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Wie Bessingen mit Veränderungen umgehen will / „Sack voller Perlen liegt ungenutzt vor der Haustür“

Die „Stinkeborner“ haben einen Zukunftsplan

Bessingen (ist). Michael Gand, Hartmut Greve, Walter Greve, Hartwig Werner, Friedel Schulte, Margret Baum, Henning Sander und Rainer Olze, allesamt sind sie „Stinkeborner“, wenn nicht von Geburt, dann aus Leidenschaft – sie bilden das „Zukunftsteam von Bessingen“. Ihr Ziel: der allgemeinen Landflucht sowie dem demografischen und darauffolgenden infrastrukturellen Wandel geeignete Mittel und Veränderungen in einem Zukunfts-Plan entgegenzusetzen, diese Prozesse zu stoppen oder besser noch umzukehren. Damit es nicht zu ruhig – und insbesondere für ältere Menschen - zu einsam wird an der Schwefelquelle, von der die „Stinkeborner“ ihren Namen haben.

veröffentlicht am 19.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 10:21 Uhr

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„Wir werden heute Zukunftsgeschichte schreiben“, ruft der junge Mann am Beamer in das rappelvolle Bessinger Pfarrhaus und bekommt lebhaft zustimmenden Applaus. Rund 80 Besucher, Vor-Krabbelstube bis 70 plus soweit die Stühle reichen, waren der Einladung zu Information und Diskussion des Zukunfts-Teams Bessingen gefolgt. Um Lebensqualität nicht nur zu erhalten, sondern auch zukunftsträchtig an ein verändertes gesellschaftliches Lebensumfeld anzupassen, so Henning Sander in seiner einführenden, professionellen Präsentation (Strukturdaten des Ortes und geplanter Projektablauf), „liegt es an uns selbst, aktiv zu werden und nicht beim Staat“. Sander (26), Bessinger und Student der Fachrichtung Regionalmanagement und Wirtschaftsförderung in Göttingen, ist Beispiel dafür, dass das Studium nach dem Abitur eben nicht Jungakademikerabschied auf Nimmerwiedersehen vom Dorf sein muss. Es kann auch Wiederkehr mit besonderer Herausforderung für den einen, für die anderen gleichermaßen wertvolle wie bitter notwendige und dankbar angenommene Entwicklungskompetenz in aktuellem Zeitgeist sein.

Damit man sich in Bessingen auch als nicht ausgesprochener Vereinsmeier in 20 Jahren noch wohlfühlen könne – ohne weitere Bevölkerungsabnahme, weiterhin angestiegenem Häuserleerstand und -verfall oder „Unsichtbarkeit“ (Manuel Olze, 18) von unter 18-Jährigen in der Dorfstraße, die laut Statistik immerhin 30 Prozent ausmachen –, wird der vorgestellte Zukunftsplan Bessingen durch zahlreiche Vorschläge und Ideen aus der reichhaltigen Bessinger Erfahrungswelt der Anwesenden ergänzt. Ein lebhaft unterhaltsames Brainstorming über Stunden, das mitunter langjährige Erinnerungen bemüht und seinem Namen alle Ehre macht.

Natürlich gehöre eine Homepage ins Netz, um heutzutage überhaupt wahrgenommen zu werden, Kommunikation im Dorf müsse sowohl über das Internet als auch über das gute alte und zentrale Schwarze Brett erfolgen. Gesprächs- und Interessensforen ohne starre Vereinsstatuten werden vorgeschlagen, die Kontaktaufnahme mit Neubürgern sei für beide Seiten früher wie heute schon immer Grundlage für Wohlfühlatmosphäre pur gewesen – nicht alles sei eben heutzutage anders. Insbesondere aber die malerische Umgebung, Zuzugsgrund und Wohlfühlfaktor Nummer eins von Bessingen, müsse mehr Beachtung finden.

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„Wir haben hier einen Sack voller Perlen ungenutzt vor der Haustür liegen“, sagt Bernd Stockmann (41); die in der Dienstleistungsgesellschaft touristisch in Wert zu setzen, würde sowohl Arbeitsplätze schaffen als auch Zuwachs an Lebensqualität garantieren…

Am Ende eines langen Nachmittages geht man nach Hause – nicht mit dem Gedanken, wieder einmal wie hundert Jahre hindurch mit Vereinsklüngel und Clique sauber gefeiert zu haben bei Bratwurst, Bier und Dorfklatsch. In ersten Gesprächen untereinander, auch mit bis dahin teilweise nur durch freundlichen Blickkontakt bekannten Einwohnern, wie Marita Greve (60) und Renate Schnake (65) erfreut feststellen, sind gemeinsam erste Zukunftsperspektiven für „Beschen“ entwickelt worden. Und es herrscht Zuversicht: „Noch ist Bessingen längst nicht verloren.“ Gelungener Auftakt, so lautet das Fazit von Moderator Rainer Olze. „Zukunft kann gestaltet werden, die Bessinger sind offen.“ Über die Hälfte der Gäste erklärt sich am Ende spontan zu weiterer informativer wie aktiver Mitarbeit bereit. „Wir werden sechs Arbeitsgruppen bilden zu den Bereichen junge Familien, Generationen, Lebensqualität, Landschaft, Kultur und Medien“, so Olze. Spätestens für Januar 2011 ist die abschließende Umsetzungswerkstatt mit dem Beginn nachhaltiger Projekte geplant.

Eine zentrale, im Laufe der Jahre nicht wenig heruntergekommene Immobilie im Dorfkern wandelte sich durch Ankauf und komplett ehrenamtliche Arbeit vom Weg- zum Hingucker: das Bürgerhaus an der Schwefelquelle.

Foto: ist



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