weather-image
Emotionen kochen hoch: Gemeinderat bringt Leitlinie zu Schließungen auf den Weg

Eltern lassen in der Schuldebatte Dampf ab

Salzhemmendorf (hen). Während am Vorabend in Lauenstein ruhig und sachlich diskutiert worden war, kochten am Donnerstag in den dreieinhalb Stunden Sitzung des Gemeinderates die Emotionen hoch: Schon vor Eintritt in die Tagesordnung nutzten etliche der insgesamt rund 80 Zuhörer die Möglichkeit, sich zum Grundschulentwicklungskonzept zu Wort zu melden. Und auch nachdem der Rat – nur gegen die Stimme von Udo Stenger (BWG) – diese Leitlinie, die die stufenweise Schließung von drei Schulen bis zum Jahr 2018 vorsieht, einhellig beschlossen hatte, wurde in der Einwohnerfragestunde heftig weitergestritten. „Wir haben die Nase voll“, machte Jens Kottlarz vom Schulvorstand Wallensen seinem Ärger Luft. Die Meinung der Eltern sei nicht gehört worden; von „Fußtritten“ und „Unverschämtheiten“ war die Rede. Kottlarz meinte, der künftig notwendige Transport der Kinder würde mehr Kosten verursachen als eingespart würde.

veröffentlicht am 19.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 22:41 Uhr

270_008_4407552_lkcs101_2011.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Argumente, die an diesem Abend öfter zu hören waren – ebenso wie die Sorge, dass die Ortschaften ihre Attraktivität einbüßen und damit „ausbluten“ würden. Ein weiterer Vater meinte, angesichts des demografischen Wandels hätte es vielmehr Aufgabe der Politik sein müssen, Konzepte zu entwickeln, wie man diesem Trend gegensteuern könne, „anstatt nur auf die Folgen zu reagieren“. Entgegnet wurde ihm, dass dies kein spezielles Salzhemmendorfer Problem sei. Auf den massiven Rückgang von Arbeitsplätzen folgte der Wegzug junger Familien; die Geburtenzahlen nehmen seit Jahren stetig ab. Die Eltern drehten den Spieß um: Gäbe es keine Grundschulen mehr in den Ortschaften, würde erst recht niemand mehr herziehen. „Wenn die jungen Leute weg sind, wer soll sich dann künftig um Euch Alte kümmern?“, so ein Ruf in Richtung Rat in Anspielung auf das Durchschnittsalter der Politik. Polemisch wurde auch Udo Stenger, der sich auf die Seite der Eltern geschlagen hatte und bekannte, „stolz darauf“ zu sein, nicht an dem „Grundschulbeerdigungskonzept“ mitgewirkt zu haben. „Wehren Sie sich“, forderte er „zu kreativem und kämpferischem Widerstand“ auf. Eine deutliche Warnung erging von Karl-Heinz Grießner (SPD) in Anspielung auf Stengers Zeiten als Gemeindechef: „Sie sollten vorsichtig sein, wenn Sie solchen Hokuspokus hier veranstalten.“

Der Rat wehrte sich gegen die Unterstellung, er habe sich keine Gedanken gemacht. Dietmar Müller (Grüne) protestierte: „Es gibt kein Copyright auf Kindeswohl, und ich trete auch keine Kinder und keine Eltern.“ Man habe nicht monatelang zusammengesessen, um zu überlegen, wie man Kindern das Leben schwermachen könne. Es sei sehr wohl Ziel der Politik, das Beste für die Kinder erreichen zu wollen – aber eben aller, die in der Gemeinde leben. Bislang werde von den Eltern nur ortsteilbezogen diskutiert, sagte Müller. „Das geht so nicht. Es sind nun mal nicht mehr Kinder!“ Der Rückgang der Schülerzahlen führt dazu, dass heute noch zweizügige Standorte einzügig werden und an den heute einzügigen Schulen eine Zweizügigkeit nicht wieder erreicht werden kann. Für den Einschulungsjahrgang 2015 werden für das gesamte Gemeindegebiet nur noch Schüler für drei Klassen prognostiziert.

Es handele sich um eine der weitreichendsten und schwierigsten Entscheidungen, „hier gibt es kein ,Augen zu und durch’“, sagte Müller. Es gebe jetzt acht Wochen Gelegenheit für Eltern und Schulen, ihre Anregungen und Wünsche in das Konzept mit einzubringen, bevor es in der ersten Ratssitzung des neuen Jahres endgültig beschlossen werde. Zunächst handele es sich um eine Leitlinie, an deren Ende eine langfristig bessere und stabilere Bildungssituation für die Kinder stehe. Sollte sich der Trend zurückgehender Kinderzahlen ändern, könnte auch das Konzept geändert werden. Für die Schule Salzhemmendorf distanzierte sich Henning Schröder von den Elternprotesten. Auch er halte eine Zweizügigkeit für das beste pädagogische Konzept. Das würden auch die Lauensteiner so sehen.

„Wir haben die Nase voll“: Jens Kottlarz vom Schulvorstand Wallensen spricht für viele der in großer Zahl bei der Ratssitzung erschienenen Mütter und Väter. Er forderte, „dass das Schulkonzept vom Tisch kommt“.

Foto: hen




Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt