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Horst Stüben: Thüster Urgestein sammelt seit 50 Jahren Ofenplatten

Ein Motiv ist auch bei Dieben begehrt

Ob diese einen Bergmann zeigende Platte (li.) wirklich eine Ofenplatte gewesen ist, bezweifelt Stüben. Ein Schätzchen aus der Garage (re.) – bislang hat Stüben noch keinen geeigneten Platz gefunden.

veröffentlicht am 09.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 19:21 Uhr

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Thüste (roh). In der Einfahrt zu seinem Grundstück hat Horst Stüben sie für alle sichtbar an einer langen weißen Mauer angebracht: Seine 40 Ofenplatten. Seit 1954 sammelt der Tischlermeister nun diese Platten, die früher als Verblendungen für die üblichen Heizöfen verwendet wurden. „Damals standen die Öfen meistens in den Stuben und befeuert wurden sie vom Flur aus“, weiß Stüben.

Angefangen habe alles, als er in den 50er Jahren als Brandkommissär von Haus zu Haus tingelte, um das Geld einzusammeln.

Sehr häufig seien ihm – insbesondere bei den vielen Landwirten – die schwarzen Platten aufgefallen, die als Abdeckungen für Abflüsse oder Gehwegplatten verwendet wurden. „Manchmal haben die Landwirte die Ofenplatten auch vor die Miste gelegt, um nicht in den Matsch treten zu müssen“, sagt der Thüster, der gerade seinen 81. Geburtstag feierte. Später haben Freunde, Bekannte und durch die öffentliche Ausstellung an der Mauer aufmerksam gewordene fremde Ofenplatten vorbeigebracht. Aber ob alle Platten wirklich einmal Ofenplatten gewesen waren, bezweifelt der Sammler selbst. Die älteste Platte in der Sammlung stammt aus dem Jahr 1760. Bei einigen ist zwar noch der Ansatz einer Jahreszahl zu erkennen, aber verbindlich lassen sich nur die wenigsten Sammlerstücke datieren.

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Für manch einen Besitzer einer Ofenplatte, der sie aus Gewohnheit oder anderen Gründen nicht hergeben wollte, hatte Stüben ein ganz besonderes Angebot. „Wenn die Leute sagten, dass sie an dieser oder jenen Stelle aber eine Platte brauchten, dann habe ich bei einem ortsansässigen Metallbaubetrieb eine gleich große Platte fertigen lassen und sie dann mit der Ofenplatte getauscht.“

Die Platten selbst hat Stüben viele Jahre gehegt und gepflegt. Heute kümmert er sich zwar immer noch um seinen Bestand, aber mit dem Sammeln ist nun Schluss, sagt er und verweist auf sein hohes Alter. Zwar nehme er hin und wieder immer noch eine Platte ab, wenn Wind und Wetter ihr allzu sehr zugesetzt habe, aber es ist nicht mehr ganz die Leidenschaft, die ihn noch vor vielen Jahren angetrieben hat. Schon dreimal wurde ihm eine Platte mit dem Niedersachsenross von der Wand gestohlen.

Seine allererste Ofenplatte hat im Wohnzimmer allerdings einen ganz besonderen Platz gefunden. Direkt über dem Kamin, umrahmt von einigen Kupfergefäßen, hängt sie, glatt poliert, fast strahlend, und auf ihr ein Motiv, das Stüben schätzt: das Niedersachsenpferd – na klar. „Das ist die letzte mit diesem Motiv. Die lasse ich mir nicht auch noch klauen“, sagt der heute noch als Bestattungsunternehmer Tätige. 1999 hat er für sein ehrenamtliches Engagement das Bundesverdienstkreuz erhalten, er war sowohl Bürgermeister von Thüste als auch von Wallensen, war von 1969 bis 1972 Standesbeamter, in der Tischlerinnung aktiv und Mitbegründer des niedersächsischen Karnevalsverbandes. Und auch, wenn er nicht mehr weitersammeln möchte: So ganz ist das Sammelfeuer noch nicht in ihm erloschen. Voller Stolz geht Stüben in die hinterste Ecke seiner Garage, räumt Holzpfähle, eine Tür und noch einiges mehr zur Seite. Zum Vorschein kommt die größte Ofenplatte der gesamten Sammlung. „Im Moment habe ich keinen Platz für dieses Stück“, sagt der Rentner und es fällt schwer, ihm zu glauben, dass diese schöne Platte nicht auch eines Tages an der Mauer ihren Platz findet.

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