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Wenn Lastwagen nachts durch das Dorf brettern, stehen die Anwohner senkrecht im Bett

Donner der XXL-Tonner nervt in Dörpe

Dörpe (ist). Ein XXL-Tonner donnert von links durch die gewundene Dörper Dorfstraße, wechselt beim Vorbeifahren an dem geparkten Anhänger auf die Gegenfahrbahn – der Autofahrer von rechts schafft die Vollbremsung in letzter Minute, kann den Crash gerade noch verhindern. Die Dorfkatze kriegt eben noch die Kurve. „Genau wie in dem Ort Giften“, brüllt Eckhard Luchterhand vor seiner Haustür durch den Verkehrslärm. „Parkender Muldenkipper am Straßenrand, von hinten ein Rübenlaster mit Affenzahn, von vorne ein Golf – Frontalzusammenstoß, ein Toter, zwei Schwerverletzte!“ Rücksichtsloses Fahrverhalten mit Unfallfolge und -gefahr, weit überhöhte Geschwindigkeiten und damit verbundene Ruhestörung aufgrund schlechten Straßenzustandes sowie eklatante Zunahme des Lkw-Verkehrs durchs Dorf seit Einführung der Lkw-Maut seien während der letzten fünf Jahre, die er hier wohne, zunehmend unverschämter geworden. Das registriere er täglich und vor allem nachts, so Luchterhand. „Wenn die Lkw-Fahrer der Nachtabfuhr von Rüben-, Kies- und Mülltransporten über die Bodenwellen der Dorfstraße knallen, dann wackelt hier mein Haus und die Gläser tanzen in der Vitrine.“ Seinen Anhänger habe er vor der Haustür geparkt, um die Trucker zur Tempodrosselung zu zwingen – was klappe, aber oft auch von wütendem Signalhorn und Hupen begleitet sei. „Würden die alle und immer mit 30 oder 40 Stundenkilometern durchfahren, wär’s ruhig.“ Tempo 30 müsse her, ebenso wie die innerörtliche Sperrung der Landesstraße 422 für Lkw mit mehr als 12 Tonnen von 22 bis 6 Uhr. Damit zumindest nachts Ruhe im Dorf sei, so die Forderung des 62-Jährigen. „Die Möglichkeiten haben wir laut Gesetz“, fügt er unter Hinweis auf die gesetzlich festgeschriebenen Grenzwerte von Geräuschemissionen hinzu. Wenn die Rübenfahrer mit ihren leeren Containern nachts durch das Dorf bretterten, stünden vor allem die Anwohner rund um den mit Kopfstein gepflasterten Lindenplatz von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang senkrecht im Bett. „Ja was sollen wir denn machen?“, so seine Erfahrung, sei schon immer die hilflose Reaktion der Anwohner auf das „Rübentheater“ gewesen, unter dem alle im Dorf leiden, das jeder ergeben hin-, niemand jedoch etwas dagegen unternehme. Letztes Jahr, so Luchterhand, habe er den Dörpern gesagt: „Wenn ihr nichts macht, mache ich was!“ Und er hat etwas gemacht: Mehrere schlaflose Nächte hindurch hat er bis zu fünfzig Lkw und mehr fotografiert, hat Gespräche gesucht und geführt, unter anderem mit Landrat Rüdiger Butte, hat etliche Briefe geschrieben und darin auf die Verkehrssituation in Dörpe aufmerksam gemacht. Adressaten waren der Ministerpräsident, der Wirtschaftsminister, die niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, der Landkreis, Gemeindebürgermeister Hans-Ulrich Peschka, Gemeinderatsmitglied Klaus-Dieter Dohme und Rudolf Podolsky, Werksleiter Nordzucker Nordstemmen.

veröffentlicht am 17.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 18:41 Uhr

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„Der einzige, der sich auf meinen letzten Brief jetzt im Oktober umgehend gemeldet hat, war Markus Brockmann von der Straßenbehörde“, so Luchterhand. Brockmann verweist in Absprache mit dem Landesministerium auf die Zuständigkeit und Entscheidung des Landkreises und appelliert nach Informationsaustausch mit Nordzucker, Polizei und Landkreis an die Selbstverpflichtung auf rücksichtsvolles, nicht nur vorschriftsmäßiges Fahrverhalten auch hinter dem Steuer des Rübentransporters. Nicht alle Dinge könnten auf dem Verwaltungsweg gelöst werden. Landesstraßen seien eben für jedermann befahrbar.

Von den „Trantüten“ in der lokalen Politik habe er bis heute noch keine Antwort erhalten, sagt Luchterhand. Lediglich Dohme hätte immerhin sein Anliegen an die Presse weitergeleitet. „Weil der unfallträchtige Stresspegel der unter Druck gesetzten Lkw-Fahrer durchaus kein saisonales Inselproblem während der Rübenernte ist“, so dessen Erfahrung. „Das Dörper Verkehrsproblem beschäftigt uns schon seit Jahren und wurde lebhaft mit den Einwohnern diskutiert“, sagt Peschka auf Anfrage der Dewezet. „Aber unser Handlungsspielraum ist gering, da Landesstraßen wie die L 442 nicht in unseren Zuständigkeitsbereich fallen.“ Auf die jüngste Initiative Luchterhands sei er im Sommer von diesem nur beiläufig und bei einem zufälligen Zusammentreffen angesprochen worden, ein Brief im Rathaus sei nie angekommen.

Der Landkreis hat schon im April darauf hingewiesen, dass in der Erntezeit in Ackerbaugebieten grundsätzlich mit erhöhtem Verkehrsaufkommen und damit Lärmbelästigung zu rechnen sei. Landesstraßen dienten gerade auch dem überörtlichen Lkw-Verkehr. Lokale Sperrungen würden die Verkehrsproblematik in andere Bereiche verlagern und dort zu zusätzlicher Gefahrenproblematik durch beispielsweise Fahrbahnverschmutzung in direkter Ackerrandlage führen. Mautbedingtes, erhöhtes Verkehrsaufkommen auf der L 422 habe nicht registriert werden können. Eine Anordnung von Verkehrszeichen und -einrichtungen sei folglich nicht zwingend geboten. Es bleibe bei der bisherigen Regelung. Um Toleranz und Verständnis werde gebeten.

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  • 51 Rüben-Lkw sind laut Luchterhand 2008 allein in einer Nacht durch Dörpe „gedonnert“. In diesem Jahr sind es aufgrund des Entgegenkommens von Nordzucker Nordstemmen weniger. Foto: pr

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