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Marita und Harald Vahlbruch bauen ein Vertriebssystem für „Solidarische Landwirtschaft“ auf

Eine Gemüsekiste wöchentlich frei Haus

Harderode. „Mit Appetit und Spannung erwarten wir seit einigen Wochen den Montag. Denn an diesem Tag kommt die neue Gemüsekiste“, erzählt Meike Klages. Gut gefüllt mit Obst und Gemüse – derzeit Möhren, Äpfel und Birnen, Gurken, Bohnen, Salat, Zucchini, Kartoffeln, ein Kräutersträußchen, dazu Eier und ein frischgebackenes Vollkornbrot – macht die Kiste den Stopp an der Gemüsetheke des Supermarktes überflüssig. „Alles Bio, alles hier im Ort gewachsen: Es ist ein unvergleichlich gutes Gefühl zu wissen, woher all das stammt, was man täglich isst. Und wer es angebaut und geerntet hat“, strahlt die dreifache Mutter. „Meine Zwillinge Max und Till haben entdeckt, dass Erbsen in Schoten wachsen. Und ich probiere neuerdings ganz andere Rezepte aus.“

veröffentlicht am 17.09.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 04:41 Uhr

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Autor:

Sabine Weiße
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Familie Klages aus Harderode gehört zu den Adressaten einer längerfristig angelegten Werbekampagne für die „Solidarische Landwirtschaft“ (SoLaWi), initiiert von Marita und Harald Vahlbruch. Seit 1996 betreiben die Vahlbruchs auf dem Traditionshof ökologische Landwirtschaft, ihr Betrieb ist biolandzertifiziert. Auf einer Fläche von 45 Hektar bauen sie Roggen, Weizen und Ackerbohnen an; weitere zwölf Hektar sind für ihre 38 Mutterkühe reserviert. Die in der Nachbarschaft verteilten Gemüsekisten sind ebenso Teil der Werbeaktion wie Ferienpassaktionen und Infoabende mit Filmvorführung auf ihrem Hof sowie Stände beim Schäferfest in Amelungsborn und beim Umwelttag im Hamelner Bürgergarten.

Aber wofür rührt Marita Vahlbruch da eigentlich konkret die Werbetrommel? „Wir wollen eine bäuerliche, ökologische Landwirtschaft, die im Auftrag und in Zusammenarbeit mit einem kleinen Kreis von Abnehmern hochwertige Lebensmittel im Einklang mit der Natur produziert“, bringt es die Landwirtin auf den Punkt. Menschen mit Appetit auf Obst, Gemüse, Brot, Fleisch und Eier, direkt aus der Ithbörde und nach kontrollierten Bioland-Kriterien angebaut, schließen sich zusammen – und einen Vertrag: Sie bringen einen monatlichen Geldbetrag und persönliches Engagement in das von einem ausgebildeten Gemüsegärtner angeleitete Projekt ein und teilen sich die Ernte. Profitieren würden alle Beteiligten: Die Mitglieder erhalten frische, regionale, saisonale Nahrungsmittel, von denen sie wissen, wer sie wie erzeugt hat. Regionale Wirtschaftskreisläufe und Beziehungen würden gestärkt. Auch, weil jedes Mitglied nicht nur Konsument, sondern auch Produzent sei. Marita Vahlbruch hat für dieses Verhältnis sogar ein Wort geschaffen: „Es sind die ,Prosumenten‘, die das Projekt gelingen lassen.“ Da der Bedarf im Vorfeld grob errechnet werde, sei Überproduktion kein Thema. Zudem lande nichts im Müll, nur weil es den Normen nicht entspreche: „Auch aus Kartoffeln in Herzform, Möhren mit drei Beinen und Äpfeln mit Macken auf der Schale kann man schließlich etwas Leckeres kochen.“ Zudem: „Für manche Menschen ist es geradezu heilsam, wieder die Beziehung zur Erde zu spüren und die Prozesse des Säens, Wachsens und Erntens mitzuerleben“, berichtet Vahlbruch.

Diese Win-win-Situation für viele ist ganz im Sinne von Anke Dylinger. „Unsere dreiköpfige Familie möchte gern den Fortbestand der bäuerlichen Landwirtschaft unterstützen – und wenn dann auch noch alles biologisch erzeugt wird, ist das umso besser“, unterstreicht die kaufmännische Angestellte aus Harderode. Auch sie kommt seit Kurzem in den Genuss der Gemüsekiste. Dylinger kann sich gut vorstellen, einer SoLaWi-Gemeinschaft beizutreten. „Ehrlich gesagt haben wir schon lange darauf gewartet, dass sich so etwas auch bei uns auf dem Land entwickelt.“

Ein Betriebskonzept hat Marita Vahlbruch bereits entworfen: 30 bis 35 „Prosumenten“, die monatlich einen Beitrag von rund 80 Euro zahlen, wären nötig, um das Projekt auf sichere finanzielle Füße zu stellen. Ein Gärtner würde den Anbau gemeinsam mit den Mitgliedern planen und ihn professionell begleiten, ein Wirtschaftsplan liefert die finanziellen Eckdaten. Nicht nur die finanzielle, auch die tatkräftige Unterstützung möglichst vieler „Prosumenten“ sei aber unabdingbar: Arbeitseinsätze auf dem Acker und im Garten wären nötig, aber auch beim Verarbeiten oder Verteilen von Obst und Gemüse würden helfende Hände gebraucht. Öffentlichkeitsarbeit, das Organisieren von Veranstaltungen und Festen sowie Büroarbeit seien als weitere Betätigungsfelder denkbar. „Jeder ist eingeladen, sich mit seinen speziellen Fähigkeiten einzubringen“, so Vahlbruch. Wöchentlich frische Produkte aus regionalem Ökobau sind die Gegenleistung. „Mit den Mitgliedsbeiträgen wird aber nicht nur das Gemüse allein, sondern auch die Arbeit des Gartenteams bezahlt“, macht Vahlbruch noch einmal deutlich.



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