weather-image
12°

Naturfilmer und Jäger berichten von zahlreichen Begegnungen

Die Wildkatze erobert den Osterwald

Osterwald. Schon als Kind war Klaus Wüstemann häufig im Osterwald unterwegs – gemeinsam mit seinem Vater. Der zeigte seinem Sohn Fährten, erklärte Pflanzen und Tiere. Als der Senior im hohen Alter aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in den Wald gehen konnte, brachte Klaus Wüste-mann den Wald im übertragenen Sinne zu ihm nach Hause, zeigte ihm Tier- und Naturaufnahmen, die er per Videokamera eingefangen hatte. Um Erfolg zu haben, musste er mit seiner Kamera oft stundenlang im Wald ausharren.

veröffentlicht am 10.11.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 02:21 Uhr

270_008_7559246_lkcs102_1111.jpg

Autor:

Christian Göke
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Im Laufe der Jahre liefen dem Naturfreund viele heimische Tiere wie Hirsche, Reh- und Schwarzwild und auch ein Dachs vor die Kamera. Auch nach dem Tod seines Vaters blieb Wüstemanns Leidenschaft für den Wald ungebrochen. Dort könne er am besten abschalten, verrät er. Und natürlich ist die Videokamera immer dabei – inzwischen filmt er sogar in HD-Qualität. Am heimischen PC werden die Aufnahmen bearbeitet und teilweise auch mit Musik unterlegt. Vor kurzem aber machte er eine Begegnung der besonderen Art. Nachdem er gut getarnt schon einige Stunden im Wald „angesessen“ hatte, gelang es ihm, aus nur wenigen Metern Entfernung eine Wildkatze zu beobachten und zu filmen – unter anderem beim Beutefang. Den Film schnitt er auf eine Länge von fünf Minuten zusammen.

Die Wildkatze ist mittlerweile kein einsamer Gast mehr im Osterwald. Der Osterwalder Jäger Jan Rohrmann etwa hat zusammen mit seinem Vater schon viele Bilder von den Tieren gemacht. „Vor ein paar Jahren habe ich sogar ein Tier mit vier Jungen gesehen“, berichtet Rohrmann. An einigen Stellen im Osterwald sehe man die Tiere als Jäger fast regelmäßig, obwohl diese sehr scheu seien.

Aus diesem Grund zieht Wüstemann auch immer gut getarnt in den Wald, um an von ihm vorher ausgewählten Plätzen oft stundenlang auszuharren. „Man muss dem Wild so gut es geht die Möglichkeit nehmen, dich als Mensch und damit als Gefahr wahrzunehmen“, so der Naturfilmer.

Um unerkannt zu bleiben, verdeckt Wüstemann auch sein Gesicht, seine Hände und das Kamerastativ, denn die Tiere reagieren sofort, wenn sie ungewöhnliche Farben wie etwa die der Menschenhaut in der Umgebung feststellen.

Seit 1934 stehen

Wildkatzen unter Naturschutz

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat es sich mit dem Projekt Wildkatzensprung zur Aufgabe gemacht, den Bestand der Wildkatzen zu erfassen und auch die verschiedenen Lebensräume der Tiere zu verbinden. Mithilfe des vor rund zehn Jahren gestarteten Projektes „Rettungsnetz Wildkatze“ werden die Lebensräume mithilfe von Wildkorridoren verbunden. Die Waldinseln in Deutschland werden durch Anpflanzungen von Bäumen und Büschen verbunden. Das Ziel ist ein Waldverbund von 20 000 Kilometer Länge über ganz Deutschland. In den vergangenen zehn Jahren wurden nach BUND-Angaben von Freiwilligen mehr als 40 000 Bäume und Büsche angepflanzt, allein in Niedersachsen seit 2011 schon 6000 Pflanzen. Bei Hohenbüchen im Flecken Delligsen etwa wurden Ende des vergangenen Jahres rund 2000 Bäume gepflanzt, um den Hils mit dem Reuberg sowie mit dem angrenzenden Duinger Berg und Thüster Berg zu verbinden.

Anfang des letzten Jahrhunderts galt die Wildkatze fast als ausgestorben und wurde schon 1934 unter Naturschutz gestellt. Die unter ihrem lateinischen Namen felis silvestris bekannte europäische Wildkatze streift vermutlich seit mehr als 8000 Jahren durch unsere Wälder. Sie ist an ihrem buschigen Schwanz mit drei schwarzen Ringen leicht zu erkennen. Die Evolution trennte die Wildkatze von den Vorfahren der Hauskatze vor etwa 20 000 Jahren. Generell sind Wildkatzen kräftiger und größer als Hauskatzen. Auch im Verhalten unterscheiden sich Wildkatze und Hauskatze erheblich voneinander. Eines der wesentlichen Merkmale der Hauskatze ist ihre hohe soziale Toleranz, während die Wildkatze eher solitär lebt. Die Tiere führen ein Leben als Einzelgänger, wobei ein Kuder (jagdlicher Ausdruck für den Kater) eine Reviergröße von bis zu neun Quadratkilometern und ein weibliches Tier immerhin noch von bis zu vier Quadratkilometern für sich beansprucht. In freier Wildbahn werden die Tiere zwischen sieben und zehn Jahre und in Gefangenschaft bis zu 15 Jahre alt – wobei auch in Gefangenschaft geborene Tiere als unzähmbar gelten.

Wildkatzen sind durch die Zerstückelung von tatsächlichen und möglichen Lebensräumen, durch Verkehrstod beim Überqueren von Straßen und durch Fehlabschüsse infolge von Verwechslungen mit verwilderten Hauskatzen bedroht. Unter ihren Feinden sind vor allem Luchs und Wolf zu nennen, die aber zumindest im Osterwald derzeit keine Rolle spielen. Uhus, Seeadler, Steinadler und Habichte erbeuten meist nur Jungtiere. Der Fuchs ist keine Bedrohung für gesunde Wildkatzen, kann aber unter Umständen dem Nachwuchs gefährlich werden.

Internet: Zu sehen ist das Video von Klaus Wüstemann unter diesem Link: https://www.youtube.com/watch?v=dzfj8ulONUI



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt