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Wie die Tierklinik am Osterwald dem kleinen Quido wieder auf die Beine hilft

Ein Hund auf Rollen

OLDENDORF. Vor fünf Monaten war Quido in die Tierklinik am Osterwald gebracht worden. Der damals erst sieben Monate alte Welpe hatte nach einem schweren Verkehrsunfall einen Kampf um Leben und Tod hinter sich. In Oldendorf sollte er im Rahmen einer Reha-Maßnahme wieder auf die Beinchen kommen. Die Reha dauert an.

veröffentlicht am 22.12.2017 um 14:17 Uhr

Quido übt sich im Stehen. Tierarzt Jan Bitter leistet, wenn nötig, Hilfestellung. Foto: sto
Stolte Christiane

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Christiane Stolte Reporterin
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Was ist aus dem niedlichen Zwergschnauzer-Mischling inzwischen geworden? Hat er es geschafft, wieder der quirlige und lebenslustige Hund zu werden, der er vor dem Unfall gewesen war? „Abgesehen von seinen immer noch vorhandenen Einschränkungen geht es ihm gut, und er macht Fortschritte“, betont Tierarzt Jan Bitter. Zwar seien es sehr kleine, aber dennoch stetige Fortschritte.

Noch ist Quido auf medizinische und physiotherapeutische Betreuung angewiesen und wird tagsüber in der Klinik stationär betreut. So wird es vermutlich noch eine Zeit lang weitergehen. Die Behandlungsdauer steht deshalb noch „in den Sternen“. Durch die Querschnittslähmung nach dem Unfall schleift er seine Hinterläufe immer noch hinter sich her. Auch das Stehen fällt ihm schwer, klappt jedoch schon besser als vor einigen Wochen, denn er knickt nicht mehr so schnell ein. Keine Frage, Quido ist ein geduldiger Patient. Ergeben nimmt er jede Hilfe an – gerade so, als wüsste er, dass seine weitere Genesung davon abhängt.

Vor einigen Tagen hat sich die Lebensqualität des Hundes noch ein Stück verbessert und somit auch seine Geschwindigkeit. Eine Hundebesitzerin aus Hessisch Oldendorf hatte in der Tierklinik für ihn einen Hunderollwagen abgegeben. Mit dieser Gehhilfe, umgangssprachlich auch Hunderollstuhl genannt, ist Quido nicht mehr zu bremsen. Wie ein kleiner Wirbelwind düst er die Gänge der Klinik entlang und genießt die „Rolli-Therapie“ in vollen Zügen. „Da er keine Schmerzen hat, ist es für ihn pures Vergnügen“, freut sich Jan Bitter für seinen kleinen Patienten.

Auch das ungewohnte Gehen mit dem Rollwagen muss Quido noch üben. Foto: sto
  • Auch das ungewohnte Gehen mit dem Rollwagen muss Quido noch üben. Foto: sto

Quido ist allerdings noch lange auf die stationäre Behandlung angewiesen, bevor die durch die Lähmung geschädigten Nerven wieder funktionsfähig sein werden. Da der Hundebesitzer mittellos ist, war vor einigen Wochen ein Spendenaufruf in der Dewezet erschienen. „Viele Leser haben gespendet, doch weitere Spenden sind jederzeit willkommen“, betont Antje Meißner-Kupfer. Sie freue sich tierisch, im wahrsten Sinn des Wortes, dass es noch Menschen gebe, denen das Schicksal von Tieren nicht egal sei. Sie hatte vor einigen Monaten den Kontakt zur Tierklinik hergestellt. Mehr noch: Ihrem und dem Engagement ihres Lebensgefährten Holger Szymanski ist es zu verdanken, dass Quido nach seinem schweren Unfall in Aurich nicht eingeschläfert worden war.

Zum Hintergrund: Mit dem Fahrrad war Josefik Zdenek, genannt „Josef“, im Juli unterwegs in Richtung Norden. Er wollte seinem Freund Quido das Meer zeigen. Doch daraus wurde nichts. In Aurich kam es zu einem Verkehrsunfall. Quido wurde von einem Auto angefahren und so schwer verletzt, dass der Tierarzt in Aurich dem erst sieben Monate alten Welpen keine Überlebenschance einräumte. Er riet, den Hund einzuschläfern. Der Besitzer war so verzweifelt, dass der Tierarzt den kleinen Quido an die Tierklinik in Oldenburg überwies – quasi als letzte Hoffnung. Ein Freund des Hundebesitzers fuhr Hund und Herrchen dann mit dem Auto nach Oldenburg, wo Quido noch in der Nacht als Notfall eingeliefert wurde. Die Diagnose hätte für Josef kaum schlimmer sein können: Lungenblutung, schwerer Schock und Querschnittslähmung mit allen damit verbundenen Konsequenzen. Eine CT-Diagnostik ergab den Befund „Bruch eines Brustwirbels“. Die Lungenfunktion verbesserte sich nach und nach, sodass Quidos Zustand zwar immer noch sehr kritisch war, sich jedoch stabilisierte. Josef klammerte sich an das Fünkchen Hoffnung. Quido war doch sein bester Freund, sein Partner, der ihn durch Dick und Dünn auf seinem Globetrotter-Leben begleitet, der sich mit ihm das Essen teilte und mit ihm unter Brücken schlief. Josef nämlich ist wohnungslos – was in dem Fall aber nicht gleichzusetzen ist mit obdachlos, denn der gebürtige Tscheche ist seit mehr als 20 Jahren ein Weltenbummler – meist immer in Begleitung eines Hundes. Das Weltenbummler-Dasein führte Josef und Quido auch nach Hameln und nach Holzminden. Josef verdient sich seinen kargen Lebensunterhalt mit Flötespielen. Auf einem Flohmarkt in Holzminden hörten Antje Meißner-Kupfer und Holger Szymanski seine Musik und waren so begeistert, dass sie den Flötentönen folgten und mit Josef Freundschaft schlossen,. Sie gaben ihm ihre Telefonnummer und versprachen, ihm zu helfen, sollte er irgendwann einmal in Not geraten. Es dauerte nur wenige Wochen, da kam Josef tatsächlich auf ihr Angebot zurück. Antje Meißner-Kupfer und Holger Szymanski fuhren nach Oldenburg, holten Quido und Josef ab und brachten den Hund in die Tierklinik am Osterwald. Sein Herrchen nahm in der Gegend ein Quartier, um seinem kleinen Freund nahe zu sein und ihn nachts zu sich nach Hause holen zu können. Sobald der Hund genesen ist, werden sich die beiden Globetrotter wieder auf den Weg in die weite Welt machen. Die Geschichte von Quido zeigt gleich in doppelter Hinsicht, dass Freundschaft doch kein leeres Wort ist.


Spendenkonto für Quido: SpardaBank Hannover eG, Stichwort: „Josef & Quido“, Kontoinhaber: Paten-Herrchen Holger Szymanski, Kontonummer: DE 24 2509 0500 0016 1043 04.

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