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100 Tage mit dem Superintendenten-Duo: Zwischenbilanz des Modellversuchs der Landeskirche

Doppelspitze ist zunächst Doppelbelastung

Coppenbrügge/Salzhemmendorf (ran). Ein Kirchenkreis mit zwei gleichberechtigten Superintendenten – geht so etwas? Die evangelische Landeskirche Hannovers probiert es gerade aus mit einem Modellversuch im Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld. Dort bildet seit Dezember 2011 Katharina Henking ein Leitungsduo mit Christian Castel. Beide ziehen nach 100 Tagen als Team eine erste Zwischenbilanz: „Es funktioniert viel besser als gedacht.“

veröffentlicht am 24.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 14:21 Uhr

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Freilich gebe es noch genug Haken und Ösen, das Miteinander sei längst nicht eingeschliffen. „Im Moment braucht es sehr viel Energie, um unsere Rollen zu klären: Wer übernimmt welche Aufgabe?“, berichtet Katharina Henking, die neue Alfelder Superintendentin. Sie fügt hinzu: „Zurzeit ist es nicht nur eine doppelte Spitze, sondern auch eine doppelte Belastung.“

Die 51-Jährige investiert zurzeit viel Energie, um alle Pastoren und Kirchenvorstände in ihrem Amtsbezirk kennenzulernen, der außer Alfeld die Regionen Bad Salzdetfurth, Holle, Ambergau, Duingen-Brunkensen, Gerzen-Grünenplan, Freden und Lamspringe umfasst. Die ersten Eindrücke seien durchweg positiv. „Ich erlebe eine ganz große Offenheit“, sagt Katharina Henking.

Christian Castel erlebt es als spürbare Arbeitserleichterung, nun nicht mehr für den gesamten Kirchenkreis mit seinen 86 Gemeinden und 87 000 Gläubigen zuständig zu sein. Von Elze aus betreut er „nur“ noch die Regionen Ith, Saaletal, Elze, Nordstemmen, Gronau, Schellerten und Söhlde. Das vorige Jahr, als er den Alfelder Amtsbezirk mit versorgt habe, sei für ihn „an vielen Stellen schon sehr grenzwertig“ gewesen, so Castel. Die neue Lösung bedeute auch für ihn ein Umdenken: „Viel Praxis, die sich in den letzten sieben Jahren eingespielt hat, ist für mich neu auf dem Prüfstand.“

Immerhin hat er den „Berufswechsel“ lang genug hinter sich, um ihn verdaut zu haben. Denn nichts weniger, da sind sich die beiden Theologen einig, bedeutet der Schritt, die Arbeit als Gemeindepastor aufzugeben und die Leitung eines Kirchenkreises zu übernehmen.

„Ich habe mir über die Fülle der unterschiedlichen Aufgaben vorher keine richtige Vorstellung machen können“, sagt Katharina Henking. Superintendentin sei man „gleich mit Haut und Haaren“. Und es falle ihr durchaus schwer, zu akzeptieren, dass sie nur mit einem Teil ihrer Stelle für die St.-Nicolai-Gemeinde in Alfeld zur Verfügung steht – und eben nicht als volle Gemeindepastorin, wie es in den letzten elf Jahren in Rosdorf bei Göttingen der Fall war.

Umso glücklicher ist sie, den Schritt in die Leitungsfunktion erst jetzt getan zu haben, obwohl es früher schon Anfragen gab. Ihre beiden Kinder sind flügge geworden, das erspare den Spagat zwischen Familie und Beruf: „Jetzt bin ich froh, wenn mein ältester Sohn in den Semesterferien da ist und für mich kocht.“

Noch ein anderer Umstand erleichtert Katharina Henking den Neubeginn: Ihren Elzer „Mit-Chef“ Castel kennt sie schon seit dem Theologie-Studium in Göttingen. Damals, in den frühen Achtzigern, sangen sie gemeinsam im Chor, der von Katharina Henkings heutigem Mann Arwed geleitet wurde. Nun kann die musikalische Verbindung wieder aufleben: im „Ephoralen Quartett“, an dem auch Christian Castels Gattin Hella mitwirkt. Erstmals live zu erleben am Karfreitag, 6. April, um 15 Uhr in der Alfelder St.-Nicolai-Kirche.



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