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Mit Motorsäge vom Riesenstamm zur Großskulptur

Ein Brungs kommt immer aus dem Wald

Diedersen (ist/nin). Für die Nachbarschaft des Künstlers im Dorf ist es immer wieder und nach wie vor ein Hingucker: Von Zeit zu Zeit verfrachtet Christoph Brungs mächtige, gern auch ge- oder vom Blitz zerrissene Baumstämme in sein Atelier.

veröffentlicht am 11.08.2015 um 12:22 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 08:37 Uhr

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Diedersen (ist/nin). Für die Nachbarschaft des Künstlers im Dorf ist es immer wieder und nach wie vor ein Hingucker: Von Zeit zu Zeit verfrachtet Christoph Brungs mächtige, gern auch ge- oder vom Blitz zerrissene Baumstämme in sein Atelier. Und dann ist hinter verschlossenem Scheunentor über Monate, bisweilen mit Schweiß und Tränen, unüberhörbar die Kettensäge im Einsatz. Nicht allerdings, wie rundherum seit Generationen guter Brauch, für Brennholzvorrat für kalte Wintertage. Wenn Brungs in seinem Atelier „Holz macht“, geht es ihm nicht um äußerliche Kuschelwärme.
Der kreativ gestalterische Künstler mit Vorliebe für den Werkstoff Holz will „innere Lebenskraft, -balance und Wärme“, die er selbst bei der Arbeit erfährt, weitergeben. Für Brungs ist der Fall klar: „Dem, der sich bei der Betrachtung meiner Arbeiten darauf einlässt, kann es möglicherweise den Therapeuten ersparen.“  

Ein erster Impuls kommt schon mal beim Spaziergang

Seine filigranen bis über zwei Meter großen Skulpturen sind nicht nur Ästhetik, sondern und vor allem Spiritualität. Ein Angebot von „Lebenskraft und Lebenssensibilität“ für die Seele des Betrachters. Wie seine Arbeiten entstehen? Ein erster Impuls könne, wie im letzten Jahr, ganz zufällig bei einem Spaziergang ums Dorf, plötzlich da sein, als ein in der Mitte fast komplett gerissener Eschenstamm ihn nicht mehr loslassen wollte.
„Etwas ist kaputt, aber irgendwie muss es genau so sein, denn da ist auch etwas heile, sogar wertvoll und förderlich“, habe er gefühlt. Und nach Monaten unter Künstlerhand und Kettensäge entstand die mächtige Zweimeterskulptur um das Geben und Nehmen, um Trennung und Verbindung, um geteilt und doch eins. Jetzt ist sie als eine der beiden Großskulpturen unter dem Titel „Unzertrennlich“ in seinem Atelier in Diedersen zu sehen.
Da Brungs „nach den großen Stämmen des vergangenen Jahres nach etwas Feinem, Kleinen und Geölten war“, hat er als Materialschwerpunkt der aktuellen Ausstellung die Maserbirke gewählt. Eine besonders faszinierende, kleinwüchsige Holzart, quasi der Bonsai aus dem rauen Norden. „Sehr hart, mit einzigartig schöner Maserung durch dicht an dicht liegende Jahresringe und goldig schillernde Spiegelungen und Strahlen. Holz, das bestaunt und gestreichelt werden möchte“, sagt Brungs. Die ausgestellten Skulpturen überschreiten kaum die Größe einer Bowlingkugel.
Bei der Arbeit mit der Maserbirke habe er sich einer besonderen Herausforderung gestellt. Schon mehrfach wollte er Skulpturen schaffen, die sowohl stehen als auch liegen können. Nicht als Selbstzweck, sondern um Ausdruck zu gewinnen. „Das ist nicht so einfach. Nehmen wir beispielsweise einen Menschen. So wie die meisten von uns liegen, könnten wir nicht stehen, ohne umzufallen.“ Form und Haltung seien Punkte, die sich ändern, wenn sich die Position ändert. Wenn es dabei also gelänge, einer festen Form wie einer Skulptur Ausdruck und gleichzeitig Balance zu geben, könne sich im Betrachten so etwas wie ein neuer Raum öffnen. „Das ist schon sehr spannend – und mir jetzt erstmals gelungen“, lächelt Brungs. „Schwer zu beschreiben, muss man sehen und fühlen.“
Anderthalb Jahre nach seiner zweiten Ausstellung in Diedersen lädt der Künstler wieder in sein Atelier ein: zu Skulpturen, Kontakt, Begegnung, dazu, sich berühren zu lassen. Zu Bekanntem und Neuem, zu filigranen Arbeiten bis solchen von Mannsgröße. Zur Entdeckung der Maserbirke.  

  • Die Ausstellung mit großen und kleinen Skulpturen und Installationen in der Diederser Straße 19 ist an diesem Wochenende geöffnet. Am Samstag, 15. August und am Sonntag, 16. August, jeweils in der Zeit von 10 bis 18 Uhr.


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