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Eine junge Frau mit einer ungewöhnlichen Leidenschaft

Brünnighausen (ist). Es ist lausig kalt auf der Empore in der Kirche – in Brünnighausen nicht weniger als in Osnabrück und jetzt in der Adventszeit sowieso. Doch wenn Jana Huisgen (22) hier wie dort in die Tasten greift, dann leuchten ihre Augen, während sich die Finger über das Manual, die Füße über das Pedal warm tanzen – ein Pullover reicht für kuschelige Wärme nicht nur ums Herz.

veröffentlicht am 23.12.2009 um 13:50 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 16:21 Uhr

orgel
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Brünnighausen (ist). Es ist lausig kalt auf der Empore in der Kirche – in Brünnighausen nicht weniger als in Osnabrück und jetzt in der Adventszeit sowieso. Doch wenn Jana Huisgen (22) hier wie dort in die Tasten greift, dann leuchten ihre Augen, während sich die Finger über das Manual, die Füße über das Pedal warm tanzen – ein Pullover reicht für kuschelige Wärme nicht nur ums Herz. Und wenn zur gleichen Zeit jemand ihre Osnabrücker Telefonnummer wählt, hört er nach dem vierten Rufton zunächst ein auf dem Klavier weich angeschlagenes h (?), dann eine sanft, singende Männerstimme: „Es gibt Momente im Leben, da ist Jana Huisgen nicht zu erreichen….a? g? Dies ist einer davon…e?.. Das mag hart sein, aber Jana Huisgen ruft Sie zurück – ja wahrhaftig….“. Wenige Mailboxansagen sind ganz persönliche Visitenkarten. Die von Jana gehört dazu. Und selbst der Anrufer, der sie nicht kennt, hat nach anfänglicher Verwirrung irgendwie die untrügerische Ahnung, es hier mit einem Menschen zu tun zu haben, in dessen Leben Musik und auch Kirche keine geringe Rolle spielen – was längst Gewissheit ist für die Gottesdienstbesucher in Osnabrück ebenso wie die im Coppenbrügger Krankenhaus Lindenbrunn und die in Brünnighausen oder die Besucher beim seit 24 Jahren traditionellen Adventssingen in St. Johannis am Nesselberg.
 Die Lehramtsstudentin mit den Fächern Deutsch, Theologie und Musik in Osnabrück ist geborene Brünnighäuserin, mit Nähe zur Kirche sowohl durch vielseitiges Engagement von Mutter und Vater in Kirchenvorstand und Gottesdienstgestaltung als auch das Elternhaus an sich, das so dicht bei der Kirche steht, wie es dichter nicht geht. Und sie ist ausgebildete Kirchenmusikerin im Nebenamt. Der 2008 absolvierte C-Kurs an der Orgel sei jedoch nicht nur willkommene Grundlage, durch Begleitung von Gottesdiensten das Studium mitzufinanzieren, sondern auch musikalisches Qualitätssiegel und I-Tüpfelchen auf ihren ganz persönlichen Musikgeschmack. Der erschöpfe sich nicht im aktuellen Mainstream. Auch Klassik gehöre dazu, und da darf neben einem Robbie Williams ein Johann Sebastian Bach als Superstar der Orgel nicht fehlen. Außerdem sei das Orgelspiel ganz im Gegensatz zu weit verbreiteten Vorurteilen durchaus nicht nur Sache für biblisch Betagte. „Es sind der mächtige Klang und die majestätische Komplexität, die mich und meine Kommilitonen an diesem Instrument so faszinieren.“ Das Orgelspiel, sagt Jana, mache mittlerweile einen großen Teil ihres Lebensinhaltes aus und habe den Anstoß gegeben für viele Dinge, die ihr Leben heute bestimmen: „Das Studium in Osnabrück mit seinem ausgezeichneten Musikfachbereich, das Musizieren in der Kirche und der Kontakt mit theologischen Themen und Inhalten haben dazu geführt, dass ich mich auch damit näher beschäftigen wollte. Also entschloss ich mich für das Theologiestudium. Außerdem sind fast alle Freundschaften, die ich in Osnabrück habe, durch die Musik entstanden.“ Freunde haben schon von Beginn an in ihrem Leben immer eine große Rolle gespielt. Und deshalb, sagt sie, passe die Orgel einfach. Denn die spiele sie „nicht nur für mich alleine oder für Konzerte, sondern eben auch für die Gemeinde während der Gottesdienste. So kann ich einen Beitrag zur kirchlichen Arbeit leisten, viele nette Gemeinden, Pastoren und Pastorinnen kennenlernen und genieße gleichzeitig die willkommene Abwechselung und Möglichkeit zur Entspannung.“
 Angefangen, erinnert sie sich, habe alles rein zufällig bei einem beiläufigen Gespräch. Als sie damals 16 war, das Klavierspielen gerade aufgeben wollte, ihre Zeit mit Freunden an der Bushaltestelle abhing in gemeinsamer Nullbock-auf-nichts-Laune.  Der Neu-Brünnighäuser und Musiklehrer Tilman Wüstefeldt, der die Jugendlichen um Hilfe beim Einzug in das ehemalige Gemeindehaus hinter dem Wartehäuschen bat, wurde ihr erster Orgellehrer. „Dessen umwerfend ansteckendes Engagement und Begeisterung sprangen sofort über, ließen mich die Klaviertasten mit denen der Orgel tauschen, und dabei ist es bis heute geblieben!“
 „Für das Adventssingen 2010 habe ich sie schon wieder engagieren können“, freut sich Dietlinde Meywerk, nachdem Jana die Besucher des diesjährigen Adventskonzertes mit den beiden Chören des Ortes gerade durch ihr einfühlsames Spiel verzaubert hatte. Dietlinde Meywerk spielt seit 1993 die Orgel in St. Johannis: als Autodidaktin nach drei Jahren Klavierunterricht. Weil damals dem langjährigen Organisten aus Altersgründen der Aufstieg zur Empore zu beschwerlich wurde, der Pastor ohne begleitendes Orgelspiel keinen Gottesdienst abhalten wollte, Organisten im Umkreis schon damals seltener waren als Windräder – und gute erst recht. „Dass wir Jana haben, die bei Gottesdiensten mitunter aushilft und jetzt zum dritten Mal beim Adventssingen konzertiert hat“, sei ein ganz besonderes Glück, so Dietlinde Meywerk, „vielleicht sogar eine Zukunftsperspektive?“



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