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Der Geschenkeklassiker von früher begeistert auch heute noch Kinder – und nicht nur die

Die Weihnachts-Bahn

Sie war früher eines der beliebtesten Weihnachtsgeschenke: die Modelleisenbahn. Und noch heute ist die „Welt im Kleinen“ in manchen Familien Rückzugsort an den Feiertagen.

veröffentlicht am 25.12.2015 um 14:00 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:51 Uhr

Eisenbahn Oldendorf

Autor:

Christiane Stolte
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Die Zeiten, in denen sich Kinder in der Vorweihnachtszeit an den Schaufensterscheiben ihre Nase plattdrückten und sich nicht sattsehen konnten an einer Modelleisenbahn, die in der Auslage ihre Kreise zog, sind längst vorbei. Im Gegensatz zur heutigen Zeit gehörten damals Eisenbahn und Weihnachten zusammen wie Lokomotive und Triebwagen. Klar, dass auf dem Wunschzettel von „Hans“ und „Peter“ auch Eisenbahnwünsche notiert wurden. Vielleicht bringt das Christkind ein paar Gleise oder gar eine schnaufende Dampflok?
 Wer bereits stolzer Besitzer einer Eisenbahn war, baute seinen Schatz vorsorglich schon vor Heiligabend in der „guten Stube“ auf, um das Christkind einsichtig zu stimmen. Mittlerweile haben Computerspiele & Co. der Eisenbahn den ersten Rang auf der Wunschliste abgelaufen, und es ist stiller geworden um die gute, alte Eisenbahn. Trotzdem befindet sie sich nicht auf dem Abstellgleis. Tatsächlich gibt es noch Familien, in denen die Modelleisenbahn freie Fahrt hat. Beispielsweise bei Meyers in Oldendorf.

Gesellschaft von
den Enkeln auf
dem Dachboden

 Seit fast vier Jahrzehnten rumpeln Züge in der Spur H0 durch das Haus. In Fahrt gebracht hatte sie damals Klaus Meyer, der von Berufs wegen als Industriemeister genügend handwerkliches Geschick besaß, um eine Modellbahn aufzubauen und sie mit viel Fantasie und Tüftelei immer größer werden zu lassen. „Angefangen hat es mit dem Modellbau, als unsere drei Söhne klein waren“, erinnert sich der mittlerweile 72-Jährige. Um gemeinsam mit den Kindern etwas zu unternehmen, habe er in der Größe einer Tischplatte einen kleinen Kreis Schienen verlegt, eine Lok und einige Wagen daraufgesetzt, und los ging die Fahrt. Bald sei die Platte zu klein geworden, denn immer mehr Teile kamen dazu. Also ab mit dem Schienenverkehr auf den Dachboden. Dort wurde die Anlage größer und größer. Auch als seine Söhne keine Lust mehr hatten auf die Eisenbahn, blieb ihr Klaus Meyer treu. „Der Eisenbahn-Vogel hatte mich voll im Griff“, erzählt der Modellbahner humorvoll.
 Mittlerweile hat der Rentner wieder Gesellschaft auf dem Dachboden, denn mit zur Crew gehören nun seine Enkel Jonas (7) und der dreijährige René. „Opa, komm, lass uns spielen“, bitten sie ihn, nehmen ihn an die Hand und ziehen ihn zur Eisenbahn. Der Opa freut sich. Viel Zeit verbringt er mit den beiden Jungen und der Eisenbahn. Mittlerweile ist die Anlage gut sieben Meter lang. Die Züge fahren durch Berg- und Seenlandschaften, durch Dörfer und Städte. Auf den klitzekleinen Bahnhöfen unterhalten sich winzige Reisende, in einem Dorf brennt ein Haus, auf einer Bergwiese ziehen weidende Kühe die Blicke auf sich und ein Angler hat einen dicken Fisch am Haken. Wie im richtigen Leben. Während Jonas einem entgleisten Zug wieder auf die Spur verhilft, macht es sich René auf Opas Schoß bequem und gibt seinem großen Bruder fachmännische Ratschläge. Am heutigen Heiligabend wird es nicht anders sein. Klar, dass die drei „Eisenbahner“ nach einem guten Essen wieder Posten beziehen werden. „Ich freue mich auf die Geschenke, aber auch auf das Eisenbahnspielen mit Opa“, sagt Jonas. Und seine Augen strahlen.
 Nicht nur seinen Enkeln beschert Klaus Meyer mit der Eisenbahn ein schönes Weihnachtsfest, sondern auch einem Freund, der sich nach einem schweren Verkehrsunfall wieder erholen muss. Da auch er Eisenbahnfan ist, hat Meyer ihm eine Eisenbahn in einem ganz normalen Reisekoffer gebaut – ausgestattet mit einer Kirche, ein paar Häusern und einem Tunnel, durch den sich auf einigen Gleisen ein kleiner Zug schlängelt. Diesen „Eisenbahn-Koffer“ hat Meyer seinem Freund mit in die Medizinische Hochschule ans Krankenbett gebracht. „Mittlerweile ist mein Freund wieder zu Hause, und der Koffer steht in seinem Zimmer“, freut sich Klaus Meyer. Der Freund sei sehr gerührt gewesen über die Koffereisenbahn. Sie sei wie ein Weihnachtsgeschenk.

Eisenbahn Oldendorf
  • Bei der Koffereisenbahn wird zum Schließen des Koffers der Turm der Kirche abgenommen, damit er nicht zerbricht. Foto: sto


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