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Tolle Rolle beim Wittmusfest

Einmal im Jahr spielt sie die Spinnerin

Marienau (sto). „Als Henni Strotens könnt ihr mich hier sehen, den ganzen Tag muss ich die Spindel drehen. Aus Wolle, aber auch aus Lein, soll der Stoff für Betten und Jacken sein“, ruft die Spinnerin. Heute möchte sie aber nicht spinnen. Heute gönnt sie ihrer Spindel eine Auszeit und sich selbst einen Kräuterlikör, den ihr „Tillus Medicus“ einschenkt. Henni Strotens heißt in Wirklichkeit Katja Loges, und ihr richtiger Beruf ist Erzieherin. Einmal im Jahr wird die 32-Jährige aber zu einer Spinnerin. „Aus Heimatverbundenheit und zur Pflege einer alten Tradition“, betont die gebürtige Marienauerin.

veröffentlicht am 25.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 09:41 Uhr

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Die Tradition heißt „Wittmus“. Drei Wochen nach Ostern lässt die Dorfgemeinschaft des beschaulichen Orts an der Aue ein längst zerfallenes Karmeliterkloster wieder aufleben – samt seiner Mönche und der alten Handwerkszunft, zu der auch die Spinnerin gehörte. „Ich mache mit beim Wittmusfest, um dazu beizutragen, dass die Geschichte des Dorfes nicht in Vergessenheit gerät“, erklärte Katja Loges, alias Henni Stroten. Wittmus sei mehr als Bratwurst und Bier. Mit Wittmus werde deutlich, dass Marienau ein Ort mit Geschichte sei, die es wert sei, gepflegt zu werden.

Bei dem diesjährigen symbolischen „Pilgergang“ wurde die Frau mit der Spindel unterstützt von der achtjährigen Laura. „Ich freue mich, dass ich heute mitmachen darf“, sagte die „Nachwuchsspinnerin“ beim Abschreiten des Pilgerpfads, der entlangführt an sieben Handwerksstationen. Er soll an die Ablassmärkte erinnern, zu denen einst die Pilger nach Marienau gekommen waren, um zu der „Marie an der Aue“ im Karmeliterkloster zu beten.

Beköstigt wurden sie mit „Witt Mus“, einem weißen Mus aus Buchweizenmehl. Auch die etwa 80 Pilger, die sich diesmal auf den Pilgerpfad durch den Ort begeben hatten, wurden mit weißem Mus versorgt, der von der DRK-Bereitschaft Marienau als süßer Grießbrei zubereitet worden war. Zum Nachspülen verteilte Tillus Medicus seinen selbst gemixten Kräuterlikör.

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Mit einem Gottesdienst im Festzelt endete der Pilgergang. „Eine alte Tradition auf so eine lebendige Art aufrechtzuerhalten, ist beeindruckend“, betonte Pastor Thomas Koch, Neuling bei Wittmus.

Um das Wittmusfest, zu dem auch ein kirmesartiger Betrieb gehört, auf die Beine zu stellen, seien viele ehrenamtlichen Helfer nötig. „Zum Glück gibt es davon noch genug in Marienau“, freute sich Fritz Bretzing. Alt und Jung trage zum Gelingen des dreitägigen Festes bei. Der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft strahlte am Sonntagvormittag mit der Sonne um die Wette.

„Ich glaube, es sind mehr Besucher als im Vorjahr“, mutmaßte er. Dank Polizei- und Rotkreuzpräsenz habe sich die bei Zeltfesten leider üblichen „Kloppereien“ einigermaßen in Grenzen gehalten.

Ein Wermutstropfen für Mütter mit kleinen Kindern war das fehlende Karussell. „Es wird immer schwerer, Schausteller für so eine relativ kleine Veranstaltung zu gewinnen“, bedauerte Bretzing.

Links: Einmal im Jahr schlüpft Katja Loges in die Rolle der Spinnerin Henni Strotens, in diesem Jahr wurde die Frau mit der Spindel unterstützt von Laura (8).

Unten: Die Mönche beim „Pilgergang“ durch den Ort

Fotos: sto



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