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Coppenbrügge denkt über weitere Nutzung der bestehenden Anlagen nach / 13 Prozent Maisanbau

Energienachbarn: Biogas trifft Klärschlamm

Coppenbrügge (ist). „Nicht zu fassen“, sagt Horst Wollenberg (77) beim Blick auf Ölpreisentwicklung und Tankanzeige im Heizungskeller seines Hauses an der Heerburg. „Irgendwann haben wir mal neun Pfennige für den Liter und ein warmes Wohnzimmer bezahlt.“ Im Schwimmbad gegenüber gibt es dank Biogas und Blockheizkraftwerk seit Juli Wärme satt für Wasserfreunde zum moderaten Preis. Tonnenweise vergorener Mais (aktuell 10 000 Tonnen) von Coppenbrügger Feldern, der in der ersten Biogasanlage des Fleckens und zwei angeschlossenen Satelliten-Blockheizkraftwerken (BHKW) energetisch genutzt wird, könne dank Kapazitätsreserven der Anlage und mit gutem Gewissen für die Natur noch mehr, stellen Hans-Ulrich Peschka und die Betreiber der Biogasanlage fest. Zum Beispiel Coppenbrügger Wohnzimmer heizen, die bislang an der Pipeline fürs Fossile hängen, jetzt aber direkt an der Biogasleitung zwischen BHKW und Biogasanlage liegen.

veröffentlicht am 20.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 02:21 Uhr

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Erstens werde die laut der Geschäftsführer der Ith-Gas-GmbH & Co. KG aktuell mit einer Leistung von 560 Kilowatt gefahren und könne jederzeit auf 750 Kilowatt erweitert werden. Zweitens die „Gute-Gewissen-Info“: Von der mitunter beklagten Vermaisung der Landschaft – ein Eindruck, der sich aktuell beim Autofahrer mit schlechter Straßeneinsicht zwischen Kolbenwäldern verstärkt – könne im Flecken nicht die Rede sein. Der Maisanbau liegt mit 13 Prozent Flächenanteil an der landwirtschaftlich genutzten Fläche nach jüngsten Veröffentlichungen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen noch um ein Prozent unter dem Landkreisdurchschnitt und damit weit unterhalb niedersächsischer Höchstwerte von weit über 50 Prozent. „Das gibt ein gutes Gefühl gegenüber den Bürgern“, sagt Peschka. „Unser Verhältnis auf den Feldern passt. Und das soll auch so bleiben.“ Und lässt gleichwohl noch Platz für weitere Biogas-Optionen. Zunächst gelte es, den Betrieb über circa ein halbes Jahr zu beobachten, meint Helmut Feldkötter. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Weserbergland und Dritter im Boot des Coppenbrügger Biogasprojektes gibt sich abwartend. „Wir müssen sehen, was haben wir übrig, was haben wir zusätzlich als Biogasangebot?“ Freie Kapazitäten mit Option auf Expansion zeichneten sich jedoch bereits ab. Eine davon betrifft die Bewohner der Siedlungen Ostlandstraße und Heerburg. „Diese Baugebiete stammen aus den 1960er und 1970er Jahren“, erinnert Peschka. „Da liegen zum Teil zwar Gasleitungen von e.on, aber viele Anwohner sind noch auf Erdöl mit alten Anlagen fixiert und stehen in den nächsten Jahren vor der Entscheidung für eine neue Heizung“, prognostiziert der Bürgermeister. Da mache es Sinn, mit der Klimaschutzagentur verstärkt über eine alternative Energieversorgung mit Biogas oder Abwärme, die quasi direkt vor der Haustür liegt, nachzudenken sowie entsprechende Möglichkeiten zu untersuchen und durchzurechnen. „Das wird Thema in naher Zukunft sein.“

Und langfristig, da räumlich naheliegend, werde Klärschlammtrocknung als Option Nummer zwei im Auge behalten. In der direkt neben der Biogasanlage gelegenen Coppenbrügger Kläranlage fallen nahezu gleichbleibend 2300 Kubikmeter Klärschlamm an, der bislang zu hundert Prozent vom Coppenbrügger Maschinenring abtransportiert und als Dünger auf die Felder ausgebracht wird. Die Kosten für Klärschlammbereitstellung zahlt der Bürger mit den Abwassergebühren. Dieser „Dünger“, so Peschka, entspreche der aktuellen Klärschlammverordnung und sei von gesetzlich unbedenklicher, gering belasteter Zusammensetzung. Die Option Klärschlammtrocknung komme in Betracht, wenn die Klärschlammverordnung verschärft oder das nicht unumstrittene Ausbringen untersagt würde. Die Nachbarschaft von Klär- und Biogasanlage sei somit durchaus als vorausschauendes Handeln und optimale Standortwahl zu verstehen.



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