weather-image
28°
Mit Rettung der Therme will der Flecken jetzt seine dritte touristische Chance ergreifen

Ein Kurort will Salzhemmendorf nicht werden

SALZHEMMENDORF. Als größtes Infrastrukturprojekt ging die „Ith-Saale-Therme“ vor über 25 Jahren als Heil- und Wellnessbad an den Start. Und seitdem ist das Sole-Bad ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für den Flecken. Um so erfreuter zeigt man sich in Salzhemmendorfs Rathaus und Politik, dass das Bad mithilfe einer neuen Investorengruppe nach Kurpleite und Insolvenz jetzt eine neue Zukunft haben soll.

veröffentlicht am 09.01.2018 um 12:36 Uhr

Mit der Attraktion Ith-Sole-Therme hofft der Flecken nun auch, mehr Übernachtungsgäste nach Salzhemmendorf zu holen. Foto: joa
Joachim Zieseniß

Autor

Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Wie Salzhemmendorfs Bürgermeister Clemens Pommerening weiß, werden in der überregionalen Wahrnehmung Salzhemmendorf und die Therme gleichgesetzt. Um so erfreulicher sei es, dass „der größte Anziehungspunkt und Werbeträger der Gemeinde jetzt hoffentlich auch langfristig gesichert ist“. Mit der Therme hätten die seit Jahren auch in Salzhemmendorf verfolgten Ziele des Weserbergland-Tourismus – die da sind Wandern und Radwandern – ihr Top-Ausflugsziel bewahrt. Eine Attraktion, die neben schöner Natur und Landschaft das Potenzial habe, „noch mehr Geld und Arbeitsplätze in die Region zu holen“, so der Bürgermeister des Fleckens.

Doch jetzt gelte es, neben den derzeitigen Tagestouristen mehr Übernachtungsgäste in die Region zu holen. „Und hierbei ist die Therme elementar wichtig“, so Pommerening. Erfolglose Ansätze hierzu habe es vor der sogenannten „Salzhemmendorfer Kurpleite“ mit dem Kurhotel und den Oldendorfer „Catharinenhof“ zwar schon gegeben; jetzt müsse es aber darum gehen, einen Investor zu finden, der ein Hotel mit zeitgemäßem Standard in direkter Nachbarschaft zur „Ith-Sole-Therme“ für Übernachtungsgäste baut. Hierfür böte der jetzt erreichte Bestand der Therme nun die erforderliche Sicherheit. Und hierzu sei die Kooperation von Flecken, Weserbergland-Tourismus, Krankenkassen und Rheuma-Liga ausbauen.

In der jüngsten Sitzung des Salzhemmendorfer Ausschusses für Kultur und Tourismus hatte GeTour-Geschäftsführer Thomas Slappa der Politik zwar den Rat gegeben, den Tagestourismus zu forcieren, da eine Steigerung der Übernachtungszahlen nicht mehr bis ins Unendliche möglich wäre. Zum anderen müsste aber auch das Hotel- und Übernachtungsgewerbe im Flecken neue Trends aufgreifen; so seien beispielsweise Baumhotels gegenwärtig ein Renner, erklärte Slappa.

Kur-Status sollte nicht weiterverfolgt werden.

Clemens Pommerening, Bürgermeister

Als Schwerpunkt seien bei der Therme der Freizeit- und Wellnessbereich zu betreiben, ist sich Salzhemmendorfs Bürgermeister mit den neuen Betreibern der Therme einig. Für nicht sinnvoll hält Pommerening die Idee, Salzhemmendorf in Richtung Kurort weiterzuentwickeln: Dieser Schritt sei für Salzhemmendorf zu aufwendig, die Anforderungen seien heute zu hoch.

Dabei hatte Salzhemmendorf diesen Weg mit Europas zweitstärkster „fluoridhaltigen Schwefel-Sole“ mit Balneologischem Gutachten und Anerkennung von Salzhemmendorf und Lauenstein als staatlich anerkannte Orte mit Solekurbetrieb bereits Mitte der 80er Jahre beschritten. Damals war das Wasser der „Alten Sole-Quelle“ nach den „Begriffsbestimmungen für Kurorte, Erholungsorte und Heilbrunnen“ des deutschen Bäder- und des deutschen Fremdenverkehrsverbandes als ausreichend klassifiziert worden: Die Sole könne sowohl als Bade- wie auch als Trinkkur angewendet werden, heißt es. Medizinische Gutachten attestieren der Quelle hervorragende Heileigenschaften: Die Bäder wirken unmittelbar auf die Haut, die Muskeln und die Gelenke, mittelbar auf die Blutgefäße und das Nervensystem des ganzen Körpers. Am 28. Mai 1986 hatte der Flecken Salzhemmendorf deshalb bei der Bezirksregierung Hannover den Antrag auf staatliche Anerkennung als Solebad, also Ort mit Kurbetrieb, gestellt. Die Begründung war, dass das Kuren in Salzhemmendorf eine lange Tradition hat und bis ins Jahr 1854 zurückzuverfolgen ist. Auch die vorhandenen Freizeiteinrichtungen, Entspannungs- und Wandermöglichkeiten waren damals ein Argument. Das größte Plus war und ist aber die hochwertige Sole, deren Quelle schon seit 130 Jahren sprudelt. Am 9. Dezember 1986 wurde dem Flecken Salzhemmendorf durch die Bezirksregierung Hannover die Prädikatsurkunde über die Auszeichnung als „Staatlich anerkannte Orte mit Solekurbetrieb“ für die Ortsteile Salzhemmendorf und Lauenstein ausgehändigt.

Bürgermeister Pommerening ist heute aber der Überzeugung, dass diese „Bad Salzhemmendorf“-Schiene nicht weiterverfolgt werden sollte. Die Anerkennung eines Bad-Status sei heute an so viele Voraussetzungen und kontinuierliche Überprüfungen geknüpft, die Salzhemmendorf unmöglich erfüllen könnte, meint er. In Salzhemmendorf hoffen deshalb die neuen Betreiber und die Politik, mit den Pfund der nun auf solide finanzielle Füße gestellten Therme im Konzert der Fremdenverkehrsangebote zu wuchern, die der Flecken bereits in den vergangenen 20 Jahren verfolgt hat: Als Bestandteil eines „sanften Tourismus“ – zusammen mit Naturfreundehaus, Rastiland, Humboldtsee und dem Waldhotel Humboldt. Und eben mit der Zielsetzung, Tagestouristen zu längerer Verweildauer zu bringen. Pommerening: „Unter dieser Perspektive freuen wir uns auf eine weitere konstruktive Zusammenarbeit mit der Therme.“



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare