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Basaltwerke planen nach Abbauende am Steinbruch am Ith eine Mineralstoffdeponie

Doppelter Verdienst: Loch schaffen und wieder füllen

Coppenbrügge. Von Unternehmensseite betrachtet, ist es einfach nur clever: Seit Anfang der 60er Jahren bauen die Hannoverschen Basaltwerke im Steinbruch am Ith Gestein ab, in circa zwei Jahren endet diese Abbauphase. Anstatt nun viel Geld in teure Rekultivierungsmaßnahmen zu investieren, hat das Unternehmen eine Lösung gefunden, die sogar noch Geld einbringen soll: Die GmbH plant, dort eine Mineralstoffdeponie einzurichten.

veröffentlicht am 20.06.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 10:41 Uhr

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Autor:

Catherine Holdefehr
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Die Deponieverordnung teilt die Deponien in Klassen von 0 (am wenigsten belastet) bis IV auf, je nachdem, welche Stoffe dort gelagert werden dürfen. Unter die Deponieklasse 1 fallen Stoffe wie mäßig belasteter Erdaushub und Bauschutt und vergleichbare mineralische gewerbliche Abfälle. Organische Stoffe, die Gase bilden oder sich zersetzen könnten, dürfen dort nicht abgeladen werden. Derzeit gibt es in Niedersachsen neun Klasse1-Deponien, vor einigen Jahren waren es noch 96. Grund dafür ist laut Niedersächsischem Umweltministerium, dass die rechtlichen Vorgaben, wie die Deponien gesichert sein müssen, um beispielsweise einer Verschmutzung des Grundwassers vorzubeugen, deutlich verschärft worden sind. Demzufolge gebe es jedoch einen „erheblichen Bedarf“, der auch im niedersächsischen Abfallwirtschaftsplan ausdrücklich erklärt sei. Eine Tatsache, die den Basaltwerken zupasskommt. Denn die Deponie deckt zum einen die rechtlichen Verpflichtungen der Rekultivierung ab und erfüllt zum anderen die wirtschaftliche Interessen des Unternehmens.

Die Pläne der Firma sehen vor, den Steinbruch mit mineralischen Abfällen aufzufüllen. Dazu soll der Boden des Deponiekörpers mithilfe einer speziellen Folie und weiteren Schichten so abgedichtet werden, dass kein Sickerwasser, das möglicherweise kontaminierte Stoffe aus den Abfällen enthalten könnte, in das Grundwasser gelangen könne. Eine Analyse zum Grundwasser, um beispielsweise die Fließrichtung des Wassers festzustellen, sei bereits vorbereitend durchgeführt worden, erklärte der Geschäftsführer des Unternehmens, Stefan Entrup, bei der Vorstellung der Pläne im Coppenbrügger Rat. Wenn die Deponie komplett gefüllt sei, werde diese dann auch von oben abgedichtet. Regenwasser, das während der Verfüllung in die Deponie gelangt, soll in einem Becken aufgefangen werden, um es dann fachgerecht zu entsorgen. Dadurch sei „ausgeschlossen“, dass das Grundwasser kontaminiert würde, zumal die Stoffe der Deponieklasse 1 per se gar keine Schadstoffe in Wasser abgeben würden, so die Darstellung Entrups. Kaum glauben konnte das Ratsherr Klaus-Dieter Dohme von den Unabhängigen. Er warf die provokante Frage auf, warum man so viel – kostenintensiven – Aufwand für Dichtungsmaßnahmen betreibe, wenn die Stoffe doch komplett ungefährlich seien? „Es ist eine doppelte Sicherung“, lautet Entrups Antwort. „Und Vorschrift.“

Auf Nachfrage von Karl-Heinz Brandt, SPD-Fraktionsvorsitzender, der sein „Restmisstrauen gegenüber dem Steinbruchbetreiber“ durch kritische Nachfragen untermauerte, äußerte sich Entrup auch zur Verkehrsbelastung die für die Coppenbrügger Dörfer durch die neue Deponie entstehen könnte. Zwar könne man die Belastung durch den Lkw-Verkehr nicht wegdiskutieren, dieser werde sich aber im Vergleich zu jetzt deutlich verringern. Werden bislang rund 500 000 Tonnen im Jahr vom Steinbruch transportiert, sollen es dann nur noch 150 000 bis 170 000 Tonnen sein. Zudem würde sich vermutlich das Einzugsgebiet vergrößern und sich damit der Anfahrweg nicht mehr so auf Lauenstein konzentrieren, sagt Entrup. Bislang wird über 90 Prozent des Gesteins über Lauenstein abtransportiert.

Rund 20 bis 25 Jahre lang könnte die Verfüllung der Deponie dauern, damit müsse nach jetzigem Stand vorerst kein Steinbruch-Mitarbeiter entlassen werden, erklärt Entrup. Ein Teil werde an einem anderen Steinbruch eingesetzt, während 6 bis 8 Mitarbeiter in der neu geschaffenen Deponie weiterbeschäftigt werden könnten. Wenn die Verfüllung der Deponie abgeschlossen und alles abgedichtet sei, soll im Sinne der Rekultivierung abschließend bepflanzt und teilweise aufgeforstet werden. Im Herbst will das Unternehmen ein Planfeststellungsverfahren beantragen, genehmigen muss die Deponie das Gewerbeaufsichtsamt Hannover.

Eine alternative Nutzung des Steinbruchs zum Beispiel für Kletterer schloss der Geschäftsführer der Basaltwerke aus. Die künstlich geschaffenen Wände seien ungeeignet und zu gefährlich, das Gelände müsse auf Dauer gesichert werden.



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