bilden beim LSV Segelflugschüler aus. „Die bestimmen in der ASK 21, unserem Schul-Doppelsitzer, am Anfang den Kurs. Später darf dann immer öfter auch mal der Schüler selber steuern“, so Enrico. „Die ASK 21 ist ein gutmütiges Flugzeug, das auch schon mal ein falsches Quer- oder Seitenrudermanöver verzeiht.“

„Start up gliding“, so heißt die Sonderaktion mit der der Luftsportverein, der den Segelflugplatz in Bisperode betreibt, Nachwuchs gewinnen will. „Zu jung zum Autofahren, also lerne ich Segelfliegen …“ lautet der LSV-Werbeslogan. Gerade mal 50 Euro brauchen die vom Verein angenommenen Flugschüler bis zur ihrem ersten Alleinflug zu zahlen. Im Winter allerdings müssen Wartungs- und Pflegearbeiten in der Werkstatt abgeleistet werden. Mittlerweile hat Enrico sogar bereits die B-Prüfung abgelegt. „Da müssen Übungen wie Rollen, Kippen und Kreiswechsel geflogen werden.“

Bei einer Körpergröße von 1,60 Metern und 40 Kilo ist der Schüler ein Leichtgewicht. „Da das Mindestgewicht für das Segelflugzeug aber 75 Kilo beträgt, muss ich immer noch einige 1,5 Kilogramm schwere Bleiplatten und ein paar 10 schwere Kilo Bleikissen im Flugzeug verstauen und natürlich optimal austrimmen“, verrät er. Wie in der Achterbahn geht’s dann beim Windenstart steil in die Höhe. „Unter den plüschigen Kumuluswolken baut sich – hoffentlich – eine gute Thermik auf, die bis in rund 1500 Meter Höhe führt. Meist fliege ich Platzrunden.“ Das Kniffligste sei die Landung. „Der Platz in Bisperode muss steil angeflogen werden, da braucht man ein gutes Auge und viel Gefühl, um das Flugzeug im richtigen Augenblick abzufangen“, erklärt Enrico. Gut zehn Minuten dauere so eine Platzrunde. Neben den Hightech-Instrumenten im Cockpit vertrauen Enrico und seine Mitschüler aber auch auf einen einfachen, mit Tesafilm an die Cockpitscheibe geklebten roten Wollfaden. „Super nützlich“, so der Flugschüler, „denn der zeigt an, wie die Luft ums Flugzeug strömt, und danach kann man Quer- und Seitenruder ansteuern“.

Nein, Angst habe er nicht, und seinen Fallschirm habe er auch noch nie benutzen müssen, schmunzelt Enrico, setzt sich die Sonnenbrille auf und sucht die Sonnencreme. „Braucht man unbedingt“, verrät er. Wer sich über den Segelflugsport informieren will, dem stehen Enrico, seine Lehrer und viele Vereinsmitglieder beim diesjährigen Flugtag auf dem Flugfeld zwischen Voremberg und Bisperode gerne zur Verfügung. Am 31. August von 12 bis 18 Uhr, und am 1. September von 10 bis 18 Uhr, können Segel- und Motorflugbegeisterte dort auch wieder die Antonov II aus Ballenstedt, den größten Doppeldecker der Welt, zu einem Rundflug nutzen, außerdem Pitts Special Kunstflugshow bestaunen und von diversen Motorflugzeugen aus das Weserbergland von oben betrachten. Am Sonntag sind am Boden mit dabei auch die Line-Dancer aus Osterwald. Und wem das zu viel Trubel ist, der kann per Ballon einen ebenso steilen wie lautlosen Aufstieg in die Wolken wagen.



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